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23. Februar 2013

Der Bebauungsplan „Kirchgasse“ ist beschlossen

Der Bebauungsplan "Kirchgasse" ist beschlossen / Anwohner sind über die Verdichtung nicht unbedingt glücklich.

MÜLLHEIM. Städtebauliche Innenverdichtung, der sparsame Umgang mit Grund und Boden, ist gewollt – von der Landesregierung, aber auch vom Gemeinderat und der Stadtverwaltung. In einigen Bereichen kommt sie nun zur Anwendung. Dass dabei auch Nachteile hinzunehmen sind, das wurde beim Bebauungsplan "Kirchgasse" augenfällig, unter den der Gemeinderat am Mittwochabend mit dem Satzungsbeschluss einen Knopf gemacht hat. Die privaten Stellungnahmen, die während der Offenlage eingegangen sind, sprechen beredt davon.

Das neue Baugebiet entsteht mitten in der Stadt, südlich der Kirchgasse, die praktisch die zweite Reihe zur Werderstraße darstellt. Für das Gelände, auf dem bisher noch der Friedrichhof steht, interessierte sich ein Bauträger, der zur Kirchgasse hin einen viergeschossigen Gebäuderiegel und in baulicher Einheit damit im rückwärtigen Teil ein dreigeschossiges Gebäude errichten will. Östlich davon entstehen ebenfalls im rückwärtigen Bereich und entlang der geplanten Stichstraße zwei weitere Stadthäuser mit zwei Vollgeschossen und geneigtem Satteldach. Die Eigentümer und Anwohner rundum befürchten eine gehörige Einbuße ihrer bisherigen Lebensqualität. Auf der Nordseite sehen sie ihren Ausblick auf die Rebberge im Süden beeinträchtigt und ebenso die Wirkung ihre Solarfläche auf dem Dach. Auch die Ostseite geht davon, mehr als bisher auf der Schattenseite zu sein.

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Die Einwände seien teilweise berechtigt, meldete sich Stadträtin Myriam Egel zu Wort, sie hätte erwartet, dass die Planung gerechter austariert worden wäre. Das sei eine Frage der Abwägung der unterschiedlichen Belange, wie Bebauungsplaner Schill darlegt, und wohl auch eine Frage rentierlicher Investition. Stadtbaumeister Hartmut Klein betonte, dass sein Amt auf die zunächst massivere Planung korrigierenden Einfluss genommen habe, so dass zum Beispiel die oberen Geschosse der beiden größeren Gebäude mit einem Rücksprung von einem Meter (Attika) ausgebildet würden. Beide erhalten begrünte Flachdächer. Das Vorhaben füge sich in die Umgebungsbebauung ein. Im Stadtbereich, erklärte Klein, gebe es sehr viel engere Situationen als in diesem Fall. Er wies daraufhin, dass die Stadt bei solchen innerstädtischen Projekten ihre Informationspflicht freiwillig ausdehne und auch bei der Kirchgasse zusammen mit dem Vorhabensträger und dem Stadtplanungsbüro die Anwohner eingeladen habe. Schill betonte, dass alle Grenzabstände korrekt eingehalten würden.

Die Stadt ordnet auch die verkehrlichen Verhältnisse neu. Auf den bisherigen öffentlichen Parkplatz im Bereich der Kirchgasse wird verzichtet. Dafür werden Parkplätze entlang der Kirchgasse und nordöstlich des benachbarten Kindergartens angelegt. Von dort ist ein Fußweg geplant, der die Kirchgasse mit dem evangelischen Gemeindehaus und dem Parkplatz südlich der Stadtkirche verbindet. Die rückwärtigen Gebäude des neuen Wohngebiets werden durch eine Stichstraße mit Wendemöglichkeit erschlossen, in die der bestehende Fußweg von der Hauptstraße zur Werderstraße integriert ist.

Die Stellplatzfrage für die beiden großen Gebäude wird mit einer gemeinsamen Tiefgarage mit Zufahrt von der Kirchgasse gelöst, für die anderen Häuser sind offene Stellplätze, Carports und Garagen geplant, zugänglich von der Erschließungsstraße. Zunächst hatte die Stadt den Planbereich von der Kirchgasse bis zur Hauptstraße ziehen wollen, um den rückwärtigen Grundstücken eine zusätzliche Bebauung zu ermöglichen. Das allerdings scheiterte an der Mitwirkungsbereitschaft einiger Grundstückseigentümer.

Das Landratsamt empfiehlt der Stadt, auf den Kindergarten als möglicher Lärmquelle hinzuweisen. Zur Klarstellung, denn die Rechtsprechung sei diesbezüglich eindeutig, solcher Lärm müsse als sozialadäquat hingenommen werden.

Autor: Gabriele Babeck-Reinsch