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27. September 2017

"Von armen, aber frommen Eltern"

Der Hebelbund gab in Hauingen Einblick in die Familiengeschichte des Dichters / Hebels Eltern heirateten in Hauingen.

  1. „Mit Hebel unterwegs": Hebelbund-Vizepräsident Axel Huettner, Präsidiumsmitglied Helen Liebendörfer, Vizepräsidentin Inge Hemberger und Ortsvorsteher Günter Schlecht (v.li.). Foto: Paul Schleer

LÖRRACH-HAUINGEN. Einen hochinteressanten Sonntagnachmittag erlebten Hebel-Freunde im vollbesetzten Gemeindehaus und in der Nikolauskirche bei dem Einblick in die Familie des großen Heimatdichters, Theologen und Pädagogen Johann Peter Hebel, den Vizepräsident Axel Huettner gab. Der Hebelbund hatte eingeladen.

Zunächst traf man sich zu Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus, wo Vizepräsidentin Inge Hemberger die Besucher im Namen des Hebelbundes begrüßte. Sie erinnerte daran, dass 2009 zur Erinnerung an den 250. Hochzeitstag von Hebels Eltern Ortsvorsteher Günter Schlecht den Festvortrag gehalten habe, der gleichzeitig Auftakt zum großen Hebel-Jubiläum gewesen ist. Hauingen genösse eine besondere Stellung, was Hebel angehe – "gäb's nämlig die Hochzit do in Hauge nit, gäb's vermutlich au de Hebel nit!". Der erste Präsident des Hebelbundes war Richard Nutzinger, einst Pfarrer in Hauingen. Gedankt wurde dem Hauinger Gerhard Moehring für seine intensiven Hebel-Forschungen. Mit Geschichten und Versen von Hebel unterhielten Inge Hemberger und Helen Liebendörfer, die ebenfalls zum Präsidium gehört.

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In der Nikolauskirche berichtete Axel Huettner aus Hebels Familiengeschichte. "Ich bin von armen, aber frommen Eltern geboren", schrieb der Dichter. Sein Vater war Johann Jakob Hebel, Leinenweber und Herrendiener, geboren 1720 in Simmern im Hunsrück, gestorben 1761 in Hausen. Er heiratete 1759 in Hauingen Ursula Örtlin, Magd und Hausfrau. Sie kam 1726 in Hausen zur Welt und starb am 16. Oktober 1773 bei Brombach, ein Gedenkstein erinnert daran. Das Paar hatte zwei Kinder, neben dem späteren Theologen und Dichter dessen Schwester Susanne, die wenige Wochen nach ihrer Geburt an Typhus starb. Dieser Krankheit erlag im gleichen Jahr der Vater.

Johann Jakob Hebel hatte 1747 bei dem Basler Patrizier und Ratsherren Iselin-Ryhiner eine Stelle als Herrendiener angenommen. Der kam als Major, Brigadier und Söldnerführer in französischen Diensten in der Welt herum und mit ihm sein Herrendiener. Bekannt ist, dass Johann Jakob Hebel am 1. Dezember 1758 an Ursula Örtlin aus Valenciennes einen Brautwerbebrief schrieb. Sie stand ebenfalls in Iselin-Ryhiners Diensten.

Seit 1959 hängt eine vom Hebelbund Lörrach gestiftete Sandsteintafel an der Hauinger Kirche mit der Inschrift "Hier wurden die Eltern Johann Peter Hebels am 30. Juli 1759 getraut". Dass die Eltern Hebels in Hauingen heirateten, so hieß es, hat seinen Grund darin, dass sich Hauingen auf halbem Weg vom Arbeitgeber Iselin in Basel nach Hausen befand, wo die Familie die Winter verbrachte. Grund war aber auch die unterschiedliche Konfession der Eltern. Der Vater gehörte der reformierten Kirche an, die Mutter war Lutheranerin. Dies war damals in Basel ein Ehehindernis.

Johann Peter Hebel wurde wie seine Schwester Susanne in Basel in der reformierten Kirche getauft. Für die Kirchenbücher war damals die Taufe von Belang.

Autor: Paul Schleer