Ein strategischer Denker, ein hoch geschätzter Mensch

Volker Münch

Von Volker Münch

Fr, 06. Oktober 2017

Müllheim

Der Gründer und Seniorchef des Müllheimer Weltunternehmens Neoperl ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

MÜLLHEIM (mps). Der Name Dieter Wildfang steht unmittelbar für den Erfolg eines Müllheimer Global Players – Neoperl. Am vergangenen Sonntag starb der Gründer und Seniorchefs des Familienunternehmens im Alter von 87 Jahren. Wildfang gelang es, gemeinsam mit seinem Schwager Hans Denzler und Vater Albert sein Lebenswerk zum großen Erfolg zu führen und eines der wichtigsten Unternehmen für Müllheim aufzubauen.

Die Wurzeln Wildfangs liegen auf Schalke in Gelsenkirchen. Dort hatte sein Vater Albert Wildfang nicht nur ein Unternehmen gegründet, sondern war auch dem Fußball sehr verbunden, bekleidete das Amt des Präsidenten des FC Schalke und pflanzte das Schalke-Gen seinem Sohn Dieter ein. Bis zuletzt galt dessen Sympathie dem Traditionsverein, dem er Zeit seines Lebens als Mitglied verbunden war. In Hannover studierte Wildfang Maschinenbau und Betriebswirtschaft und trat danach in den väterlichen Betrieb ein. In jener Zeit baute Vater Albert für die Sanitärarmaturenfabrik KWC ein Warmpresswerk auf. Dort lernte er den Vorläufer des heutigen Neoperl-Strahlreglers und dessen Potenzial kennen.

Albert Wildfang gründete 1959 gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Hans Denzler in der Schweiz ein Unternehmen zur Vermarktung des Strahlreglers, der von KWC in Lizenz abgegeben wurde. Damals begann die Produktion in der Küche der Tochter Albert Wildfangs. 1961 wurde das Marktpotenzial deutlich, und Dieter Wildfang entschied sich, gemeinsam mit seinem Schwager und seinem Vater die Dieter Wildfang KG zu gründen. Damit war der Grundstein für die Produktentwicklung, Fertigung und den Vertrieb in Deutschland gelegt. Hans Denzler übernahm fortan den Vertrieb über die Schweiz hinaus in Europa und später weltweit.

Die Stärke des Unternehmens: Als unabhängiger Ausstatter kamen sie in kurzer Zeit bei immer mehr Armaturenherstellern unter Vertrag. Heute befindet sich praktisch in jedem Wasserhahn ein Strahlregler "Made by Neoperl". Dies ist auch dem Naturell Dieter Wildfangs zu verdanken. Er galt als ein sehr systematisch denkender Mensch, der strategische Entscheidungen reifen ließ und mit Weitsicht entschied. Kurz gesagt: Er hatte immer einen Plan, den er akribisch verfolgte. Seine Entscheidungen fielen immer parallel mit der weiteren Firmenentwicklung und immer in Absprache und lebendigen Meinungsaustausch mit seinem Schwager Hans Denzler.

"Die beiden ergänzten sich bestens", sagt Sohn Fabian Wildfang. So entstand das heutige Unternehmen – Stück für Stück in 23 Bauabschnitten. Besonders sein fundiertes Wissen, seine Korrektheit, seine gelebte Fairness gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten machten ihn zu einem hoch geschätzten Vorgesetzten und Partner. "Man sieht sich immer zweimal im Leben", war sein Motto.

Dieter Wildfang zeigte sich großzügig, gütig, war zurückhaltend und niemals rechthaberisch. Er trat sowohl auf Geschäftsebene wie auch im persönlichen Umfeld immer sehr freundlich, überaus korrekt und den Menschen zugewandt auf. Und er hatte Humor. Viele Menschen schätzten seinen feinfühligen Wortwitz, sein charmantes Lächeln und suchten gerne seinen Rat.

Dieter Wildfang war nicht nur Firmenlenker, sondern auch der Kopf der Entwicklung, die mit ihren Innovationen Maßstäbe auf dem internationalen Markt setzte. 2004 entschieden sich Dieter Wildfang und Hans Denzler, die beiden Firmen – die schweizerische Neoperl Holding und die Müllheimer Neoperl GmbH – ihren Söhnen zu übertragen und in die zweite Reihe zu treten. Dieter Wildfang stand auch weiterhin bei Bedarf als Ratgeber zur Verfügung. "Er hat bis zuletzt den Kontakt zu den Mitarbeitern gepflegt, war an neuer Technik und Innovationen interessiert", sagt Fabian Wildfang. Jeden Morgen kam er in die Firma, begrüßte seinen Sohn, besuchte die Mitarbeiter bei seinen regelmäßigen Rundgängen.

Er wirkte auch in seinen Ehrenämtern – Dieter Wildfang gehört zu den Gründungsmitgliedern des hiesigen Rotary-Clubs, war unter anderem im Verwaltungsrat der Sparkasse und im Vorstand der AOK-Gesundheitskasse – ausgleichend, zeigte Geduld und war für seine Entscheidungsvorschläge anerkannt.

Dieter Wildfang hinterlässt seine Ehefrau Brigitta, mit der er mehr als 60 Jahre verheiratet war, drei Kinder und zahlreiche Enkel- und Urenkelkinder.