Rettungsaktion unter der Brücke

Horst David

Von Horst David

Sa, 11. August 2018

March

Fischerverein March-Neuershausen holt Fische aus einem Wasserloch in der trockenen Dreisam und setzt sie in den Herrenmühlebach.

MARCH-NEUERSHAUSEN. Durch das extrem heiße Wetter und die anhaltende Trockenheit in den vergangenen Wochen ist die Dreisam in der March fast komplett ausgetrocknet. Auch der letzte heftige, allerdings viel zu kurze Platzregen am Donnerstagnachmittag konnte das Flussbett nicht mit Wasser füllen. Fische, die noch ein letztes wassergefülltes Becken gefunden hatten, wurden jetzt herausgeholt – von Mitgliedern des Fischereivereins.

Die Dreisam führt bei March auf drei Kilometern Länge kein fließendes Wasser mehr. Lediglich im Schatten unter der Straßenbrücke zwischen Neuershausen und Bötzingen gibt es einen Kolk, eine wassergefüllte Vertiefung. Dort drückt Grundwasser ins Bachbett, so dass die Stelle für viele Fische die letzte Zuflucht ist. Erst bei dem alten Sperrwehr flussabwärts speist der Marcher Mühlbach das Dreisambett wieder mit etwas Wasser.

Um die letzten überlebenden Fische zu retten, waren am Mittwochabend unter eben dieser Straßenbrücke der Vorsitzende des Fischereivereins March-Neuershausen, Daniel Riebsamen, und Jugendwart Ottmar Scherer aktiv, um die Tiere mit großen Netzkeschern abzufischen. Sie setzten sie in den nach Eichstetten fließenden Herrenmühlebach um, der – gegenüber der Einmündung des Marcher Mühlbaches – von der Dreisam abzweigt. Zwei zufällig dazu gekommene polnische Arbeiter halfen ihnen dabei spontan.

Und das war auch höchste Zeit: In unmittelbarer Nähe standen schon zwei Störche und auch ein Fischreiher, für welche die Fische in der Kuhle ein leichter Fang gewesen wären. Es war bereits der zweite Einsatz zum Abfischen an der Dreisam, und auch am Donnerstag kamen die Angler wieder, um nach Fischen zu suchen.

Temperatur im Wasserloch bei 26 bis 27 Grad Celsius

Scherer und Riebsamen fischten unter anderem viele ganzjährig geschützte Bitterlinge und Schneider ab, außerdem Barben und einige größere Weißfische. Forellen und Aale, die ebenfalls in der Dreisam leben, gingen ihnen aber nicht ins Netz. Kein Wunder: Die mit dem Thermometer gemessene Temperatur im Grundwasserloch unter der Brücke betrug bereits 26 bis 27 Grad Celsius. Die Wassertemperatur in der Dreisam – als typisches Forellenwasser – dürfte höchstens 21 Grad betragen, damit Forellen gut gedeihen.

Akut gefährdet sei besonders der Bitterling, ein Karpfenfisch. Seine Existenz sei an die der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) in der Dreisam gekoppelt, erklärte Scherer. Die befruchteten Eier des Bitterlingweibchens entwickeln sich im Innern der Muschel. Und gerade die Flussperlmuschel kann ohne Wasser nicht überleben und stirbt. Diese Süßwassermuschel ist in Deutschland eine vom Aussterben bedrohte Tierart.

Zuletzt im Jahr 2003 – also vor 15 Jahren – war das Wasser der Dreisam bei Neuershausen unter der Brücke fast so niedrig wie jetzt, wie sich Riebsamen erinnert. Allerdings sei das Wasser damals nicht so warm gewesen. Nicht auszudenken sei, wenn jetzt noch das Grundwasser durch Wasserentnahme zur landwirtschaftlichen Bewässerung der Felder noch weiter sinke. Dann fiele auch das Wasserloch unter der Brücke trocken, sagte Scherer. Die Verantwortlichen des 130 Mitglieder starken Fischereivereins wünschen sich daher nichts sehnlicher als Regen.

Vor der Bergung der Fische hatte es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im westlichen Breisgau knapp eine Stunde lang geregnet – gemessen wurden aber nur zwei Liter pro Quadratmeter. Viel zu wenig, um die Dreisam wieder mit Wasser zu füllen.