Tanz, Gesang und ein köstliches Buffet

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 21. September 2017

Merzhausen

Syrische Geflüchtete laden zum Kulturfest in Merzhausen ein / Erinnerungen an die Heimat.

MERZHAUSEN. Höhepunkt gab’s viele bei dem Fest, zu dem syrische Geflüchtete alle Interessierten ins Kultur- und Bürgerzentrum "Forum Merzhausen" eingeladen hatten: Zum Beispiel ein köstliches Buffet und die Auftritte der Tanzgruppe "Ugarid" sowie der Kindergesangsgruppe "Al Jwab". Doch am Rande des Fests mit vielen fröhlichen Gästen, das die Syrerinnen und Syrer als Dank für die Hilfe in Deutschland organisierten, gab’s auch traurige Momente.

Da sind so viele Erinnerungen an früher: Mohammed Al Abd (20) und Jamir Al Mohamad (30) stehen vor drei der Fotos an der Wand, die das "alte" Damaskus zeigen. Eine Straße mit Geschäftshäusern im Regen, Menschen spazieren mit Schirmen herum. Ein großer Kreisverkehr mit Autos. Hochhäuser. So kannte Mohammed Abd seine Heimatstadt, doch so sieht sie längst nicht mehr aus. Er wurde 1997 geboren, machte Abitur, begann ein Maschinenbau-Studium – bis er mit seiner Mutter und zwei Geschwistern vor dem Krieg flüchten musste.

Seit mehr als eineinhalb Jahren lebt er nun in Freiburg-Littenweiler, hofft, dass er bald sein Studium fortsetzen kann und denkt oft an Damaskus. Genau wie Jamir Al Mohamad, der in Freiburg-Vauban lebt und als Taxifahrer arbeitet, gehört er zur Tanzgruppe "Ugarid", die im Lauf des Fests auftritt. Neben den zwei jungen Männern steht Ruth Neu, die in der Seniorenwohnanlage im Hildegard-Haussmann-Haus lebt, sie schaut auf die Fotos, die Teile des vom Krieg völlig zerstörten Syriens zeigen: "Das ist sehr erschreckend", sagt sie. "Syrien war so ein schönes Land!" Zwar nicht dort, aber in Algerien und dem Iran hat Bärbel Gruber aus Wittnau früher jahrelang mit ihrem Mann gelebt.

"Syrien war so

ein schönes Land!"

Bärbel Gruber
Weil sie überall freundlich aufgenommen wurde, will sie denjenigen, die aus ihren Ländern fliehen müssen, etwas zurückgeben und arbeitet im Helferkreis für Flüchtlinge in Wittnau mit. Auch in Wittnau gab es kürzlich ein Fest, erzählt sie – dass die Geflüchteten in Merzhausen alles auf eigene Initiative organisiert haben, findet Bärbel Gruber besonders toll.

Für Wael Khalifa (50) war das ein wichtiges Anliegen. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus der Nähe von Damaskus, der seit fast eineinhalb Jahren in Merzhausen wohnt, hat viele syrische und deutsche Freunde und Bekannte und ist sehr dankbar für die Hilfe, die er in Deutschland bekam. "Wir Syrer müssen uns bedanken", findet er. Ganz besonders richtet er sich dabei an die Gemeinde Merzhausen und Kathrin Gieseking, die Vorsitzende vom Helferkreis für Flüchtlinge in Merzhausen. Dessen rund 30 Aktive engagieren sich für acht Familien in der Anschlussunterbringung in Merzhausen und unterstützen bei allem, was anfällt, von Behördenbesuchen bis zum Deutschlernen mit Kinderbetreuung.

Wael Khalifa fand viele Helfer bei den Syrern, die er kennt: "Sie haben auf so etwas gewartet, weil sie ihre Dankbarkeit zeigen wollen", sagt er. So lange die Syrer nicht in ihre Heimat zurück könnten, würden sie gern Teil der deutschen Gesellschaft sein: "Und das geht nur mit persönlichen Beziehungen, zum Beispiel, wenn wir zusammen essen und feiern." Wael Khalifa hofft, dass er bald wieder als Arzt arbeiten kann – und dass seine Frau und seine zwei kleinen Kinder aus Syrien nachkommen können. Er hat Tränen in den Augen, als er von ihnen spricht.

Zu denen, die mit angepackt haben, gehören auch Samra Altinge (21) und Yasmin Menan (33): Sie haben für das riesige Buffet gekocht und gebacken, nun reiht sich eine Köstlichkeit an die andere – unter den vielen Leckereien sind unter anderem Bulgursalat mit vielen grünen Kräutern, mit Reis gefüllte Weinblätter, runde Bulgurkugeln mit Hackfleisch und Zwiebeln oder süße Puderzucker-Kekse mit Nüssen und Rosinen und runde Kugeln aus Schokoladenbiskuit.

Die Vorbereitungen der kochenden und backenden Frauen haben zwei Tage gedauert, so Yasmin Menan, die alles angeleitet hat. Sie lebt mit ihrer siebenjährigen Tochter und ihrem Mann in Merzhausen und würde gerne eine Ausbildung im sozialen Bereich machen – als Kranken- oder Altenpflegerin oder Erzieherin. Auch Samra Altinge wohnt im Ort, zusammen mit Mann und zwei kleinen Söhnen – fünf Jahre und vier Monate alt.