Fasnachtseröffnung der weiblichen Art

Volker Münch

Von Volker Münch

Sa, 12. November 2016

Müllheim

Erstmals hat in Müllheim eine Oberzunftmeisterin die närrische Flamme entzündet / Monia Karle ist Chefin der Müllemer Hudeli.

MÜLLHEIM. Premiere in der Müllheimer Fasnacht: Erstmals eröffnete eine Oberzunftmeisterin bei der Narrenzunft Müllemer Hudeli die fünfte Jahreszeit am 11.11. Monia Karle zeigte erste Qualitäten als Rednerin und wurde von ihren Vorstandskollegen wegen ihrer charmanten Art buchstäblich auf Händen getragen. Mit der Wahl Karles zur obersten Närrin hat die älteste und größte Narrenzunft Müllheims Geschichte geschrieben.

Monia Karle war aufgeregt. Immerhin stand ihr erster Auftritt als Oberzunftmeisterin bevor, mit dem sie die künftige Fasnachtskampagne eröffnen sollte. Sitzen die Frisur, die weiße Bluse und das rote Chilet samt blauer Jacke? Das meiste passte, den Blusenkragen richtete eine Zunftkollegin. Dann war es soweit. Die Uhr zeigte 11.11 Uhr. "Ich wäre pünktlich", betont Monia Karle mit einem verschmitzten Lächeln und rief ihre Vorstandskollegen zur Ordnung. Die 27-jährige Oberzunftmeisterin lächelte ihre Nervosität einfach weg und zeigte sich als gute Rednerin.

"Des erschte Mol darf ich jetz do vorne stoh, un des macht mich richtig froh…", lautete einer ihrer selbst geschriebenen Verse und stellte sich im Folgenden als witzig gereimt heraus. Da erfuhren die Gäste – es waren rund 30 Personen, darunter mehrere Ehrenmitglieder und zwei Repräsentanten der "Klemmbachhexen – viel über die närrischen Qualitäten Monia Karles, die bereits mit sechs Jahren erstmals auf der närrischen Bühne stand. Als Gardemädchen und später als Büttenrednerin machte sie bereits "närrische Karriere in Müllheim". Nun heißt es nach der Lesart der neuen Oberzunftmeisterin getreu dem Motto für die begonnene Kampagne: "Hudelis in Frauenhand, humorvoll, spritzig und charmant!" Und dazu meinte die Oberzunftmeisterin: "Ja, mir Fraue sin eifach besser, mir sin keini so argi Stresser, mir sin mutig, kraftvoll un stark, des isch für manchi Männer arg. Mir könne vieles glichzitig mache, un do debi au no nett lache!" Mit solchen und anderen Versen machte die frisch gebackene Oberzunftmeisterin deutlich, dass nun – so hofft sie es jedenfalls mit einem Augenzwinkern – nach einer Jahrzehnte langen Männer-Ära endlich frischer Wind in die Müllheimer Fasnacht einkehren wird.

Und mit Blick auf ihren Amtsvorgänger stellt sie verschmitzt fest: "Mit uns Fraue kasch du nie verliere!" Dann greift sie zum Streichholz und entzündete die närrische Flamme, die erst am Aschermittwoch erlöschen wird. Und mit einem Gläschen Wein und einer kräftigen Mehlsuppe wurde die Grundlage für das fasnächtliche Treiben in den nächsten Wochen gelegt. Dass die Vorstandsmannschaft und sicherlich auch die übrigen Aktiven hinter der Oberzunftmeisterin stehen werden, zeigten sie mit einem symbolischen Akt: Sie trugen, für Monia Karle völlig unerwartet, ihre Chefin mit der außergewöhnlichen Frisur – der Undercut ist zurzeit pinkfarben getönt – buchstäblich auf Händen. Der Gag kam an und sorgte am Ende des offiziellen Teils für einen kräftigen Zunftruf.