Als Provisorium kaum erkennbar

Volker Münch und Alexander Huber

Von Volker Münch & Alexander Huber

Sa, 21. Juli 2018

Müllheim

Sparkasse bezieht ihr Übergangsdomizil in der Müllheimer Fußgängerzone / Bebauungsplanverfahren für Sparkassenpark schreitet voran.

MÜLLHEIM. In nicht einmal vier Monaten wurde am Ende der Müllheimer Fußgängerzone ein Sparkassenzentrum aus dem Boden gestampft – als neues Domizil der Bank, die bekanntlich ihren Sitz an der Werderstraße komplett umbauen will. Seit einigen Tagen sind nun die verschiedenen Abteilungen in Betrieb – und lassen dabei keine Wünsche der Kunden offen. Das Provisorium für die kommenden drei Jahre ist übrigens als solches kaum zu erkennen. Parallel dazu soll auch das Bebauungsverfahren den nächsten Schritt weiterkommen.

Es war nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Markgräflerland, Ulrich Feuerstein, ein ehrgeiziges Projekt, zu dem verschiedene Partner beigetragen haben. Der Planer und Spezialist für Bankenplanung, Thomas Wunderle, "zauberte", so sagte es Feuerstein, Geschäftsräume in die vorhandenen Gebäude, die weder für die Kunden noch für die Mitarbeiter Wünsche offen lassen sollen. Tatsächlich zeigten sich Kunden und Sparkassen-Mitarbeiter zufrieden mit den neuen Räumen.

Die Sparkasse Markgräflerland wird nun im Kundenbereich auf rund 1000 Quadratmetern am neuen Standort abgebildet. "Für die Stadt, für den Handel in der Fußgängerzone und für die Sparkasse ist das eine echte Win-win-Situation", stellte Feuerstein fest. Gemeint ist: Leerstände werden beendet und auch für eine Nachnutzung ertüchtigt, die Sparkasse bringt nach Überzeugung Feuersteins eine hohe Publikumsfrequenz in die Wilhelmstraße und kann ihre Abteilungen – bis auf die Firmenkundenberatung, die in der Bismarckstraße angesiedelt wurde – an einem Standort konzentrieren. In das Übergangs-Domizil investierte die Sparkasse rund eine Million Euro.

Geschäftsstelle und Kundencenter
Bis zur Fertigstellung des neuen Kundenhauses in der Werderstraße hat die Geschäftsstelle mit ihrer Kundenhalle im ehemaligen Müller-Drogeriemarkt am südlichen Ende der Fußgängerzone Platz gefunden. Dort stehen sämtliche Bankautomaten und – das ist der Vorstandsetage der Sparkasse ganz wichtig – die entsprechenden Berater zur Verfügung, die sich mit den Kunden zu Beratungsgesprächen in separate Büros mit allen erforderlichen technischen Einrichtungen zurückziehen können. Entsprechende Sicherheitsstandards für Banken, die Ertüchtigung des Brandschutzes, Glas- und Wandeinbauten und vieles mehr wurden in einer ambitioniert kurzen Bauzeit auf deutlich engerem Raum untergebracht.

"Das haben Thomas Wunderle und seine Mitarbeiter, aber auch die Baufirmen ausgezeichnet hinbekommen", bedankte sich Feuerstein. Wunderle ergänzte, dass überwiegend Firmen aus dem Kundenbereich bei der Umsetzung zum Zuge gekommen seien. "Wichtig ist auch, dass die Hauseigentümer miteinbezogen waren und das Projekt mitgetragen haben", betonten Wunderle und Feuerstein. Eine ausgeklügelte Belüftungstechnik über eine sogenannte Multi-Splitt-Anlage sorgt im Sommer für Abkühlung, im Winter unterstützt sie die Heiztechnik der etwa 500 Quadratmeter große Geschäftsstelle.

