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04. August 2017

Marcher Kitas weiter die günstigsten

Auch im neuen Kindergartenjahr verlangt March die weitaus niedrigsten Gebühren / Merdingen hebt Sätze an, Umkirch bleibt gleich.

  1. Im katholischen Merdinger Kindergarten gelten ab September neue Elternbeiträge. Foto: mario schöneberg

MARCH/MERDINGEN/EICHSTETTEN /UMKIRCH. Vielerorts steigen die Betreuungsgebühren in den Kindergärten. Als Hauptgrund werden die im Herbst 2015 ausgehandelten Tarifabschlüsse für Erziehungsberufe genannt. Nicht alle Träger der Betreuungseinrichtungen schlagen dabei denselben Kurs ein. Im Breisgau tanzt insbesondere March aus der Reihe – mit besonders niedrigen Gebühren.

Unter Anpassungsdruck
Nach jahrelangen Debatten gab es Ende 2015 endlich eine Verbesserung für die Berufstätigen in der Kindererziehung. Das bedeutet natürlich höhere Kosten für die Träger der Kindergärten. Denn die Landeszuschüsse sowie die Beiträge, welche Eltern bezahlen, reichen nicht aus, um die Kosten einer Kita oder eine Krippe zu tragen. Den größten Teil stemmen die Gemeinden. Bei den kirchlichen Kindergärten steuern die Kirchen noch einen kleinen Kostenanteil bei.

Die Gemeinde Eichstetten hat die Kostenaufteilung offengelegt, als der Gemeinderat vor wenigen Tagen neue Gebühren beschloss (die BZ berichtete). Im Jahr 2016 trugen demnach für den Kindergarten staatliche Zuschüsse gut ein Viertel der Kosten von insgesamt 912 271 Euro , die Elternbeiträge knapp ein Sechstel, sieben Prozent steuerte die evangelische Kirche als Träger bei, der Gemeindeanteil lag aber bei über 51 Prozent. Nur bei der Kleinkindbetreuung ist das Bild deutlich anders: Bei der Eichstetter Kita deckten Landeszuschüsse über 61 Prozent der Gesamtkosten von 394 422 Euro ab, die Elternbeiträge 22 Prozent, das restliche Sechstel trägt die Gemeinde.

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Für Kindergärten, in denen die Drei-bis Sechsjährigen betreut werden, sollen Elternbeiträge 20 Prozent der Kosten abdecken . Diese Faustregel wird aber so gut wie nirgends erreicht, auch nicht mit der gemeinsamen Gebührenempfehlung der Kirchen und kommunalen Landesverbände für das neue Kindergartenjahr. In Bötzingen etwa deckten Elternbeiträge im Jahr 2016 im Gemeindekindergarten nur zwölf Prozent der Kosten ab. Die neue Empfehlung der Verbände sieht nun vor, für das neue Kindergartenjahr ab September die Gebühren um acht Prozent zu erhöhen, im Jahr darauf um drei Prozent.

Die Gemeinden Bötzingen, Eichstetten und Gottenheim haben alle noch im Juli neue Gebühren beschlossen (wir berichteten). In March, Merdingen und Umkirch hatte man schon zu einem früheren Zeitpunkt die Gebühren für das im September startende Kindergartenjahr 2017/18 festgelegt. Auch hier gibt es Erhöhungen, die aber zum Teil unter den Empfehlungen der Verbände bleiben.

Regelbetreuung
Der klassische, vormittags und nach einer Mittagspause am Nachmittag wieder geöffnete Kindergarten ist ein Auslaufmodell, je näher man jedenfalls der Stadt Freiburg kommt. Das Umkircher Kinderbildungszentrum (KiZ) hat diese Regelbetreuung ganz abgeschafft, ebenso weitgehend Mach. Dort gibt es noch im Kinderhaus Bürgle sowie – hier ohne Neuzugänge – in Holzhausen Halbtagsgruppen, bei denen die Kinder nur vormittags da sind, insgesamt 25 Stunden in der Woche. Im ländlicheren Merdingen gibt es noch eine Regelöffnung im katholischen Kindergarten, mit Nachmittagsöffnung von Montag bis Donnerstag, insgesamt 32,5 Stunden in der Woche. Merdingen erhöht nun seine Gebühren auf die empfohlenen Richtwerte, für ein Kind aus einer Ein-Kind-Familie von 112 auf 121 Euro im Monat. Die Gebühren für Kinder aus Haushalten mit mehreren Kindern sind gestaffelt: bei 2 Kindern 92 Euro, bei 3 Kindern 61 und bei vier oder mehr Kindern 20 Euro. Zum September 2018 steigen diese Gebühren um rund drei Prozent. March hob seine Gebühren schon Anfang 2017 deutlich an, liegt aber noch weit unter den Richtwerten. Die Halbtagsgruppe kostet nur 66 Euro (sowie nach Kinderzahl gestaffelt 30, 19 und 6 Euro), ab 2018 dann 79 Euro (gestaffelt 58, 38 und 12 Euro).



