"Nun sind andere am Zug"

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Fr, 21. Oktober 2016

Merzhausen

Sozialarbeiterin und Helferkreis informieren Ausschuss in Merzhausen über die Flüchtlingsarbeit.

MERZHAUSEN. 192 geflüchtete Menschen leben derzeit in der Gemeinde, 56 Personen sind in der sogenannten Anschlussunterbringung dezentral untergebracht. 136 Flüchtlinge leben in der Behelfsunterkunft des Landkreises am Ortsausgang Richtung Au. Auf den aktuellen Sachstand in Sachen Flüchtlinge brachten die Mitglieder des Sozial-, Kinder- und Jugendausschusses Sozialarbeiterin Gabi Purrmann und Helferkreismitglied Hannah Kegel.

Insgesamt 77 Plätze für Flüchtlinge stünden in der Gemeinde, 200 in der Behelfsunterkunft zur Verfügung, rechnete Bürgermeister Christian Ante vor. "Es ist positiv, dass Merzhausens normaler Wohnungsmarkt kaum belastet ist." Lediglich 18 Plätze seien in "regulären" Wohnungen belegt worden, die übrigen Menschen hatte man in neu geschaffenen Räumen unterbringen können. Zudem beschäftigt die Gemeinde seit Januar mit Gabi Purrmann eine Mitarbeiterin für Flüchtlingssozial- und Integrationsarbeit. Die halbe Stelle kostet die Gemeinde rund 34 000 Euro jährlich und soll vor allem die ehrenamtlichen Helfer entlasten und ihnen professionelle Unterstützung bieten. "Wir haben das Thema vor Ort ordentlich bewältigt, nun sind andere am Zug", so Ante mit Blick auf die "große Politik". Als "zwingend geboten" sah er nichtsdestotrotz die Fortführung der professionellen Sozialarbeit auch 2017.

"Der größte Teil sind formale Angelegenheiten", schilderte Sozialarbeiterin Gabi Purrmann ihren Arbeitsalltag. Neben Sprechzeiten im Rathaus und der hier angebotenen individuellen Beratung und Begleitung von Flüchtlingen bildet die aufsuchende Sozialarbeit die zweite Säule von Purrmanns Tätigkeit.

Patenschaftsmodell und Deutschunterricht

Zudem würde regelmäßig ein runder Tisch mit Behördenvertretern und dem Helferkreis initiiert. Mit Letzterem gebe es zusätzlich wöchentlich einen "Jour fixe". "Ich bin sehr froh und dankbar über die gute Zusammenarbeit mit dem Helferkreis", lobte die Fachfrau.

Rund 70 Mitglieder engagieren sich im seit Februar 2015 als Verein organisierten Helferkreis, berichtete Hannah Kegel. Zwei Schwerpunkte machen das Tun der Ehrenamtlichen aus: das Patenschaftsmodell, bei dem ein Ehrenamtlicher eine oder mehrere Flüchtlinge in allen Lebenslagen begleitet, sowie der Deutschunterricht. Seit November 2015 wird er vier Mal wöchentlich angeboten. Parallel dazu gibt es eine Kinderbetreuung, berichtete Kegel. Zusätzlich bietet der Helferkreis eine Fahrradwerkstatt an, in der Flüchtlinge nicht nur Räder günstig erwerben können, sondern auch lernen, wie man diese repariert.

Sachspenden wurden bisher im "Haus 22" abgegeben und dort günstig zum Kauf angeboten. "Was nichts kostet, wird nicht wertgeschätzt", begründete Hannah Kegel die eher symbolische Verkaufspolitik. Anfang November zieht der Spendenladen in die Sauermatten 6 a. Kegel hofft, dass die weitere Wegstrecke auch für die Bewohner der Behelfsunterkunft nicht zur Hürde wird.

Hürden abbauen möchte die "Samstagsaktion" des Helferkreises, bei der das ungezwungene Miteinander im Vordergrund steht - egal, ob beim gemeinsamen Kochen, Wandern oder Spielen. Ähnliche Wege möchte man mit dem bereits zwei Mal veranstalteten "Camp-Café" gehen, das in der Behelfsunterkunft des Landkreises stattfindet. Bürgermeister Ante versprach, das Vorstandsteam der ehrenamtlichen Helfer als Dankeschön für ihr Engagement zum Essen einzuladen.