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02. Februar 2017

Ein Kontinent zwischen Hoffen und Bangen

Afrikakenner Hartmut Brie lebte lange in Müllheim und hat mit "Die Welt auf dem Prüfstand" ein neues Lyrikbuch herausgegeben.

  1. Der achte Lyrikband des Schriftstellers Hartmut Brie Foto: Flier

MARKGRÄFLERLAND. "Die Welt auf dem Prüfstand" lautet der Titel des achten Lyrikbandes, den der Schriftsteller und Dichter Hartmut Brie einem seiner Lieblingsthemen gewidmet hat: dem gebeutelten und ausgebeuteten doch gleichwohl immer noch geheimnisvollen, magischen Kontinent Afrika. Illustriert hat das im Wiesenburg-Verlag erschienene Buch der renommierte Künstler Franz Gutmann, Afrikakenner wie Brie selbst.

Der 1943 in Freiburg geborene Hartmut Brie, der jahrelang in Müllheim gelebt und seinen Lebensmittelpunkt vor etwas mehr als zwei Jahren nach Bad Krozingen verlegt hat, stellt dem Werk einen eigenen, knappen Aphorismus voran: "Die Tiefe eines Gedichts ist sein geistiger Raum."

Die Räume oder Motive, die das Buch gliedern, bestehen aus sechs Kapiteln. Im ersten, "Afrika zwischen Hoffen und Bangen", betrachtet er den Kontrast zwischen Illusion und Realität des Schwarzen Kontinents. Die rituelle Lebenskraft, der ungebrochene Zauber und die Sinnlichkeit werden der Gewalt und dem Lärm der Waffen gegenübergestellt. Aktuell wie nie zuvor ist das Kapitel "Auf der Flucht". Die Willkommenskultur des Hauses Europa, das so ganz anders ist, als die Hoffnung es haben will. Das Paradies der Menschenrechte – letztlich als Utopie geoutet?

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"Arabische Fragezeichen" führen den Leser in ein weiteres Labyrinth der Gegensätzlichkeit. Bilder entstehen vor dem Auge von einem modernen Märchenland aus Tausendundeine Nacht, doch sie stoßen rasch auf die hässliche Dunkelseite eines Reichtums, der nur wenigen zugute kommt. Aber die "gesellschaftliche Beliebigkeit" sieht gerne über solche Zustände hinweg. Der Mainstream ist stärker als die Wut im Bauch über den Scherbenhaufen. Die Angst davor, dass "die Welt eine andere" sein könnte, wenn die "Ware Mensch", die da hoffnungsvoll unterwegs ist auf ihrem "Weg zum Glück", sich in ein Pulverfass verwandeln könnte – sie bleibt bestehen. Ob die "Kunst als letzter Freiraum" bleibt, lässt die Lyrik offen. Doch der Hoffnungsschimmer blitzt immer wieder durch die Worte, die manchmal schwer wie die unverdaulichen Steine im Magen des Wolfs wiegen. Steine des Anstoßes!

Brie weiß, worüber er schreibt. Der Schriftsteller hat sich elf Jahre lang in West- und Zentralafrika engagiert, mit Kampagnen in der Alphabetisierungs- und Erwachsenenbildung. Seine Lyrik taugt nicht zum Zurücklehnen und Entspannen. Sie rüttelt auf. Der international bekannte Künstler Franz Gutmann, ein Münstertaler Urgestein, hat mit seinen graphischen Porträts die Gesichter Afrikas nicht weniger bewegend eingefangen als der Lyriker Brie. Auch Gutmann kennt Afrika, das er in den 50er-Jahren bereiste, aus eigener Anschauung. Das Umschlagbild, das die Skulptur des Kopfes einer Afrikanerin zeigt, stammt von ebenfalls von Gutmann.

Buch: "Die Welt auf dem Prüfstand" von Hartmut Brie ist 2016 im Verlag Wiesenburg erschienen und kostet 18,80 Euro.

Autor: Bianca Flier