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28. Juli 2017

Die Sparkasse sortiert sich neu

Verwaltung soll in Weil am Rhein konzentriert werden / Umstrukturierung als Chance für städtebauliche Weiterentwicklung Müllheims.

  1. Das Gesicht der Werderstraße wird sich ändern: Die Sparkasse will ein neues Kundenhaus bauen, die historischen Gebäude (Tempel und Villa) sollen saniert und einer neuen Funktion zugeführt werden. Foto: Volker Münch

MÜLLHEIM. Die Sparkasse Markgräflerland sortiert sich neu. Die bislang auf drei Standorte verteilte Verwaltung des Geldhauses soll in Weil am Rhein gebündelt werden. Müllheim bekommt ein neues Kundencenter – und wie Bürgermeisterin und Sparkassenvorstand betonen – "eine historische Chance" für eine städtebauliche Aufwertung der Innenstadt.

Ausgangspunkt für die Neuausrichtung der Sparkasse Markgräflerland sind die weithin bekannten Bemühungen der Banken, Kosten zu reduzieren und sich effizienter aufzustellen. Eine Fusion mit einem Nachbarn – wie das analog gerade von den Volksbanken Müllheim und Breisgau-Süd vorbereitet wird – komme für die Sparkasse Markgräflerland nicht in Betracht, erklärte Vorstandsvorsitzender Ulrich Feuerstein bei einem Pressegespräch am Donnerstagnachmittag. "Wir wollen unsere Selbständigkeit auf jeden Fall bewahren", so Feuerstein.

Möglichkeiten Kosten zu senken und Geschäftsabläufe zu optimieren sieht man bei der Sparkasse dennoch – vor allem in der Verwaltung, die derzeit auf drei Standorte verteilt ist: in Weil am Rhein, in der Müllheimer Innenstadt und im Autocenter im Müllheimer Gewerbegebiet an der B 3 , wo die Sparkasse Räumlichkeiten für derzeit rund 100 Mitarbeiter angemietet hat. In einem neuen Verwaltungszentrum in Weil am Rhein, das bis 2020 entstehen soll, will die Sparkasse dann alle internen Abteilungen ansiedeln.

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Für Müllheim war zunächst überlegt worden, die beiden historischen Sparkassengebäude an der Werderstraße – den sogenannten Tempel und die Villa Kräuter – für den Kundenverkehr umzubauen. Das aber erwies sich aus Brand- und Denkmalschutzgründen als viel zu aufwändig. Die Idee nun: Anstelle der heutigen Kundenhalle aus den 1960er-Jahren soll bis Ende 2020 ein neues Kundencenter entstehen. Auf dem rückwärtigen Gelände, wo heute der Sparkassen-Parkplatz ist, will die Sparkasse Mehrfamilienhäuser mit rund 50 Wohnungen und einer Tiefgarage bauen. Die Villa Kräuter und der Tempel sollen bis 2021 saniert werden. Für deren neue Nutzung gibt es noch keine konkreten Pläne. Hier möchte man kreative Ideen entwickeln, erklärte Feuerstein – und dabei explizit auch die Bürger einbinden.

Wohl wissend, dass der Wegzug von Institutionen gerade derzeit in Müllheim äußerst sensibel betrachtet wird, wurde Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich nicht müde zu betonen, dass für sie die Chancen der Sparkassen-Neustrukturierung deutlich schwerer wiegen als etwaige Nachteile durch den Verlust des Verwaltungssitzes. "Wir bekommen hier eine womöglich einmalige Gelegenheit, die Innenstadt städtebaulich weiterzuentwickeln und aufzuwerten", erklärte die Bürgermeisterin.

Tatsächlich ist diesbezüglich in letzter Zeit einiges in Bewegung geraten – sei es mit der Aussicht auf einen neuen Supermarkt im alten Müllheimer WG-Gebäude, mit dem strategischen Erwerb von Innenstadt-Grundstücken durch die Stadt, den weiterlaufenden Bemühungen um den Lindenhof bis hin zur Neugestaltung des Tenckhoff-Areals. Als sehr positiv bewertete die Bürgermeisterin auch die Entstehung von neuem Wohnraum in der Innenstadt. Das erhöhe die Frequenz und könne zu einer weiteren Belebung von Gastronomie und Einzelhandel beitragen, so Siemes-Knoblich.

Sparkassenchef Ulrich Feuerstein schlug in die gleich Kerbe und beteuerte ausdrücklich, dass sich die Sparkasse ihrer Verantwortung für Müllheim bewusst sei und aktiv daran mitwirken wolle, die skizzierten Chancen auch zu realisieren: "Wir wollen das Sparkassenareal zu einem stadtbildprägenden Mittelpunkt weiterentwickeln."

Feuerstein betonte auch, dass die Sparkasse Markgräflerland trotz der Konzentration der Verwaltung in Weil am Rhein ihren Doppelsitz in beiden Gemeinden behalten werde. Gespräche über eine "faire Verteilung" der anfallenden Gewerbesteuer zwischen Weil am Rhein und Müllheim liefen im Verwaltungsrat.

"Die Sparkassenkunden", erklärte Siemes-Knoblich, "werden hier in Müllheim weiterhin alles finden." In dem neuen Kundencenter sollen rund 50 Mitarbeiter im Beratungsbereich arbeiten, die die gesamte Angebotspalette sowohl im Privatkunden- als auch im Firmenkundengeschäft abdecken.

Autor: Alexander Huber