Flächenfraß und Landwirtschaft

RHEINGEFLÜSTER: Öffentliche Debatte nötig

Kai Kricheldorff

Von Kai Kricheldorff

Sa, 10. März 2018

Breisach

Landwirte sind die Hauptleidtragenden der scheinbar unstillbaren Gier nach Flächen für neue Wohn- oder Gewerbegebiete, für Straßen, den Kiesabbau, die Retention oder als Kompensation. Massenhaft werden ihnen Ackerböden und damit schrittweise auch die Existenzgrundlage entzogen. Die Veranstaltung der BLHV-Ortsgruppe Gündlingen-Breisach zeigte einen eklatanten Widerspruch auf, der eigentlich einen Ruck in unserer Gesellschaft auslösen müsste. Dass nämlich Verbraucher immer häufiger landwirtschaftliche Produkte aus der Region nachfragen, zugleich jedoch die Umwidmung von immer mehr landwirtschaftlichen Flächen zulassen. Mit der Bemerkung, die Stadt sei Förderer und zugleich Gefährder der Landwirtschaft, hat Breisachs Bürgermeister Oliver Rein in der Versammlung in Gündlingen diesen Zwiespalt formuliert. Dass die Veranstaltung des BLHV ein zügiges Umdenken in Sachen Bodenpolitik einleiten wird, ist zu bezweifeln. Es gelang aber, die Thematik Flächenfraß und Landverbrauch stärker in die öffentliche Debatte zu tragen. Auch eine bessere Einbeziehung der Landwirtschaft in raumplanerische Entscheidungsprozesse wurde thematisiert. Will man der zu Recht beklagten Entwicklung wirksam Einhalt gebieten, müssten dem Wachstum Grenzen gesetzt und das Wirtschaftssystem umgekrempelt werden. In den Spielregeln unserer Gesellschaft ist beides nicht vorgesehen. Die Herausforderung ist es, konstruktive Lösungsansätze für diese Problematik zu finden.