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21. August 2015

Solaranlage sorgt für Strom – und Schatten

Am Hugstetter Bahnhof werden die großen Fahrradstellplätze mit Solarmodulen eingedeckt, was wartenden Passagieren endlich Schattenplätze beschert.

MARCH. Mit der Energie aus Sonnenstrahlen Schatten spenden – dieses Kunststück wird gerade in Hugstetten am Bahnhof vollführt. Dort werden auf die Dächer der drei Fahrradabstellplätze moderne Photovoltaikanlagen montiert. Der Effekt: Sie erzeugen Strom und werfen zugleich Schatten. Der ist höchst erwünscht, wie die letzten heißen Wochen zeigten. Fahrgäste die auf die S-Bahn oder die Busse am Busbahnhof warten, haben sonst keine beschattete Unterstehmöglichkeit.

Eigentlich hätte man diese Lösung schon vor einem Dutzend Jahren haben können, als der Bahnhofsbereich neu angelegt wurde. Damals waren auch direkt neben dem früheren Bahnhofsgebäude die drei Fahrradstellflächen angelegt worden. Wie die Unterstände für die Reisenden am Bahnsteig und den Bussteigen bekamen die Fahrradständer eine Überdachung mit parallelen, verglasten Satteldächern. Sie schützen vor Regen und Schnee – aber eben nicht vor gleißender Sonne. "Ich hatte der Gemeinde mehrfach vorgeschlagen, hier Solarmodule aufzusetzen, leider erfolglos", erklärt Adalbert Faller. Man habe die Kosten gescheut, Probleme mit den nötigen Leitungen gesehen und die Ausbeute an Sonnenenergie bezweifelt. Denn die Flanken der schmalen Satteldachreihen sind nach Osten und Westen ausgerichtet, nicht nach Süden. Zudem sank in den letzten Jahren stetig die Einspeisevergütung für regenerativ erzeugten Strom, was es für die Gemeinde noch uninteressanter machte, hier zu investieren.

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Doch diese vermeintlichen Nachteile haben auch ihren Nutzen. Satteldächer, die je hälftig nach Ost und West ausgerichtet sind, fangen nicht weniger Sonnenenergie ein als nur nach Süden geneigte Dachseiten, die im Vergleich weniger bescheinbare Fläche bieten. "Bei einer Ausrichtung nach Süden wird mittags extrem viel Solarstrom erzeugt, morgens und gegen Abend nur ganz wenig", erklärt Diplomingenieur Michael Mager, "bei der Ost-West-Ausrichtung haben wir dagegen viele Stunden eine gleichmäßige Stromausbeute". Und genau diese kann hier sinnvoll genutzt werden. Denn Investor ist nun nicht die Gemeinde, sondern das benachbarte Lokal "Gleis 1" im früheren Hugstetter Bahnhof. "Für uns ist das ideal, wir nutzen den erzeugten Strom zu 96 Prozent für uns, da wir den ganzen Tag über Strombedarf haben, schon wegen unserer Kühlräume", erklärt Salvator Fernandez, zusammen mit Harry Laible Gleis 1-Betreiber. Beide setzen schon seit Jahren auf Sonnenstrom und erwarten sich durch die jetzige Erweiterung eine Einsparung ihrer Stromkosten um 15 Prozent. Bei einer nach Süden gerichteten Anlage hätten sie einen Teil des vielen Mittagstroms gar nicht selbst nutzen können sondern ins Netz abgeben müssen, und das bei immer weniger Erlös. "Im Extremfall, wie in den letzten Wochen, werden solche Photovoltaikanlagen sogar abgeschaltet, da sonst das Netz überlastet", ergänz Faller, der die Blechnerarbeiten bei der Montage der Solarmodule ausführt. Diese kommen aus deutscher Produktion und werden von SI Module in Freiburg geliefert. "Es sind hochmoderne Doppelglasmodule, die als Bedachungen zugelassen sind", erklärt Mager. Gitterartige Klarglasstege lassen genügend Tageslicht durch, dennoch sinkt die Lufttemperatur bei greller Sonne deutlich gegenüber dem bisherigen Vollglasdach. "Wir haben, nachdem wir den ersten Stellplatz im Juli überdacht hatten, Unterschiede von 12 bis 15 Grad Lufttemperatur gemessen", berichtet Mager.

Rund 50 000 Euro investieren Fernandez und Laible in die Montage der insgesamt 128 Module mit einer Fläche von rund 170 Quadratmetern und einer Leistung von rund 20 kwp. Der Wechselrichter für die Stromabnahme wird im nahen Lager- und Technikraum von Gleis 1 eingebaut. Anfang September soll es so weit sein. Die Dachflächen sind von der Gemeinde gepachtet, die dafür zwar mehr Gebäudeversicherung zahlen muss, aber die Wartung an Gleis 1 abgeben kann. Und den Schatten, den viele Bahnhofsnutzer bisher missten, gibt es nun dazu.

Autor: Manfred Frietsch