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23. Dezember 2008
Erholung für alle von Geklimper gestressten Ohren
Kammerchor und Musiker der Freiburger Spielleyt führten beim Weihnachtskonzert durch ganz Europa und zurück in frühere Zeiten
MÜLLHEIM (mfa). Wessen Ohren vom der Beschallung mit Weihnachtsschlager schon ganz taub geworden sind, der lernte im Weihnachtskonzert des Kammerchors mit Musikern der Freiburger Spielleyt neu hören. Ausgewogener Chorklang, hervorragende Solisten und Instrumentalisten von hohem Niveau öffneten den Zuhörern in der ausverkauften Martinskirche die Ohren dafür, wie Weihnachten in anderen Zeiten und anderen Ländern klingt.
Mit Liedern und Instrumentalwerken aus Italien, Frankreich, England, Schweden und Deutschland führte die weihnachtliche Reise kreuz und quer durch Europa und in alte Zeiten. Denn mit einer Ausnahme stammten alle Musikstücke aus der Renaissance und dem Barock, aus einer Zeit also, in der auch die Instrumente der Spielleyt ihre Blüte erlebten. Ihren Klang stellte der "Einzug der Spielleute" von Thoinot Arbeau zum Auftakt des Konzertes vor. Auch im Lauf des Konzerts waren die vier Instrumentalisten des angesehenen Ensembles kaum einmal in die Rolle der bloßen Begleiter des Kammerchores verwiesen. Vielmehr gestalteten Bernd Maier, Rebecca Reese, Albrecht und Jutta Haaf die Vor- und Zwischenspiele zu den Beiträgen des Chores genauso virtuos wie ihre Instrumentalstücke.
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Diese zeichneten sich in gewohnter Manier durch musikalische Perfektion und technische Präzision aus. Während Bernd Maier im Lied der Zampognari mit dem Dudelsack sowie in der Antonio Vivaldi zugeschriebenen Sonate "Der treue Hirte" mit der Drehleier gleichsam im Rampenlicht stand, und sich auch Rebecca Reese mit ihrem Instrument, dem Zink, und ihrem klaren Solosopran immer wieder aus dem Ensemble hervorhob, fielen Albrecht und Jutta Haaf durch ihre Vielseitigkeit auf. So war Jutta Haaf am Glockenspiel, an der Orgel, an Tamburin und Trommel genauso zu finden wie am Organetto oder an der schwierig zu spielenden Doppelharfe. Doch in welcher Besetzung auch immer, die Freiburger Spielleyt sorgten für den typisch pastoralen Klang, der den Zuhörer unversehens in frühere Jahrhunderte versetzte und den hektischen vorweihnachtlichen Trubel vergessen ließ.
Dazu lieferte auch der Kammerchor einen großen Beitrag. Der seit dem "Carmina Burana"-Projekt im Sommer auf über 50 Sängerinnen und Sänger angewachsene Chor präsentierte sich stimmlich gut disponiert und angenehm ausgewogen. Mit Alexandra Zimber, Ingela Herweg und Martina Lörscher haben die Choristen zudem Sängerinnen in ihren Reihen, die auch Solopartien intonationssicher meistern. Und so wechselten sich feine Solopartien, wie in "Quando nascente ninno" oder in dem Schwedischen Weihnachtslied "Nu tändas tusen juleljus", mit sattem Chorgesang ab. Bei "Machet die Tore weit" von Andreas Hammerschmidt blüht der Chorklang so richtig auf, doch schon im nächsten Stück, dem "Schlafe, mein Kindelein" von Max Reger beweisen die Choristen, dass sie, wie im Liedtext gefordert, auch mit "süßen Stimmelein" singen können und die zarten und einfühlsamen Töne genauso eindrücklich beherrschen. Ganz erfüllt von weihnachtlichen Klängen war die Martinskirche, als Albrecht Haaf bei drei Weihnachtsliedern das Publikum zum Mitsingen einlud. Mit homogener Klangpracht glänzte zum Ausklang des Konzerts noch einmal der Kammerchor Müllheim mit zwei französischen Liedern aus dem 16. Jahrhundert, die Albrecht Haaf neu gesetzt hatte.
Den euphorischen Applaus dankten die Akteure musikalisch, beschlossen das bemerkenswerte Konzert stimmungsvoll mit "Maria durch ein Dornwald ging".
Autor: mfa
