27. Juni 2009 09:51 Uhr
Parade in Müllheim
Marsch der Brigade verläuft friedlich
Absperrzäune, alle fünf Meter ein Polizist in Schutzkleidung und Spezialkräfte: So gesichert verlief der umstrittene Marsch der Deutsch-Französischen Brigade durch Müllheim am Samstagmorgen friedlich.
1500 Soldaten der Brigade waren anlässlich des 20-jährigen Bestehens der binationalen Einheit durch die Werderstraße Müllheims marschiert. Etwa 150 Friedensaktivisten hatten sich versammelt und protestierten mit Kanongesängen und zahlreichen Plakaten gegen die Soldaten. Aus den Reihen der Zuschauer gab es für die Soldaten aber auch kräftigen Applaus. Diese hatten nicht nur auf die im Vorfeld angekündigte Militärkapelle verzichtet, sondern auch auf ihre Marschgesänge. Deshalb marschierten die Soldaten schweigend, geschützt von einem großen Polizeiaufgebot. "Dienstbeginn war für uns um 3.30 Uhr heute Morgen", sagte ein Polizist.
Wie groß das Polizeiaufgebot tatsächlich war, blieb geheim. "Nach dem Demonstration ist vor der Demonstration", erklärte der Freiburger Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid. Deshalb mache er dazu keine Angaben. Der Einsatz stand unter der Regie des Polizeireviers Müllheim, verstärkt von der Polizeidirektion Freiburg sowie Kräften der Bereitschaftspolizei Lahr und Bruchsal sowie Kräften einer "Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit", die speziell ausgebildet sind, um Straftäter aus einer Demonstration herauszugreifen. "Auch Teile der Freiburger Antifa-Szene waren vertreten", so Schmid. Die habe man stets im Auge gehabt, weil sie latent gewaltbereit sei.
Werbung
POLIZEI LOBT DIE DEMONSTRANTEN
Entlang der Strecke hatten sich nach Einschätzung der Polizei rund 1500 Menschen versammelt. Die Menschen drängten sich hinter den Absperrgittern und klatschten kräftig. Im Bereich der Post hatten sich die örtlichen Friedensaktivisten versammelt, eine kleine Gruppe, die – wie erwartet – sehr friedfertig ihrem Protest Ausdruck verlieh. In einer Art VIP-Lounge daneben standen Bürgermeister René Lohs mit dem Inspekteur des Heeres, Hans-Otto Budde, und anderen hochrangigen Militärs.
Großes Lob gab es von der Polizei für die örtlichen Friedensdemonstranten: "Der Protest war bunt, schrill, kreativ und laut und absolut friedlich", sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid. Völlig ohne Probleme und absolut friedlich sei die Demonstration verlaufen, es habe weder Festnahmen noch Platzverweise gegeben.Der Friedensrat habe intensiv kooperiert, das habe sich ausgezahlt. Deshalb hätten alle mit Gewinn vom Platz gehen können.
PASSANTEN KRITISIEREN FRIEDENSAKTIVISTEN
Im Anschluss an den Marsch der Brigade eroberten die Militärgegner die Straße und zogen in einer bunten Gruppe singend durch die Stadt, bevor einige zu einem Friedensgottesdienst in der evangelischen Stadtkirche gingen. Einige Passanten kritisierten die örtlichen Friedensaktivisten allerdings scharf. Sie machten sie für das polizeiliche Großaufgebot verantwortlich. Andere fanden den Protest durchaus gerechtfertigt, monierten aber manche Schilder als viel zu provozierend.
- Vorbericht I: Symbolischer Brückenschlag für Europa
- Vorbericht II: Wie viel Militär verträgt Müllheim?
Autor: Katharina Meyer/Gabriele Babeck-Reinsch