Verlängerte Öffnung
Viele Eltern geben ihre Kinder lieber früh morgens in eine Kinderbetreuung und holen sie erst nach der Mittagszeit ab. Für diese Gruppen mit verlängerter Vormittagsöffnung (VÖ) empfehlen die Verbände bis zu 25 Prozent Gebührenaufschlag gegenüber den Regelgruppen. Merdingen benügt sich mit 20 Prozent mehr und verlangt für ein Einzelkind 145 Euro, bei 35 Wochenstunden Betreuung. Die gleiche Gebühr wird für ein Alternativangebot verlangt: Kinder der Regelgruppe können bereits um 7.30 Uhr statt um 8 Uhr in den Kindergarten kommen. In Umkirch umfasst die VÖ nur 30 Stunden, die Gebühren liegen bei 119 Euro (sowie gestaffelt nach Kinderzahl 90, 60, 30 Euro). Dazu gibt es flexible Ergänzungen: Eltern können zusätzlich an einem, zwei oder drei Tagen die Woche gegen Aufschläge eine Nachmittagsbetreuung buchen.

In den fünf Marcher Kindergärten deckt die VÖ-Zeit 34,5 bis 35 Stunden ab, für 74 Euro (Mehrkindfamilien gestaffelt 37, 24 und 8 Euro), ab September 2018 dann 95 Euro (gestaffelt 73, 48, 15 Euro). Zusätzlich bietet einige Einrichtungen für 60 Euro monatlich ein Mittagessen.

Ganztagsbetreuung
Der Merdinger Kindergarten bleibt mit seiner 43 Wochenstunden umfassenden Ganztagebetreuung um etwa fünf Prozent unter den empfohlenen Sätzen, was 335 Euro bei einem Einzelkind bedeutet (sowie nach Kinderzahl gestaffelt 250, 170, 71 Euro). Für 55 Euro kann Mittagessen gebucht werden. Weit günstiger liegt das Umkircher KiZ, das bei 44 Wochenstunden nur 179 Euro verlangt (sowie gestaffelt 135, 90, 30 Euro); hinzu kommen die tageweise mit 2,60 Euro berechneten Mittagessen (bei 20 Essen im Montag 52 Euro). In March umfasst die Ganztagesbetreuung auch den Freitagnachmittag und kommt somit auf 47,5 Wochenstunden, bei einem Tarif von nur 142 Euro (oder nach Kinderzahl gestaffelt 94, 71 und 49 Euro). Ab September 2018 sind dann 180 Euro (gestaffelt 135, 90, 45 Euro) geplant. Das Mittagessen kostet 60 Euro.

Nach wie vor hat March die niedrigsten Elternbeiträge im weiten Umkreis. Einzig die von den Steuermillionen des Europaparks gefütterte Gemeinde Rust macht ihr diese Stellung streitig. Hier trägt die Gemeinde die Regelgruppenbeiträge voll und zieht diese als Rabatt von den Gebühren für VÖ- und Ganztagesgruppen ab.

Kleinkindbetreuung
Günstig ist March auch bei den Kosten der Kleinkindbetreuung, für die es auch Halbtags-, VÖ- und Ganztagesangebote gibt. Die 47,5 Stunden umfassende Ganztagesbetreuung kostet nur 261 Euro für das Einzelkind (sowie nach Kinderzahl gestaffelt 198, 140, 65 Euro), zuzüglich Mittagessen. Umkirch und Merdingen, die jeweils eine verlängerte Vormittagsöffnung mit 30 Wochenstunden anbieten, verlangen da mehr: Umkirch 300 Euro zuzüglich Mittagessen, Merdingen 334 Euro. Beide Gemeinden haben auch Angebote, bei denen Kleinkinder an nur zwei oder drei Wochentagen in die Betreuung gehen. Merdingen wie March haben für das Kindergartenjahr 2018/19 schon neue, erhöhte Sätze festgelegt. Für Umkirch steht das noch aus. In Umkirch gibt es mit der "Wichtelbande" und in Merdingen mit den "Mättlezwergen" jeweils noch eine als Verein organisierte Kleinkindbetreuung für Kinder zwischen einem und drei Jahren.

Autor: Manfred Frietsch