"Die neue Orgel ist unsere Prinzessin"

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Do, 06. Oktober 2016

Meißenheim

BZ-INTERVIEW mit Friedhelm Huser über die neue Truhenorgel, die in ein paar Tagen in der Meißenheimer Kirche ankommen soll.

MEISSENHEIM. Die Kirchengemeinde Meißenheim schenkt sich zum 250. Kirchenjubiläum eine Truhenorgel aus Siebenbürgen. Am 17. Oktober holt Gemeindemitglied Friedhelm Huser das Instrument persönlich in Rumänien ab. Mit dem Meißenheimer hat die BZ-Redakteurin Ulrike Derndinger über Kosenamen und fristgerechtes Fertigwerden gesprochen.

BZ: Herr Huser, Sie holen die Orgel persönlich ab und bringen sie von Rumänien nach Meißenheim. Warum nennen Sie das Instrument "Prinzessin"?

Huser: Das ist ganz einfach: Die Silbermannorgel in unserer Meißenheimer Kirche ist unsere Königin. Und dann ist die neue Orgel unsere Prinzessin.

BZ: Warum braucht man eine zweite Orgel, wenn man schon eine wertvolle Silbermannorgel sein eigen nennt?

Huser: Es wird, nur um ein Beispiel zu nennen, immer schwieriger, Organisten zu finden. Manche Ältere sagen, dass sie nicht mehr auf die Orgeltribüne klettern wollen. Die kleine Orgel ist einfacher zu spielen, weil sie, anders als große Orgeln, nur eine Tastatur, also ein Manual, hat. Das Örgele wird links hinten dem Altar aufgestellt und klanglich auf die Silbermannorgel abgestimmt.

BZ: Sie ist also klein und wendig.

Huser: Die Truhenorgel mit eingebautem Gebläse wiegt 80 Kilo, ist etwa ein Meter breit und hoch und 60 Zentimeter tief, hat fünf Register und mehr als 200 Pfeifen. Sie hat keine Elektronik und sieht aus wie ein Känsterle – nur ohne Kredenz (schmunzelt). Zu Konzerten kann man sie hervorholen. Und sie ist so stark, dass man sie auch in einem normalen Gottesdienst einsetzen kann.

BZ: Wie sind Sie auf den Orgelbauer Herman Binder gekommen?

Huser: Im Vorfeld hatten wir uns eingehend über Orgeln in Siebenbürgen informiert. Anfang Januar saß dann eine kleine Delegation aus Meißenheim bei dem 71-jährigen Orgelbauer und deutschstämmigen Siebenbürger Sachsen Herman Binder in Hermannstadt in der Stube. Der hatte so ein Teil halbfertig da stehen. Einer Kirchengemeinde war das Geld ausgegangen. Wir sagten, das wäre doch was für uns. Darüber, dass sie nun ein Plätzchen findet, ist der Orgelbauer kurz vor seiner Rente froh.

BZ: Wird sie zum Festgottesdienst Ende Oktober fertig?

Huser: Wenn sie da ist, dann glaube ich’s erst (schmunzelt). Sagen wir mal so: Der Orgelbauer hat viel zu tun, aber er kennt das Datum.

BZ: Sie bezahlen 12 000 Euro für das Stück.

Huser: In Deutschland würde sie wohl zwischen 35 000 und 50 000 Euro kosten und es gäbe eine jahrelange Wartezeit. Aber auf das Sparen heben wir nicht so ab. Die Orgel passt zu unserer Kirche und ist wirklich eine echte Handarbeit.

BZ: Den Orgelbauer nehmen Sie mit der Orgel im Transporter mit. Er bleibt eine Woche hier und stimmt die Orgel. Und wenn er wieder zurück in Rumänien ist?

Huser: Dann ist der Orgelbauer Vier aus Oberweier unser Ansprechpartner.

BZ: Wie viele Spenden haben Sie bis jetzt für die Finanzierung gesammelt?

Huser: Mehr als 9000 Euro. Ein kleines bisschen fehlt also noch.

Friedhelm Huser (60) hat seit 1990 Kontakt mit Rumänien. Er organisiert und fährt bis heute Hilfsgüter in die Region, ist verheiratet mit einer Siebenbürger Sächsin (deutsche Minderheit) und hat zwei Kinder. Huser arbeitet in der Diakonie Kehl-Kork und ist im evangelischen Kirchenchor engagiert.

Info: Im Festgottesdienst zum Kirchenjubiläum mit dem Landesbischof am Sonntag, 30. Oktober, 9.30 Uhr, wird die Orgel eingeweiht. Die Orgel soll bleibender Wert und Erinnerung an das Kirchenjubiläum sein. Weitere Infos und Spendenkonten unter http://www.ekimeissenheim.de