Witze als Belohnung fürs Mitsingen

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Do, 09. November 2017

Lörrach

Klez Banda aus Berlin gaben ein vergnügliches Konzert bei der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach.

Die Gruppe Klez Banda aus Berlin bescherte mehr als 150 Besuchern im Saal der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach einen vergnüglichen Sonntagnachmittag. Das Quartett spielte Klezmer, die Musik der osteuropäischen Juden, und stellte dabei nicht nur vielfältiges Liedgut vor, sondern brachte die Besucher am Ende sogar noch zum Tanzen.

Klezmer – das Wort bedeutet im modernen Hebräisch Musikant und auch Musikinstrument – ist eine Musikrichtung, die sich etwa um das 15. Jahrhundert herum entwickelte, die aber weitaus ältere Traditionen aufnimmt, zurückreichend teilweise bis in biblische Zeit. Aber auch in den vergangenen Jahrhunderten hat sich die Klezmer-Musik weiterentwickelt und lebendig gehalten. Wie lebendig, das demonstrierten die Musiker aus Berlin sehr nachdrücklich. In der für Klezmer klassischen Besetzung mit Akkordeon, Geige, Bass und Gesang (allein die häufig verwendete Klarinette fehlte), spielte Klez Banda Lieder verschiedener Herkunft, überwiegend eine Musik, die auf Hochzeiten und anderen Festen gespielt wurde und noch gespielt wird. Aber nicht nur in friedlichen Zeiten wurde musiziert, auch in schweren Zeiten, etwa im Krieg, und so stand zwischen all den Tänzen und fröhlichen Liedern auch mal ein melancholisches Stück. Überwiegend aber waren die Stücke voll von Heiterkeit und Zuversicht, und das Quartett trug sie auf beschwingte und muntere Art vor.

Anna Metaxa interpretierte sie als Sängerin engagiert und voller Ausdruck und mit einer beeindruckenden Stimme. Leidenschaftlich und virtuos spielte Stanislav Tim die Geige, während Eduard Scharlak am Bass für das solide Fundament sorgte. Bandleader und Arrangeur Jossif Gofenberg lieferte mit seinem Akkordeon souverän und gekonnt die festgemäße Grundstimmung.

Es war ein sehr internationales Programm, das die Gruppe spielte. Viele Lieder waren in jiddischer Sprache, manche aber auch in russisch oder griechisch, etwa ein Lied über die goldenen Kuppeln von Moskau oder ein anderes, das von den sephardischen Juden in Thessaloniki stammte. Zum Repertoire gehörte auch ein Stück von Mordechaj Gebirtig, den Gofenberg als einen der besten Klezmer-Komponisten und Musiker bezeichnete. Der 1877 geborene Gebirtig wurde 1942 im Krakauer Ghetto von einem deutschen Soldaten erschossen. Bei manchen Liedern forderte die Band die Besucher auch auf mitzusingen, so bei "Donaj, Donaj" und "Tumbalalajke", zwei Lieder, die allgemein bekannt sind. Das Publikum, das auch sonst häufig mitklatschte, sang eifrig mit, zumal Jossif Gofenberg jeweils eine Belohnung versprochen hatte: Er erzählte dann jeweils einen Witz, etwa den, warum es den Papst in Rom 100 Euro kostet, wenn er mit seinem roten Telefon mit Gott telefoniert, den Oberrabbiner in Jerusalem aber nur 30 Cent: Dort ist es ein Ortsgespräch. Mitgesungen wurde auch bei dem aus einem jiddischen Musical aus New York stammenden Song "Bei mir bistu shein". Am Ende des Konzerts forderte Gofenberg die Besucher auf, die Stühle zur Seite zu stellen und zu tanzen, was auch geschah. So endete das vergnügliche Konzert tatsächlich noch wie ein Fest.