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04. August 2009

Deutsch kein Problem, nur Alemannisch

Elf junge Ecuadorianer machen interessante Erfahrungen bei Firmen in der Region

  1. Miguel beim Praktikum in einer Kfz-Werkstatt in Münstertal: Er durfte sogar Autos reparieren. Foto: privat

MÜLLHEIM. Fünf Wochen sind Sharilay, Andrea, Miguel, Sofia, Christian und Nicolás nun in Deutschland. Sie sind zusammen mit fünf weiteren Austauschschülern im Rahmen des Projekts "IIS" des Lehrers Jörg Beckert (Wirtschaftsgymnasium) aus Ecuador nach Deutschland gekommen, um hier auch Berufserfahrungen zu sammeln. In einer Woche geht es dann wieder in Richtung Heimat. Sechs von ihnen sind an den Projekttagen des Wirtschaftsgymnasium anwesend und berichten, was sie bei Betriebspraktika erlebten. Miguel etwa war in einer Kfz-Werkstatt. "Ich durfte dort wirklich Autos reparieren", erzählt er. Es habe ihm richtig Spaß gemacht, nur der Dialekt sei etwas schwer zu verstehen, fügt der 18 Jahre alte Südamerikaner hinzu.

Wenn die sechs südamerikanischen Besucher auch nicht auf Anhieb Alemannisch verstehen, so sprechen sie doch erstaunlich gut Deutsch. Sie alle besuchen nämlich eine deutsche Schule in Ecuador, zwei machen dort sogar ein deutsches Abitur. Sie erzählen gerne von ihren Erfahrungen, offen, frank und frei. Sharilay arbeitete im Waldorfkindergarten und war ziemlich überrascht von den Lernmethoden. Sie findet, man lerne dort richtig viel. Sie wird noch die St. Christophorus-Werkstatt in Niederweiler besuchen. Zurück in der Heimat hat sie dann auch vor, Sozialwissenschaften zu studieren.

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Auf die Frage, was sie in Deutschland Neues entdecken, sprudelt es aus ihnen nur so heraus. Das erste ist das Essen. Hier esse man viel Fleisch, zu keiner festen Uhrzeit und es gebe wenig Obst. In Ecuador esse immer die ganze Familie zusammen und aus frischem Obst würde Säfte gepresst. Erstaunt waren die jungen Leute, dass hier die Kinder sehr früh zu Hause ausziehen. "In Ecuador bleibt die Familie geschlossen. Die Kinder ziehen nur selten aus, das wäre sonst zu teuer", erklärt Sharilay. Gerade wenn man studiere, seien die Kosten sehr hoch. Verständlich bei durchschnittlichen Studiengebühren von 1200 US-Dollar (umgerechnet etwa 845 Euro) pro Semester.

Heiße Sommertage sind für die Ecuadorianer ganz normal, nur die hohe Luftfeuchtigkeit sind sie nicht gewohnt und abends empfinden sie es als kalt. Bevor es wieder zurück geht, haben einige noch eine kleine Europareise vor. Sie wollen zum Beispiel Verwandte in Genf besuchen oder Städtereisen nach Rom und Barcelona unternehmen, um sich für den Rückflug in Frankurt wieder zu treffen.

Autor: Hafes Gerspacher