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03. Dezember 2010
Zur Todesstrafe nicht schweigen
Die Stadt Lörrach beteiligt sich zum ersten Mal am internationalen Aktionstag gegen die Todesstrafe / "Ist das noch Kultur?".
LÖRRACH. Für eine Welt ohne Todesstrafe – dafür setzen sich Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und auch die 1968 in Rom gegründete Gemeinschaft Sant´ Egidio seit vielen Jahren ein. Seit acht Jahren findet auf Initiative von Sant' Egidio unter dem Motto "Städte für das Leben – Städte gegen die Todesstrafe" am 30. November ein internationaler Aktionstag gegen die Todesstrafe statt. Zum ersten Mal hat sich auch die Stadtverwaltung Lörrach mit einer Gedenkveranstaltung im Museum am Burghof an der Aktion beteiligt.
"Wir in Lörrach wollen nicht schweigen, wir als Kommune wollen die rechtswidrige Menschenrechtsverletzung Todesstrafe ins Bewusstsein der Menschen rufen", sagte Bürgermeisterin Marion Dammann am Dienstag. Auch der Kampagnen-Koordinator der Schweizer Sektion Amnesty International, Patrick Walder, begrüßte den Aktionstag als Möglichkeit für die Städte, sich gegen diese Menschenrechtsverletzung auszusprechen.Walder bestätigte zwar einen "globalen Trend zur Abschaffung der Todesstrafe", die in Europa nur noch in Weißrussland vollstreckt wird. Doch wies Walder auch auf die immer noch hohen Zahlen von staatlich angeordneten Tötungen vor allem in China, Iran, Irak, Saudi-Arabien und den USA.
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Der Trend zur Abschaffung werde nach seiner Einschätzung zwar weitergehen, sagte Walder, "aber verlangsamt". Denn Politik, die auf Feindbilder setzt, sei wieder populär, sagte der Schweizer Walder und wies auf das Minarett-Verbot in seinem Land und den Beschluss zur automatischen Ausweisung von kriminellen Ausländern aus der vergangenen Woche. "Von solchen Beschlüssen bis zum Ruf nach der Todesstrafe kann es nur ein kleiner Schritt sein", so Walder.
Museumsleiter Markus Moehring zeigte in einem Vortrag die Entwicklung der Todesstrafe in Südbaden und Lörrach auf und demonstrierte mit Folterinstrumenten aus dem Museumsbestand wie einem Schwert für die Hinrichtungen aus dem 19. Jahrhundert die Brutalität der staatlichen Tötungen. "Einen traurigen Höhepunkt erreichte die Zahl der Todesurteile in Deutschland im Dritten Reich", sagte Moehring – in wenigen Jahren wurden 12 000 Todesurteile vollstreckt. Unvergleichlich höher war die Zahl der Toten, die das Regime ohne Gerichtsurteil ermorden ließ. Hierzu gehören auch die vor 70 Jahren aus Lörrach deportierten Juden, sagte Moehring.
Bibliotheksleiter Florian Nantscheff las mit musikalischer Begleitung von Martin Fischer an der Oboe aus essayistischen und biografischen Texten zum Thema wie "Betrachtungen zur Todesstrafe" vom französischen Schriftsteller Albert Camus und den Tagebuchaufzeichnungen des Berliner Kommunisten und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Rudolf Seiffert, der am 29. Januar 1945 im Gefängnis Brandenburg-Görden hingerichtet wurde. Seiffert schrieb von der unwürdigen Zeit in der Todeszelle und vom "Schlachten von Menschen" und fragte "Ist das noch Kultur?"
Dass Hinrichtungen nicht mit ziviler Kultur zu vereinen sind, davon ist auch die Lörracher Schülergruppe von Amnesty International überzeugt. Die zehn Jungen und Mädchen haben sich unter der Leitung von Barbara Horn, Lehrerin am Hans-Thoma-Gymnasium, mit Biografien von weltweit zum Tode Verurteilten auseinandergesetzt. Zehn davon, die sie besonders bewegt haben, haben die Jugendlichen ausgewählt und am Dienstag vor dem Museum in einer Gedenkminute ihre Namen verlesen. Einigen von ihnen ist ihre Schuld nicht nachgewiesen, einige davon sind noch minderjährig.
Autor: Claudia Gabler
