Merzhausener möchte Bürgerbus einrichten

Nikola Vogt

Von Nikola Vogt

Sa, 23. Dezember 2017

Merzhausen

Nach dem Wegfall der VAG-Buslinie 12 wird über Ersatzmöglichkeiten nachgedacht / Gemeinde steht Idee positiv gegenüber.

MERZHAUSEN. In Merzhausen gibt es die Idee, einen Bürgerbus einzuführen. Auslöser ist der Wegfall der VAG-Buslinie 12, wodurch seit 10. Dezember weniger Fahrten zwischen Freiburg und Merzhausen angeboten werden. Hinter der Idee eines Bürgerbusses steht Steffen Bitter. Er ist als beratendes Mitglied des Technischen Ausschusses aktiv, hat sich bereits vor zehn Jahren für eine Carsharing-Station in Merzhausen eingesetzt und ist auch beruflich mit dem Thema Verkehrsplanung befasst, wie er erzählt.

"Mit der Linie 12 fuhr von frühmorgens bis spätabends alle halbe Stunde ein Bus", so Bitter. Das habe sich jetzt geändert. "Zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel den ganzen Sonntag über oder generell in den späten Abendstunden gibt es nur noch Stundentakt." Dadurch leide die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs. "Wenn ich beispielsweise abends in Freiburg aus dem Theater komme und sehe, dass der nächste Bus nach Merzhausen erst in einer Dreiviertelstunde fährt, dann ist das unkomfortabel", findet er. Eine halbe Stunde zu warten, das sei ein Maß, das man noch in Kauf nehme. Länger nicht. "Wenn ich nach St. Georgen schaue, sehe ich, dass dort sonntags alle 20 Minuten ein Bus verkehrt", vergleicht Bitter.

Also wurde der Merzhausener aktiv. Er überlegte sich, das bestehende Angebot durch einen Bürgerbus zu ergänzen, der dieselben Haltestellen anfährt, wie bisher die Linie 12. Das heißt, er pendelt zwischen Paula-Modersohn-Platz und Merzhausen Ortsmitte und fährt unterwegs die Haltestellen Schlossweg und Grüner Baum an. Zunächst einmal könnte man versuchen, nur an den Sonntagen einen Bürgerbus einzusetzen. Denn an diesem Tag gibt es in Merzhausen nur noch den Stundentakt. Von der Größe her hält Bitter einen Neunsitzer für angemessen. "In der Anschaffung würde der um die 80 000 Euro kosten – das ist natürlich zu teuer", so Bitter. Nach einigem Überlegen kam ihm der Gedanke Car-Sharing. Die beiden großen Anbieter in Freiburg hätten auch Neunsitzer in ihrer Flotte. "Da habe ich mal nachgefragt und die könnten es sich gut vorstellen, dass man die Wagen als Bürgerbusse einsetzt", erzählt Bitter.

Vorstellbar ist das auch auf Seiten der Gemeindeverwaltung. "Wir sehen die Idee positiv", sagt Ordnungsamtsleiter Ralf Baumgarten. Vor wenigen Tagen wurde deshalb eine erste Infoveranstaltung zum Thema Bürgerbus im Rathaus veranstaltet. Laut Bitter seien zehn Interessierte gekommen. Nun wolle man weiter die Werbetrommel rühren und Anfang des kommenden Jahres eine weitere Infoveranstaltung abhalten. Dann könne man schauen, ob die Gemeinde in die Idee einsteige, die Kosten trage und das Thema im Gemeinderat besprechen.

Zu klären sind laut Steffen Bitter auch noch versicherungstechnische Fragen. Er habe sich bereits mit einer Bürgerbus-Beratungsstelle beim Land in Verbindung gesetzt. Deren Signal sei gewesen: Ein Bürgerbus per Carsharing sei zwar ungewöhnlich, aber möglich. Gefahren werden könne solch ein Neunsitzer von einem Besitzer eines Pkw-Führerscheines samt Personenbeförderungsschein. Was es nun natürlich braucht, sind ehrenamtliche Fahrer. "Finden sich beispielsweise 15 Personen, die jeweils bereit wären, einmal im Monat vier Stunden Bürgerbus zu fahren, könnte sonntags von 11 bis 19 Uhr wieder ein Halbstundentakt eingeführt werden – zu für die Gemeinde vertretbaren Kosten", so Bitter.

Für die Fahrgäste sollen die Kosten für eine Fahrt im Bürgerbus die gleichen sein, wie im Linienbus. Steffen Bitter hält solch einen Bürgerbus nicht nur für ältere Menschen für sinnvoll. "Auch mit kleinen Kindern oder mit Gepäck ist längeres Laufen schwierig", sagt er. Bis zur nächsten Infoveranstaltung will er weiter an dem Projekt arbeiten.

Alle Infos zu der Bürgerbusidee unter http://www.buergerbus-merzhausen.de