Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. Januar 2016 17:33 Uhr

Nur Obdach, keine Wohnung

Wie March die Unterbringung einer deutschen Mutter im Flüchtlingscontainer erklärt

Die Anlage mit Wohncontainern hat die Gemeinde March vor einem Jahr errichten lassen – für Flüchtlinge, welche die Gemeinde vom Landkreis zugewiesen bekommt. Wie geht die Gemeinde damit um, dass dort nun eine deutsche Mutter mit zwei Kleinkindern leben muss?

Die Anlage, so erklärt Hauptamtsleiter Joachim Heinrich, gelte auch als Obdachlosenunterkunft. Und Frau Selina R. mit ihren zwei Kindern sei ein Fall von Obdachlosigkeit. Seit Oktober 2014, als sie noch in der Holzhauser Wohnung lebte, die ihr gekündigt wurde. Um die drohende Obdachlosigkeit abzuwenden, wies sie die Gemeinde in diese Wohnung ein, was für maximal sechs Monate zulässig war, wobei March die Miete übernahm.

Damals bezog Selina R. nach einem ausgelaufenen Arbeitsvertrag noch Arbeitslosengeld. Doch da sie – im November 2014 kam ihr Sohn zur Welt – dem Arbeitsmarkt ja nicht zur Verfügung stand, hätte sie auf Arbeitslosengeld II (ALG II) umgestuft werden müssen, womit ihr auch Unterkunftskosten zugeständen hätten. "Das wusste ich nicht", sagt Selina R. selbst, auch die Ordnungs- und Sozialbehörde im Rathaus führte offenbar keine Änderung herbei. Dabei hätte dies Selina R. Geld verschafft, um zumindest einen Teil der Miete – stattliche 750 Euro pro Monat – an March zu zahlen. Die Miete wird von der Gemeinde nachgefordert.

Werbung

Im April 2015 war die maximale Verfügungszeit der Gemeinde über die alte Wohnung in Holzhausen abgelaufen und Selina R. musste in den Container umziehen. Aber erst im September 2015 kam es dazu, dass sich ihr Versorgungsstatus änderte. Nun kam sie unter die Fittiche des Jobcenters, das die Leistungen auf ALG II umstellte, mitsamt Unterkunftsgeld. Seit Oktober zahlt Selina R. nun die knapp 510 Euro Miete an die Gemeinde – für 15,3 Quadratmeter im Container, mit Gemeinschaftsküche und -bad. Bürgermeister Helmut Mursa, selbst erst seit April im Amt, verweist darauf, dass sich Selina R. selber früher hätte um eine Klärung ihrer Verhältnisse bemühen müssen. Als Gemeinde sei man zur Hilfe bereit und habe sie angeboten, könne sich Betroffenen aber auch nicht aufdrängen. "Die Angebote zu helfen, waren da, vielleicht lag es an Verständnisproblemen, dass es nicht früher gelang", meint Mursa dazu.

Nach Abzug der Miete hat Selina R. für sich und die zwei Kinder rund 980 Euro – aus ALG II, Kindergeld und Unterhaltsgeld – zur Verfügung. Davon könne sie die Rückzahlung der Miete an die Gemeinde für die Holzhauser Zeit aber nicht leisten, sagt sie. Verstehen kann sie nicht, dass sie weiter im Container leben muss. Zwei Flüchtlingspaare aus Afrika, die erst nach ihr in die Container kamen, erhielten von der Gemeinde neue und teurere Wohnungen zugewiesen, als sie jeweils Nachwuchs erwarteten. Die Gemeinde hatte dazu eigens einen Aufruf im Gemeindeblatt gemacht. Nicht so für Selina R. Ihr, so erklärt die Mutter, sei gesagt worden, sie könne ja in dem Blatt selbst eine Anzeige – die Geld gekostet hätte – aufgeben.

"Wir sind auch bemüht, für die Frau etwas anderes zu finden", versichert Amtsleiter Joachim Heinrich. Bei den Flüchtlingspaaren sei dies gelungen. Vermieter wurden für sie wohl auch deshalb gefunden, weil die Gemeinde als Mietvertragspartei auftritt. Warum nicht auch bei Selina R.? "Bei Flüchtlingen wissen wir, dass wir die Unterkunftskosten vom Landratsamt erstattet bekommen", erklärt Bürgermeister Mursa dazu. Nicht so bei Selina R.: Die direkte Übertragung der ALG-II-Unterkunftsleistungen auf die Gemeinde als Wohnungsgeber sei nicht möglich. Darum gehe es auch nicht, als Gemeinde eine Wohnung für Selina R. und ihre zwei Kinder anzumieten, weil der garantierte Zugriff auf die Unterkunftsleistung fehle.

Selina R. versucht nun, bei Freunden eine andere Bleibe zu finden.

Autor: Manfred Frietsch