"Die vierte Macht im Markgräflerland"

Susanne Ehmann

Von Susanne Ehmann

Sa, 11. Februar 2017

Müllheim

Frech, schonungslos, Satire: Die Müllheimer Narrenzunft Hudeli hat ihre Hudeli-Zittig 2017 herausgebracht.

MÜLLHEIM. Wenn Bürgermeister erzittern und Stadträte die Köpfe einziehen; wenn Nachbargemeinden erschauern und sogar Winfried Kretschmann im fernen Stuttgart einen roten Kopf bekommt, dann ist es wieder so weit: In Müllheim ist die Hudeli-Zittig erschienen.

Denn wer sonst, so hieß es bei der Vorstellung der Fasnachtszeitung aus dem Hause Müllemer Hudeli, sei heute in der Lage, den Finger in Wunden zu legen, unbequeme und oft unheilvolle Rückschlüsse zu ziehen und als "Sprachrohr in der Stadt", die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen? Als "die vierte Macht im Markgräflerland", wie sich die Schriibstuebler der Narrenzunft selbst bezeichnen, trägt man eben auch Verantwortung gegenüber den vielen Themen, die 2016 den "investigativen Tatendrang" entfachten.

War die Nachbarstadt am Rhein, von den Schriibstueblern zärtlich Chalampé Ost genannt, noch in der vorherigen Ausgabe Hauptprotagonist, so hat sich "Der wahre Stadtkurier" aktuell anderen Feindbildern zugewandt. Etwa einem "Kuhdorf...äh Kurdorf", einstmals am nördlichen Rand des Landkreises Müllheim gelegen. Das, so heißt es in der Hudeli-Zittig, überflügelt Müllheim einwohnertechnisch plötzlich um Hunderte – "Das Zauberwort heißt Erntehelfer!"–, will Große Kreisstadt werden und sich auch noch den Status als "bedeutender Schulstandort" krallen. Ein Grund für die Hudelis, Bad Krozingens "Bald-OB Volker Kieber" mal zum Briefkastenonkel umzufunktionieren. Es wird heiß diskutiert, soviel sei verraten, sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann gibt seinen Senf dazu. Auch, wie könnte es anders sein, Donald Trump hat seinen Platz in der Hudeli-Zittig bekommen, weil sein Vorhaben, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen, die Schriibstuebler ein wenig an die Mauerbau-Pläne der Bahn entlang der Rheintal-Bahnstrecke zu erinnern scheint. Zu einem Stadtrundgang animiert die Hudeli-Zittig übrigens auch: Mit einem "großen Erlebnisrundgang" erinnert die Zunft daran, dass zahlreiche, im vergangenen Jahr in der Stadt verteilte Hinweisschilder und in einer Karte eingezeichnete Stationen ja schön und gut waren, nur – es fehlten die Erklärungen dazu. Die Hudeli haben das nun nachgeholt: mit einem Prospekt zum Raus- und auf den Rundgang Mitnehmen.

Dann gibt es da noch "Mutti Astrid", die mit Raute und rotem Blazer ihre zehn besten Lebensweisheiten unter die Leute bringt, gespickt mit einem – nicht zuletzt im Kampf gegen die Bahn und um die beruflichen Schulen angeeigneten – optimistischen "wir schaffen das". Und so ganz in der Hudeli-Zittig außen vor bleibt Chalampé Ost dann doch nicht.

In einer Auflage von 1200 Stück erscheint die Hudeli-Zittig in diesem Jahr. Sie erscheint seit der Erstausgabe Anfang der 60er-Jahre regelmäßig einmal im Jahr, erzählten die fünf Schriibstuebler, die traditionell anonym bleiben. Damals hieß die Fasnachtszeitung noch "Klemmbach-Schnacken". Der Name beruht vermutlich auf einer 1895 erschienenen Fasnachtszeitung, die im Rahmen der Müllheimer Saalfasnacht erschien. Mit dem Erlös der Zeitung deckt die Zunft einen Großteil ihrer Fasnachtskampagne. Auch Winfried Kretschmann soll ein Exemplar erhalten.

Info: Die Hudeli-Zittig gibt’s ab sofort für 2 Euro bei Bäckerei Kirschner, Bäckerei Kotz, Bäckerei Weber, Metzgerei Brunner & Rüdlin, Metzgerei Pfunder, Lotto Parnemann, Druckerei Schmidt, Apotheke am Schillerplatz, Foto Zwania, Buck Moden, Eisen Eckert, Reinigung Höning, Aral Tankstelle Dirk Stanusch, Edeka Neukauf Niederweiler und Schreibwaren Ketterer Neuenburg. Weitere Infos im Internet unter http://www.hudeli.de.