Physiker Karl Rawer stirbt hochbetagt

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Fr, 20. April 2018

March

Ionosphärenforscher lebte seit Jahrzehnten in Hugstetten.

MARCH (fri). Zwei Tage vor seinem 105. Geburtstag ist Professor Karl Rawer am Dienstag in Hugstetten gestorben. Mit ihm verliert die Wissenschaft einen Pionier der Atmosphärenforschung, der international Anerkennung genoss.

Karl Rawer, 1913 in Neunkirchen/Saar geboren, hatte vor dem Krieg in Freiburg Mathematik und dann in München Physik studiert. Er wurde zu einem Experten für den Kurzwellenfunk und arbeitete ab 1946 zunächst für Frankreich in der Ionosphärenforschung. In dieser Zeit kam er auch in die March, wo er im Neuershausener Schloss eine Forschungsstation aufbaute, aus der später das Breisacher Ionosphäreninstitut hervorging. In den 1960er Jahren baute Rawer die Arbeitsgruppe physikalische Weltraumforschung an der Universität Freiburg auf, die er später in das von ihm geleitete Fraunhofer Institut überführte, dem Vorläufer des heutigen Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM. Auch nach seinem Wechsel in den Ruhestand 1979 pflegte Karl Rawer bis in seine letzten Lebensjahre den Austausch mit jüngeren Wissenschaftlern, aber auch mit Tüftlern aus der Funkerszene. Sein herausragendes wissenschaftliches Wirken wurde etwa mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, der Ehrendoktorwürde der Universität Düsseldorf und Mitgliedschaften internationaler Akademien gewürdigt.

Karl Rawer war ein Familienmensch und überzeugter Christ. Schon in jungen Jahren schloss er sich dem katholischen Bund Neudeutschland an und arbeitete auch in der Nazizeit in dieser Vereinigung weiter, bis diese zwangsweise aufgelöst wurde. Nach dem Krieg nahm Rawer sein Engagement wieder auf und gehörte dem Bund bis an sein Lebensende an.

Mit seiner 2006 verstorbenen Frau Waltraud baute Karl Rawer 1952 das Haus in der Herrenstraße in Hugstetten. Bis ins hohe Alter versorgte er sich so weit wie möglich selbst. Die Familien einer Tochter und einer Enkelin leben ebenfalls in der Herrenstraße. Auch am Gemeindeleben nahm Rawer regen Anteil. Karl Rawer hinterlässt sechs Kinder, 19 Enkel und 31 Urenkel. Am Samstag wird er auf dem Hugstetter Friedhof beigesetzt, mit anschließender Eucharistiefeier in der Sankt-Galluskirche.