Auch mit "Mackä" lässt sich’s leben

Martin Ehret

Von Martin Ehret

Do, 15. Januar 2009

Merdingen

Merdinger Landjugend führte ein neues Theaterstück von Tobias Landmann auf / Bewusster Einsatz des Dialekts

MERDINGEN. "Jeder het sini Mackä" lautete der Titel des Theaterstücks der Landjugend Merdingen, das am Wochenende zweimal aufgeführt wurde. Wie in den Vorjahren spielte die Landjugendgruppe ein Stück aus der Feder von Tobias Landmann, der gleichzeitig auch Regie führte.

Viele Landjugendgruppen aus der näheren und weiteren Umgebung waren unter dem Publikum in der Festhalle. Besonders freuten sich die Moderatoren Larissa Adler und Marc Menner, die Landesvorsitzende des Bundes Badischer Landjugend, Bettina Schnurr begrüßen zu dürfen. Dann war die Bühne frei für zweieinhalb Stunden Theaterspaß.

Der in die Jahre gekommene Gottfried Sonderling (Georg Schnurr) macht seinem Namen alle Ehre, da er hinter allem und jedem eine Verschwörung oder eine Katastrophe vermutet. Sein Sohn Andreas (Patrick Disch) führt darauf auch die Trennung seiner Eltern zurück. Von diesem Zeitpunkt an stürzt sich Gottfried in die Arbeit – bis ihm eines Tages fristlos gekündigt wird. Da er in seinem Leben keinen Sinn mehr sieht, müssen schon der Obertherapeut Artur Notnagel (Florian Herzig) und die ungeliebte Nachbarin Charlotte Schönleben (Petra Schopp) eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern.

Zusammen mit ihrer esoterisch angehauchten Selbsthilfegruppe, in der jeder seine ganz "eigene Macke" hat, wollen sie Sonderling wieder aufrichten. Hermine Schimmel (Sonja Stuber), Osbert Pieske (Matthias Karle) und Henno Helmer (Oliver Karle) wollen gemeinsam helfen, was letztlich auch auf ganz wunderbare Weise gelingt. Zuvor aber strapaziert Henno die Nerven seiner Mitstreiter mit Heidegedichten und -gerüchen. Und Osbert lässt keine Chance aus, für seine Männer-Strick-Gruppe ("Männer erhebt euch – strickt eure Socken selbst") zu werben und Hermine hat eigentlich sowieso nur Männer im Kopf.

Trotzdem kann jeder etwas dazu beitragen, dass sich die Probleme von Gottfried Sonderling lösen und er wieder rundum glücklich wird. Da kann er sogar verschmerzen, dass sein Sohn Andreas mit seiner Schulfreundin Conny (Sarah Trautwein) anbandelt. Ein schönes "Happy End", das gezeigt hat, dass sich auch mit mancher "Mackä" gut leben lässt.

So war es nicht verwunderlich, dass die Theatergruppe nach dem Schlussvorhang mit tosendem Applaus der Zuschauer bedacht wurde, der sich auch fortsetzte, als die Akteure nacheinander vorgestellt wurden. Zu einer gelungenen Aufführung sind jedoch viele "helfende Hände" nötig, die in Form von den Maskenbildnern Doris Ehret-Weis und Heinz Weber vorhanden waren. Auch den Souffleusen Michaela Ott und Claudia Fischer wurde herzlich gedankt. Für die aufwendige Kulisse war ein ganzes Team von Helfern verantwortlich, die zahlreiche Stunden in dieses Projekt investiert hatten.

Der wichtigste Mann rund um das Landjugendtheater kam dann mit Tobias Landmann als Verfasser und Regisseur des Stücks auf die Bühne. Er betonte allerdings ausdrücklich, dass er die Theaterarbeit aber vor allen Dingen als Teamwork sieht. Jeder Mitwirkende habe demnach die gleiche Wichtigkeit, egal ob dies nun eine Haupt- oder Nebenrolle sei. Für ihn, der in diesem Jahr zum 30. Mal dabei war, sei es faszinierend, wie sich alle dem gemeinsamen Ziel unterordnen, neue Ideen einbringen und mit viel Disziplin bei den vielen Proben dabei seien. Als Erfolgsrezept nannte er auch, dass eben nicht der Erfolg im Vordergrund stehen dürfe, sondern der Spaß am Spielen das Wichtigste überhaupt sei.

Wie schon in seinen vorherigen Stücken setzte Landmann auch den Gegensatz von hochtrabendem Schriftdeutsch zu plattem alemannischem Dialekt als Stilmittel, was das gesamte Stück belebte und das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus animierte. Aber die Verwendung von ältesten, fast schon vergessenen alemannischen Ausdrücken, sieht Landmann nicht nur als Stilmittel, sondern auch als Beitrag zum Erhalt des sprachlichen Kulturguts, das weiteren Generationen erhalten werden müsse.

Damit die zahlreichen Gäste einen rundum gelungenen Theaterabend erleben, sorgte das Merdinger Landjugendteam auch für das leibliche Wohl. Im Anschluss standen viele Besucher und Akteure noch an der Sektbar zusammen. Die Vereinsvorsitzende Sarah Trautwein, die übrigens ebenso wie der Vorsitzende Patrick Disch aktiver Theaterspieler war, zollte den aktiven Helfern höchstes Lob. Denn durch die intensive Probenarbeit sei eine Mitwirkung der beiden Vereinsspitzen an den umfangreichen Vorbereitungen des Abends fast nicht möglich gewesen. Aber nicht nur beim Theater, sondern auch in der übrigen Vereinsarbeit sei das harmonische Teamwork der Schlüssel zum Erfolg.