Immobilienabteilung
Direkt gegenüber des neuen Kundencenters gibt es im ehemaligen Schuhhaus Graf keine Schuhe mehr zu kaufen. Hier werden nun Immobilien feilgeboten. Dazu wurde auch dort Einiges an Umbauarbeiten geleistet, Fenster, die früher von Schuhregalen zugestellt waren, wieder geöffnet und den Räumen ein Facelifting verpasst. Dort beraten die Immobilienfachleute der Sparkasse ihre Kunden auf etwa 250 Quadratmetern rund um das Thema Eigenheim und zu Baufinanzierungen.

Private Banking
Die Kundenberater in diesem Segment haben im ehemaligen Kinderbekleidungshaus Bambini direkt neben der heutigen Sparkassen-Geschäftsstelle eine neue Heimat gefunden. Auch dort haben moderne Technik und eine neue Raumstruktur Einzug gehalten.

SB-Center
Vor dem bisherigen Standort in der Werderstraße entsteht zurzeit ein Selbstbedienungscenter in einer Containerlösung. Dort stehen Geldautomaten, Kontoauszugsdrucker, Einzahlungsautomat wie auch im neuen Kundencenter in der Fußgängerzone zur Verfügung.

Bebauungsplanverfahren
Nach Abschluss der frühzeitigen Beteiligung hat der Bauausschuss des Müllheimer Gemeinderates am Mittwochabend bei einer Gegenstimme die Beschlussempfehlung an das Gesamt-Gremium ausgesprochen, mit dem Bebauungsplan für den Sparkassenpark in die Offenlage zu gehen. Damit könnte noch vor der Sommerpause der nächste Schritt in diesem Planverfahren eingeleitet werden.

Julia Brocke vom Büro FSP Stadtplanung erläuterte den Mitgliedern des Ausschusses ausführlich die während der frühzeitigen Beteiligung eingegangenen Stellungnahmen, Anregungen und Einwände. Wichtigster Punkt war dabei die verschiedentlich geäußerte Kritik an den Plänen für das neuen Kundenzentrum an der Werderstraße. Und zwar dahingehend, dass das geplante Gebäude zu hoch und insgesamt zu wuchtig ausfalle, was unter anderem auch die Silhouette der beiden historischen Gebäude "Tempel" und "Villa Kräuter" beinträchtige, die erhalten bleiben sollen. In diesem Sinne äußerte sich etwa das Ortskuratorium Müllheim/Markgräflerland der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Kleine Änderungen
Auf diese Bedenken wurde in – allerdings eher kleinen – Teilen eingegangen. So reduzierten die Planer gegenüber dem ursprünglichen Entwurf die Breite des Kundenzentrums und verschoben diesen samt dem geplanten Verbindungsbau etwas nach Süden, so dass die Vorderkante rund 2,5 Meter hinter der Flucht des "Tempels" zu liegen kommt, dessen Portikus dadurch besser freigestellt werden soll. An der umstrittenen Höhe hat sich wenig geändert – dies sei aufgrund technischer und nutzungsbedingter Anforderungen nicht möglich, führte Brocke aus. Die sichtbare Höhe des Gebäudes soll bei etwa 16,5 Metern liegen – ein Maß, so die Planerin, das im Übrigen bereits von anderen Gebäuden an der Werderstraße deutlich überschritten werde, etwa vom Amtsgericht (18,4 Meter) oder der Volksbank (18,6 Meter).

Brocke verteidigte auch noch einmal die Entscheidung für Flachdächer – auch für die fünf geplanten Wohnhäuser im rückwärtigen Bereich. Auch darüber hatte es Diskussionen gegeben. Allerdings, so die Argumentation der Planer, sei in diesem Bereich der Stadt die Dachlandschaft ohnehin uneinheitlich, Flachdächer gebe es bereits auf anderen Gebäuden. Vor allem im Zusammenspiel mit der Begrünung der Dachflächen sei diese Variante im vorliegenden Fall die sowohl technisch wie ökologisch sinnvollste, erklärte Brocke.