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30. September 2014

Schweiz

Das Urban Agriculture Netz Basel holt Natur in die Stadt

Das Urban Agriculture Netz Basel erhält das Werkbund-Label.

BASEL/OFFENBURG. Begegnungs- und Erlebnisräume für Menschen, Tiere und Pflanzen im städtischen Raum schaffen – dieses Ziel hat das Urban Agriculture Netz Basel. Für ihre Arbeit ist die Bürgerinitiative am Freitag in Offenburg mit dem Werkbund-Label des Deutschen Werkbundes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden.

Erstmals in Erscheinung getreten ist der Trend in den Städten Mitteleuropas bereits vor einigen Jahren. Mittlerweile schließen sich dem Urban Gardening, dem urbanen Gartenbau, immer mehr Menschen an. Auf verschiedensten Flächen werden zwischen Industriegebäuden und Wohnhäusern Blumen, Obst und Gemüse angebaut und geerntet. Dahinter steht der Wunsch, die Natur ein Stück weit in die Stadt zu holen und Lebensmittel in Eigenarbeit vor Ort zu erzeugen.
Das Urban Agriculture Netz Basel versteht sich als Vermarktungsplatz für unterschiedliche Ideen und Projekte aus diesem Bereich. "Wir wollen Menschen zusammenbringen und ihnen eine Infrastruktur und Plattform für ihre Ideen bieten", sagt Leonore Wenzel, die im Vorstand des Vereins aktiv ist. Mittlerweile betreut das Netzwerk 45 Projekte in Basel und der weiteren Umgebung – etwa auch in Liestal und Solothurn. Die Spannweite reicht von Stadt- und Kräutergärten über eine Mensa 2.0 bis hin zu Permakulturen und Imkerei in der Stadt. Sehr aktiv, so Wenzel, sei etwa der Gemeinschaftsgarten Landhof nahe dem Basler Messegelände: "Dort gärtnern, feiern, lernen Menschen unterschiedlicher Generationen miteinander." Das reiche vom 4-Jährigen, der seine Freunde aus dem Kindergarten in den Landhof einlädt, bis zum Rentner.

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Dieses gesellschaftliche Wirken der Initiative war mit ausschlaggebend für die Prämierung. Mit dem Werkbund-Label soll Projekten, die sich unter anderem durch gestalterische Qualität, Interdisziplinarität sowie Mut, Querdenken und Eigeninitiative auszeichnen, zu mehr Bekanntheit verholfen werden. Der Deutsche Werkbund – eine Vereinigung, der unter anderem Künstler, Architekten, Politiker und Soziologen angehören – vergibt den Preis seit 2006 alle zwei Jahre. 41 Projekte waren dieses Jahr nominiert, zehn erhielten das Werkbund-Label. Neben dem Urban Agriculture Netz zählten dazu auch so unterschiedliche Initiativen wie die Lörracher Schöpflin-Stiftung, ein handwerklich-pädagogisches Projekt aus Klein Sülz bei Schwäbisch Hall, die Landfrauen Rheinstetten-Mörsch, die Winterhausschuhe produzieren, sowie ein Orgel-Kunst-Projekt in Halberstadt.

Beitrag zu einer lebendigen Satdt

Die Laudatio auf das Basler Netzwerk hielt der Mannheimer Architekt Johannes Striffler, der Mitglied des Vorstands des Deutschen Werkbundes Baden-Württemberg ist. Er lobte das Projekt als sympathische und antikapitalistische Initiative, die das Bedürfnis der Menschen nach Grün anspreche. "In einer Stadt wie Basel, in der die Großindustrie sehr dominant ist, jedoch eine recht abstrakte Einheit darstellt, bietet das Urban Gardening etwas Manifestes, etwas zum Anfassen", sagte Striffler. Das Urban Agriculture Netz liefere einen Beitrag zu einer lebendigeren Stadt. "Das geschieht über das Vehikel der Pflanzung, die handwerkliche Arbeit und persönliche Kontakte verbindet." Kleinere und größere Lücken im Stadtbild würden erkannt – und den Einwohnern die Möglichkeit gegeben, sich dort gärtnernd einzubringen.

Autor: Matthias Maier