Nachruf

"Schattlochbur" Günter Wagner gestorben

Rolf-Dieter Kanmacher

Von Rolf-Dieter Kanmacher

So, 09. April 2017 um 13:36 Uhr

Malsburg-Marzell

Er war Dichter, Denker und Kommunalpolitiker: Günter Wagner, besser bekannt als "Schattlochbur", ist am Freitag im Alter von nahezu 88 Jahren in einem Kanderner Seniorenheim verstorben ist.

Günter Wagner, besser bekannt als "Schattlochbur", ist am Freitag im Alter von nahezu 88 Jahren in einem Kanderner Seniorenheim verstorben ist.

Kostproben seiner gehaltvollen und doch humorvollen Dichtkunst hatte er bis vor kurzem noch zur Freude der Bewohner des Öfteren im Kanderner Luise-Klaiber-Heim gegeben, wo er seinen langjährigen Marzeller Freund Reinhard Bauer speziell bei Weihnachts- und Erntedankfeiern für die Senioren unterstützte, Der frühere Altenpfleger hatte Wagner bis zuletzt noch betreut. Einige Male war auch als musikalischer Begleiter Reiner Bauer aus Efringen-Kirchen mit dabei.

Seine Jugendjahre verbrachte Günter Wagner in Vogelbach. 1945 wurde er noch zur Wehrmacht eingezogen und geriet einige Monate in amerikanische Kriegsgefangenschaft – eine Erfahrung, die ihn zeitlebens prägte. Im erlernten Schreinerberuf war er zuletzt lange Jahre in den Kanderner Tonwerken tätig, nach der Eheschließung betrieb der dreifache Familienvater einen Nebenerwerbslandwirtschaft auf dem Buck in Marzell. Schwer traf ihn 1998 der plötzliche Tod von Ehefrau Elisabeth, geborene Kiefer.

Aktiv in Vereinen und Gemeinde

Große Verdienste erwarb sich Günter Wagner um seine Heimatgemeinde: Er war in der Vorstandschaft und Ehrenmitglied vieler Vereine, Mitglied im früheren Marzeller Gemeinderat und vertrat die Raumschaft Kandern für die SPD zwei Perioden lang im Kreistag. Unvergessen sind besonders die von ihm mit initiierten Nussabende und die humorvollen Auftritte bei den Jahresfeiern der Sportfreunde – zusammen mit seinem Freund Willi Ernst – und auch seine Mitwirkung bei früheren Kanderner Zunftabenden.

Weit über die Heimatgemeinde hinaus bekannt wurde er aber durch sein dichterisches Schaffen: 1986 erschien sein Mundart-Gedichtband "Ruuchi Bölle", 1990 dann hochdeutsche Lyrik in seinem Buch "Einsame Wege". Als dichtender "Schattlochbuur" war besonders seine umweltkritische Mundartlyrik gefragt, Lesungen führten ihn weit über die Kreisgrenzen hinaus in den ganzen südbadischen Raum. "Die Bedrohung der natürlichen Umwelt sieht er tagtäglich: den sterbenden Wald vor der Haustüre, die Veränderungen der Flora auf Wiesen, Weiden und Feldern verspürt er feinfühliger als manch anderer", hieß es beispielsweise in einer Rezension.