"Erneut Verlust von Zentralität"

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Sa, 16. September 2017

Müllheim

Grüne kritisieren Verlagerung bei Sparkasse / Bürgermeisterin sieht darin weiter eine große Chance.

MÜLLHEIM (BZ/hub). Wenn auch mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung gibt es nun Diskussionen um die angekündigte Verlagerung der Verwaltungszentrale der Sparkasse Markgräflerland komplett nach Weil am Rhein (BZ vom 28. Juli). In einer Pressemitteilung bekundet die Gemeinderatsfraktion von ALM/Die Grünen ihr Bedauern darüber, dass durch den Wegzug der Sparkassenverwaltung über hundert Arbeitsplätze in Müllheim verloren gehen. Die Grünen vermuten auch, dass damit "zumindest mittelfristig mit einem deutlichen Rückgang der Einkommenssteuer- und Gewerbesteuereinnahmen zu rechnen ist".

Insgesamt wird beklagt, dass mit dem Wegzug der Sparkassen-Verwaltung Müllheim erneut einen wichtigen Teil seiner Zentralität einbüße – auch die Pläne der Volksbank Müllheim, wo nach einer Fusion mit der Volksbank Breisgau Süd der gemeinsamen Verwaltungssitz im Gewerbepark Breisgau wäre, werden von den Grünen als Zentralitätsverlust bewertet. In diesem Zusammenhang sei es nicht nachvollziehbar, warum die Sparkassen-Pläne "von Bürgermeisterin Siemes-Knoblich als historische Chance für die Innenstadt gesehen werden".

Auch der angekündigte Neubau von Wohnungen wird von der Fraktion ALM/Die Grünen nicht gerade euphorisch gesehen. "Der auf dem Sparkassenareal geplante Bau von etwa 50 Wohnungen ist zwar zu begrüßen, kann jedoch aus unserer Sicht, nicht zur notwendigen Aufwertung der Wilhelmstraße beitragen", heißt es in der Pressemitteilung. Müllheim brauche Wohnungen, vor allem bezahlbare Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen. "Daher appellieren wir an die Sparkasse, für einen Teil der Wohnungen einen günstigen Mietpreis anzusetzen, der für Menschen mit geringem Einkommen erschwinglich ist", schreiben die Grünen. "Wir werden in dieser Angelegenheit das Gespräch mit der Sparkasse suchen und hoffen auf Unterstützung der Verwaltung."

Astrid Siemes-Knoblich tritt der Kritik mit dem Verweis darauf entgegen, dass "die Umstrukturierung der Sparkasse für den Kunden vor Ort keinerlei Veränderung bedeutet. Er wird ein leistungsfähiges Kundencenter mit allen Abteilungen des Privat- und Geschäftskundenbereichs vorfinden", erklärte die Bürgermeisterin auf Anfrage der BZ. Es werde der Stadt auch keine Gewerbesteuer wegbrechen, "da die Aufteilung zwischen den Standorten Müllheim und Weil am Rhein nicht an die Lohnsumme gekoppelt wird." Für die Einkommensteuer sei von jeher schon der Wohnort und nicht der Arbeitsort des relevant gewesen.

 Mit dem Vorhaben der Sparkasse und den weiteren städtebaulichen Gesprächen und Entwicklungen, die die Stadtverwaltung gerade vorantreibe (unter anderem Rewe und WG, Aufsiedlung des Tenckhoff-Areals) gebe es eine historische Chance für eine mittel- bis langfristige Neustrukturierung der Innenstadt, die die Bürger als eine deutliche Verbesserung und Aufwertung der Lebensqualität erfahren würden, so Astrid Siemes-Knoblich. "Die Sparkasse plant zudem die Vermietung der entstehenden Wohnungen zu einem Preis, der im unteren Mittelfeld der regionalen Vergleichsmieten liegt."