"Der Preis ist nicht alles"

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Do, 26. Januar 2017

Müllheim

Stadtwerke Müllheim-Staufen haben das Siegel als Top-Lokalversorger erhalten.

MÜLLHEIM/STAUFEN. Die Stadtwerke Müllheim-Staufen sind zum wiederholten Mal vom unabhängigen Energieverbraucherportal als "Top-Lokalversorger" ausgezeichnet worden. Das Online-Portal der De-Media GmbH mit Sitz in Düsseldorf will sich bewusst abgrenzen von Vergleichsplattformen, bei denen im Grunde nur der Preis als Kriterium eine Rolle spielt.

Wer für die Versorgung mit Gas, Strom und Wasser zuständig ist, trägt Verantwortung – gegenüber seinen Kunden, der Gesellschaft insgesamt und der Umwelt. Das ist die feste Überzeugung von Uwe Pöhls vom Energieverbraucherportal, das das Siegel "Top-Lokalversorger" seit 2008 vergibt. Man habe es entwickelt, als sich abzeichnete, dass sich mit diversen Vergleichsportalen im Internet "eine Art Discounter-Mentalität breit gemacht hat", erklärt der promovierte Sozialwissenschaftler, der am Dienstag nach Müllheim gekommen war, um die Auszeichnung dem Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Fischer persönlich zu überreichen. "Der Preis ist nicht alles", so Pöhls, zumal auch oft nicht ganz klar sei, ob es sich bei den verglichenen Angeboten um Lockangebote für Neukunden handele oder um den regulären Preis. Er erfahre immer wieder von aufgebrachten Verbrauchern, die ab dem zweiten Jahr ihrer Vertragslaufzeit saftige Aufschläge hinnehmen mussten, was ihnen bei Vertragsabschluss gar nicht so bewusst war, weil der entsprechende Anbieter das auch nur unzureichend – wenn überhaupt – kommuniziert hat.

Transparenz ist denn auch ein wichtiges Kriterium, dass beim Siegel "Top-Lokalversorger" eine Rolle spielt. Daneben geht es unter anderem auch um Kundenservice, Datenschutz und das Engagement des Versorgers in der Region sowie in Sachen Mitarbeiterführung und Ausbildung. Ökologische Aspekte spielen eine Rolle, ebenso die Frage, wie der Versorger mit Zukunftsthemen und neuen Entwicklungen umgeht. Bei Strom- und Gasangeboten ist natürlich auch der Preis sehr relevant, aber eben nicht das einzige und alles entscheidende Kriterium.

Beim Top-Lokalversorger-Siegel für Wasser dagegen spielt der Preis keine Rolle, denn hier hat der Verbraucher ohnehin keine Wahl. Eine Monopol-Situation also, was Uwe Pöhls kurz und bündig mit "Gott sei Dank!" quittiert. Die Trinkwasserversorgung in Deutschland sieht er als eine der besten weltweit an. Die Qualität von Wasser habe unmittelbaren Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen – "das eignet sich nicht, um es dem Wettbewerb zu überlassen", meint Pöhls und verweist auf Länder mit einer privatisierten Wasserversorgung. "Wenn Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, dann leidet die Qualität."

Kein anderes Lebensmittel wird so gründlich überwacht, obwohl der allergrößte Teil des verbrauchten Wassers gar nicht im menschlichen Körper landet. Pöhls verhehlt nicht, dass es auch Probleme gebe, wie etwa die Nitratbelastung des Grundwassers oder Medikamentenrückstände. Allerdings sei nicht nur die Aufbereitungs-, sondern auch die Analysetechnik in Deutschland auf einem hohen Stand und werde kontinuierlich weiterentwickelt, gibt Pöhls zu bedenken. "Wir wissen immer mehr, was im Wasser drin ist. Wenn wir da heute Substanzen entdecken, dann heißt das nicht, dass die erst neuerdings ins Wasser gekommen sind. Sondern, dass wir sie jetzt erst überhaupt nachweisen können."

Angesichts dieses Aufwandes, der bei der deutschen Trinkwasserversorgung betrieben wird, fände er die Diskussion über Wasserpreise teilweise doch etwas merkwürdig, meint Pöhls. "Der tägliche Wasserverbrauch für eine Person kostet weniger als ein Brötchen", rechnet er vor. Auch sei es sehr schwer, Wasserpreise zwischen verschiedenen Versorgern sinnvoll zu vergleichen. "Ein Großteil der Kosten steckt in der Infrastruktur. Und da ist es ein Unterschied, ob ich in der Lüneburger Heide auf dem flachen Land Leitungen ziehe oder über Berg und Tal im Schwarzwald."

Angesichts des insgesamt hohen Niveaus, das Uwe Pöhls den deutschen Trinkwasserversorgern bescheinigt, ist es für Geschäftsführer Jochen Fischer umso erfreulicher, dass die Stadtwerke Müllheim-Staufen beim Wasser nach den Kriterien des Top-Lokalversorger-Siegels zu den "Top Five" insgesamt gehören. Auch bei Strom und Gas liegen die Stadtwerke gut im oberen Drittel, so Pöhls.

Insgesamt rund 250 Versorger, darunter auch die Badenova und Energiedienst, haben 2017 die Auszeichnung "Top-Lokalversorger" erhalten. "Das ist schon eine ordentliche Zahl, aber es schafft längst nicht jeder. Das ist kein Marketingsiegel", betont Pöhls. Die Zahl der Energieversorger in Deutschland lässt sich schwer exakt beziffern, es sind aber weit über 1000, in der Wasserversorgung sogar noch deutlich mehr.

Informationen im Internet unter http://www.top-lokalversorger.de