Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

22. Januar 2010 13:06 Uhr

Wie jagende Hunde lammfromm werden

Ein Hundeflüsterer zu Besuch in Ottenheim

Auf den Hund ist Günther Kern (47) schon lange gekommen. Der Großhändler für Tiernahrung ist sechsfacher Deutscher Meister im Hundesport und pflegt eine Männerfreundschaft mit Dobermann Pronto. Was aber, wenn ein Hund Joggern, Radfahrern und Wild hinterherjagt?

  1. Prontos Jagdtrieb richtet sich auf Leckerlis von seinem Herrchen Günther Kern. Foto: privat

Schwanau-Ottenheim. Dann muss Hundeflüsterer Uwe Friedrich ran, sagt der Ottenheimer Günther Kern. Auf Kerns Einladung kommt der Hundetrainer ins örtliche Anglerheim und spricht über das Thema "Hilfe, mein Hund jagt!". Den einstigen Ausbilder der Polizeihundestaffel Stuttgart hat Günther Kern bei einer Hundeprüfung kennengelernt und hatte Glück mit dem Zeitpunkt: Wenig später wurde Uwe Friedrich so etwas wie ein TV-Star. Im Fernsehkanal Vox war in einer zehnteiligen Serie der Sendung "Hundkatzemaus" zu sehen, wie Friedrich den geschundenen, abgemagerten und verwahrlosten türkischen Straßenhund Dukkha zum Drogensuchhund ausbildet.

Die Geschichte über den heute dreijährigen Dukkha (im Buddhismus das Wort für "Leiden") hatte neben dem Happy End auch einen Werbeeffekt. Der mittlerweile selbstständige Hundetrainer aus Löffingen im Hochschwarzwald habe kaum mehr Termine frei, sagt Günther Kern, der jede Folge des tierischen Dokudramas angeschaut hat. "Wenn wir auf einer Messe waren, bin ich extra früher ins Hotel gegangen", sagt Kern. Er wollte unbedingt sehen, was aus dem Rüden geworden war. Offensichtlich ein guter Suchhund. Auf dem Frankfurter Flughafen bestand Dukkha seine Drogenfahnderprüfung.

Werbung


"Aus jedem Hund kann man was machen", sei für Günther Kern die Kernbotschaft der Serie gewesen. Auch aus einem notorisch fortjagenden Hund könne man ein folgsames und ruhig bleibendes Tier machen, ist Kern überzeugt. Mit welchen Kniffen das geschieht, wird Uwe Friedrich beim Vortrag verraten. Günther Kern weiß als erfahrener Hundehalter schon ein wenig Bescheid: "Letztlich geht es darum zu wissen: Wie muss ich den Hund halten, dass ich als Halter wichtiger bin als der Jogger oder Radfahrer?" Das Antijagdtraining sei auch dazu da, in die Beziehung der Hundehalter mit den Jägern Entspannung zu bringen. Manche Jäger reagierten besonders empfindlich auf freilaufende Hunde, weiß Kern.

Leinenzwang ist für Günther Kern keine Lösung: "Ein Hund braucht Freilauf – aber ich darf ihn nur dann von der Leine lassen, wenn ich den Hund im Griff habe", betont er. Dass dies bei vielen Hundebesitzern nicht der Fall ist, belegen schon allein die vielen positiven Rückmeldungen, die er auf den Vortrag aufmerksam gemacht hat. Kern rechnet mit etwa 80 Zuhörern. Vielleicht helfe der Vortrag, die Vorurteile gegenüber Hundebesitzern und bellenden, beißenden und Gehweg verschmutzenden Hunden abzumildern. Als Konkurrenz zu Hundesportvereinen oder -schulen sieht Günther Kern den Vortrag übrigens nicht. Vereine arbeiteten auf eine spezielle Prüfung hin und Hundelehrer haben ohnehin schon ihr Interesse an dieser Form der Weiterbildung bekundet, sagt Kern.

"Leider Gottes" komme er selbst nicht mehr zum Hundesport, bedauert Günther Kern, der mittlerweile neun Mitarbeiter in seinem Ottenheimer Geschäft beschäftigt. Marathon und Handball hat der Arzt verboten. So bleibt ihm noch das Angeln – und Dobermann Pronto, mit dem er nach dem Vortrag üben kann.

Info: Im Vortrag "Hilfe, mein Hund jagt!" stellt Uwe Friedrich sein Antijagdprogramm am Donnerstag, 4. März, 19 Uhr, im Anglerheim Ottenheim vor. Weitere Vorträge sind geplant. Anmeldungen gegen 15 Euro bei Zoo & Anglermarkt Kern, Rheinstraße 18, montags bis freitags, 9 bis 12 und 14.30 bis 18 Uhr, samstags 8.30 bis 13 Uhr.

Autor: Ulrike Derndinger