Ein Start nach Maß

Volker Münch

Von Volker Münch

Di, 21. Februar 2017

Müllheim

Berühmt-berüchtigt: Beim ersten Zunftabend der Müllemer Hudeli mit neuer Oberzunftmeisterin bekam die städtische Obrigkeit in gewohnter Manier ihr Fett weg.

MÜLLHEIM. Monia Karle hat, wie sie dem närrischen Publikum erzählt, drei Oberzunftmeister überstanden und steht nun selbst als Vorsitzende der Narrenzunft Müllemer Hudeli an der Spitze des traditionellen Zunftabends. Spritzig, frech, kritisch, farbenfroh und pointenreich zeigten sich die Bühnenakteure im Bürgerhaus Müllheim und bereiteten der frischgebackenen Oberzunftmeisterin einen Start nach Maß in ihre "neue Karriere". Das Programm können Freunde der Müllheimer Fasnacht am kommenden Samstag noch einmal genießen.

Erst stieß sie "König Dede" zu Beginn des Zunftabends vom Thron, dann bewies sie selbst wortgewandt, dass sie närrische Gene besitzt und sich prächtig bei ihrer Premiere geschlagen hat. "Monia, du mach’sch des scho, ma mueß Dir nur die Zit loh", reimte Kanzellar Tobias Drescher zu Beginn seines Prologs, der vor allem die Pannen der Bürgerhaus-Sanierung, den übertriebenen Brandschutz und die vielen Warntöne mit den Worten auf die Schippe nahm: "Wenn Du dem Feuer duesch entkomme, dann bisch vom Tinnitus benomme!"

Überhaupt gingen die Hudelis mit der städtischen Obrigkeit in diesem Jahr sehr scharf ins Gericht – und dem Publikum gefielen Zungenfertigkeit und die verbalen Ohrfeigen angesichts der "Pleiten, Pech und Pannen" rund um die Brandschutzsanierung des Müllheimer Veranstaltungstempels. Zum zweiten Mal erfolgreich aus Buggingen importiert: das Duo "Fränkle & Klaisle" alias Frank Vollmer und Klaus Sütterlin. Mit einem kleinen Ausflug in die "wunderschöne Welt der Magie", deren Tricks auf der Zielgeraden zur Freude des Publikums immer schief gingen, und gut getexteten Liedern hatten sie die Lacher schnell auf ihrer Seite. Mitleid zeigten die beiden Bugginger mit den Müllheimern, die "ä Vermöge in die Halle gesteckt hän. Und wie man sieht, sieht man nix!" Dem finanziell gebeutelten Mittelzentrum wollen die beiden helfen und zur Not "d’ Neueburger aapumpe". Der nächste Tipp des Erfolgsduos zur Befriedung der beiden konkurrierenden Städte: "Eifach us Neueburg de Ortsteil Mülle 2 mache!" Das Publikum johlte.

Die geplante Bahn-Lärmschutzmauer als Müllheimer Klagemauer inszenierte der erste Gruppenauftritt um Ehrenmitglied Renate Jordan (Mitwirkende: Sandy Heining, Angela Albrecht, Jochen Kindorf, Hannelore Keil, Manuela Kindorf und Santrah Buchholz). Sogar die Müllheimer Bürgermeisterin beklagt sich über einen "ungehorsamen Gemeinderat", und ihr Krozinger Pendant Volker Kieber bietet den "dahinsiechenden Müllheimern" ein Plätzchen in seiner Seniorenresidenz an. "Jungs gegen Mädchen" hieß der gelungene Auftritt des Narresomes, der nicht nur tanzen, sondern auch ausgezeichnet rappen konnte. Diese Schulhof-Gang, bestehend aus 15 Kindern und Jugendlichen, verstand es, das Publikum richtig zu begeistern.

Über die "Malesten des fortgeschrittenen Frauenalters" ließen sich Manuela Krapp, Martina Cammarata, Elke Schmider, Rita Heim und ihr "Lover" Markus Krapp bei einer Kaffeefahrt aus. Das Delikate dabei: Im Angebot waren aufreizende Dessous der Firma "Intimissimo", die die Fantasie der "Damen und des Herrn im fortgeschrittenen Alter" auf ganz unterschiedliche Weise anregten – und das machte auch vor dem Publikum nicht halt! Als "Müllemer Gumsle" begeisterten Marion Detterbeck, Anja Kindorf und Angela Albrecht mit eingehenden Melodien und neuen Texten. Ob es um "Orientierungsprobleme im neu konzipierten E-Center" oder um "Abhängigkeiten von Smartphones und WhatsApp" ging, das Damentrio traf immer die richtigen Töne. Als "Kurzschluss-Elektriker im Bürgerhaus kamen Thomas Detterbeck und sein türkischer Kollege "Musti" alias Marcus Lammert in die Bütt, nachdem sie eine der vielen Baupannen im Bürgerhaus überwunden und endlich Licht ins Thema brachten. Sie zogen das Baudezernat, den Planer und die Firmen kräftig durch den Kakao. Da wurden, wie sie aufdeckten, fast nagelneue Lampen nach knapp einem Jahr demontiert und wieder durch neue ersetzt, in den Tiefen der Baustelle wurde – das brachte eine Hudeli TV-Pressekonferenz ans Tageslicht – das Bernsteinzimmer gefunden und Brandschutzmaßnahmen aus dem Jahr 2015 wieder erneuert. Der Grund: "Feuer wird auch immer intelligenter!" Es seien "alternative Fakten, die man ausgegraben habe" hieß es, bis der nächste von unzähligen Kurzschlüssen den Saal verdunkelte.

Akrobatik mit sportlicher Hochleistung und schmissige Tänze boten die Rope Skipper des TuS Auggen, die Junggarde und die Narrenclique Heidemännle, die mit ihrem kreativen Auftritt den ausgeschiedenen Oberzunftmeister Detterbeck rührend verabschiedeten, seine Nachfolgerin herzlich begrüßten – und Monia Karle mit den Insignien einer Narrenkönigin ausstatteten. Nach gut dreieinhalb Stunden endete die bunte und spaßige Narrenschau mit einem bravourösen, farbenfrohen Kostümtanz der Trolls mit sage und schreibe 24 Personen. Ein letzter Höhepunkt in einem kurzweiligen und lustigen Programm voller Persiflagen, für die die Hudelis seit vielen Jahren beim Publikum bekannt und bei den Protagonisten, die durch den Kakao gezogen werden, berühmt-berüchtigt sind.

Am kommenden Samstag gibt noch einmal die komplette närrische Breitseite. Und es gibt noch ein paar wenige Karten an der Abendkasse.

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