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25. Februar 2009 18:11 Uhr

Fortbestand in Gefahr

Macht die Hauptschule in Merzhausen zu?

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Hauptschule in Merzhausen wird nur von wenigen Schülern aus dem Hexental besucht – zu wenige, um weiterhin ihren Bestand zu sichern?

  1. Die Hexentalschule in Merzhausen. Foto: Andrea Gallien

Diese Frage beschäftigt derzeit Schüler, Eltern und Lehrer der Schule, Bürger und den Schulträger, die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Hexental mit den Gemeinden Merzhausen, Au, Sölden, Wittnau und Horben.

Die Hexental-Schule in Merzhausen besteht aus einer Grundschule mit derzeit rund 160 Schülern. Ihr Bestand ist gesichert. Die Hauptschule hat 93 Schüler, 40 von ihnen kommen aus Freiburg, 49 aus dem Hexental und vier aus Bollschweil. Laut Schulleiterin Brigitte Preugschat sind in der neunten Klasse 17 von 22 Kindern aus dem Hexental, in der achten acht von 19, in der siebten 10 von 17, in der sechsten 10 von 18 und in der fünften vier von 17 Schülern. Für das kommende Schuljahr sind vier Kinder aus Merzhausen zu erwarten, aus Horben, Wittnau und Sölden, so habe eine Umfrage bei den Grundschulen ergeben, kommt niemand.

Für die nächsten Jahre, rechnet Bürgermeister Eugen Isaak vor, sei kaum eine andere Entwicklung zu erwarten. Im Hexental werden im Schnitt pro Jahr 91 Kinder geboren, bei einer Übergangsquote auf die Hauptschule von 12 Prozent wie vor einigen Jahren waren im Schnitt elf Kinder pro Jahr in der Hauptschule zu erwarten, jetzt habe sich die Quote auf ein bis zwei Prozent rapide verschlechtert.

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Freiburg wiederum habe signalisiert, dass in den dortigen Hauptschulen genug Platz sei, eine Abwanderung nach Merzhausen aus Kapazitätsgründen sei nicht notwendig, so Eugen Isaak. Aus seiner Sicht kommen also gleich mehrere Faktoren zusammen, die für eine Auflösung der Hauptschule sprechen: die niedrigen Schülerzahlen aus dem Hexental, die Veränderung der Schullandschaft durch die neu strukturierte Werkrealschule, die aus seiner Sicht "ein Knaller" ist und die viele Eltern der Hauptschule vorziehen werden, die Kosten für den Erhalt der Schule, die zur Hälfte von Freiburger Schülern besucht wird, und schließlich der Bedarf nach Räumen vor Ort – für die Betreuung unter Dreijähriger und für die Vereine.

Merzhausen ist nicht die einzige Gemeinde, die unter rückläufigen Hauptschülerzahlen leidet. Das habe eine Sitzung mit den Bürgermeistern aus dem Sprengel und aus benachbarten Gemeinden mit Hauptschulen wie Münstertal, Staufen oder Bad Krozingen ergeben. In Merzhausen drängt aber, so meint Eugen Isaak, die Zeit für eine Entscheidung, denn mit dem Schicksal der Hauptschule eng verbunden sieht er die direkt in der Nachbarschaft der Schule geplante neue Ortsmitte. Das Wohn- und Geschäftshaus werde weiter so geplant wie bislang vorgesehen, das Bürgerhaus aber könnte auf einen eingeschossigen Bau ohne Vereinsräume und ohne Raum für Gewerbe reduziert werden, wenn Vereine in der benachbarten Schule frei werdende Räume nutzen können. Derzeit sei das Architekturbüro dabei, einen entsprechenden Plan zu entwerfen und die mögliche Kostenreduzierung zu errechnen. Wie hoch die sein wird, sei noch nicht klar, so Isaak, aber "eine bis 1,5 Millionen Euro müssten schon drin sein".

Eugen Isaak drückt auf das Tempo. Noch vor den Sommerferien will er in der VG eine Entscheidung über die Zukunft der Hauptschule herbeiführen. Zum Schuljahr 2010/2011 könnte sie geschlossen werden. Kinder, die dann noch auf der Schule sind, müssten die Schule wechseln, neue Fünftklässler sollten zum nächsten Schuljahr gar nicht mehr aufgenommen werden.

Angesichts der Schülerzahlen sehen auch Isaaks Kollegen Jörg Kindel (Au), Enrico Penthin (Wittnau) und Markus Riesterer (Sölden und Horben) wenig Chancen, die Schule halten zu können. Sie betonen aber alle drei, dass es wichtig sei, sich über die VG hinaus mit den Gemeinden auszutauschen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in fünf Jahren noch überall dort eine Hauptschule geben wird, wo heute eine besteht", sagt Markus Riesterer. Ziel müsse sein, die Schülerströme sinnvoll zu lenken, dazu gehöre auch eine Anpassung des öffentlichen Nahverkehrs, meint Jörg Kindel. Enrico Penthin bedauert, dass die Hauptschule immer weniger Attraktivität besitzt, auch in Merzhausen, wo doch besonders gute Arbeit geleistet werde.

Das betont auch Schulleiterin Brigitte Preugschat. Die Diskussion um die mögliche Schließung der Hauptschule "tut mir in der Seele weh". Sie kann sich den Zahlen nicht verschließen und sagt selber, dass sich Eltern vermutlich eher für die neue Werkrealschule als für eine kleine Hauptschule entscheiden werden, wenn sie die Wahl haben. Dabei sei eine kleine Hauptschule wie Merzhausen besonders geeignet für Kinder, die ein sehr persönliches Umfeld in der Schule für Lernfortschritte brauchten. So lange nicht alle Möglichkeiten für den Erhalt der Schule ausgeschöpft seien, wolle sie nicht aufgeben. Kooperationen mit Ehrenkirchen und Freiburg müssten überdacht werden. "Bevor die Schule schließt, sollten wir alle Varianten durchgespielt haben". Wenn die Hauptschule aber schließen sollte, dürfe die Grundschule nicht leiden. Die nutze derzeit Computer- und Physikraum der Hauptschule mit. Diese Möglichkeiten müsse erhalten bleiben, auch mit Blick auf eine Weiterentwicklung der Grundschule Merzhausen zu einer offenen Ganztagsschule.

Ähnlich wie die Schulleiterin will auch der Elternbeiratsvorsitzende Karsten Sassenscheid die Flinte nicht gleich ins Korn werfen und eine für ihre Qualität bekannte Hauptschule schließen. Er plädiert für ein pädagogisches Konzept, das fächerübergreifenden Unterricht anbietet und dem einige Jahre Zeit zur Bewährung gegeben werden.

Die vier Gemeinderatsfraktionen wollten sich gestern nicht umfassend zum Thema äußern. Sie wollen erst abwarten, bis sie Bürgermeister Eugen Isaak morgen in der Gemeinderatssitzung über den neuesten Stand der Dinge unterrichtet – nicht öffentlich.

Autor: gln