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06. Mai 2017 16:06 Uhr

Müllheim

"Fledermaus-Autobahn" im Baugebiet: Tiere sollen umgeleitet werden

In Müllheim startet das konkrete Bebauungsplanverfahren für das Neubaugebiet "Am langen Rain". Dabei gilt es, den Artenschutz und die Auswirkungen auf die Umwelt zu beachten.

  1. In dem künftigen Wohngebiet „Am langen Rain“ in Müllheim gibt es diverse ökologische Aspekte zu beachten. Unter anderem geht es um den Erhalt von Bäumen und Flugkorridore für Fledermäuse. (Symbol-Bild) Foto: dpa-Zentralbild

Die Realisierung des Baugebiets "Am langen Rain" ist mit dem Beschluss des Müllheimer Gemeinderates zur frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit, der Behörden und Träger öffentlicher Belange näher gerückt. Zuvor wurden Gutachten, der aktuelle Planungsstand und die Auswirkungen auf die Umwelt vorgestellt. Weil in dem Gebiet eine "Fledermaus-Autobahn" festgestellt wurde, sollen die lautlosen Flieger umgeleitet werden.

Der Entwurf lässt immer noch Luft für Nachbesserungen

Es geht beim Bebauungsplanentwurf in dieser Phase um einen Planungsstand, der nicht weit von der endgültigen Fassung ist, aber immer noch Luft für Nachbesserungen lässt, die bei der frühzeitigen Beteiligung als Anregungen und Kritik bei der Stadt eingehen werden. Deshalb wurde auch der gemeinsame Antrag der beiden Gemeinderatsfraktionen der SPD und der ALM/Die Grünen am Ende der Debatte von der Mehrheit der übrigen Fraktionen im Rat abgelehnt. Der Antrag beschäftigte sich mit dem Baumbestand im Plangebiet, der erhalten werden soll. Darunter zwei Nussbäume, die als Naturdenkmale am künftigen Gemeinschaftsplatz ausgewiesen sind, und Streuobstbäume.

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Ferner forderten die Antragsteller eine planerische Anpassung des Straßenverlaufs und ein Abrücken des Kreisverkehrs vom vorhandenen Grundstück und der mächtigen Trauerweide wie auch eine Konzeption zur Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen. Allerdings könnte auch beim Abrücken der Verkehrsanlagen die gewaltige Wurzel der Weide beeinträchtigen.

Im Laufe der Vorstellung der Planentwürfe und des Umweltberichts wurde allerdings deutlich, dass die meisten Forderungen bereits im Planentwurf berücksichtigt werden oder noch im Laufe der Beteiligung in den Plan eingepflegt werden sollen. Ein wegen des Erhalts der beiden geschützten Nussbäume eingeschalteter Gutachter kam allerdings zum Schluss, dass eines der beiden Exemplare in einem problematischen Zustand sei. Die beiden Ingenieure Jürgen Schill und Ralf Wermuth betonten, dass es ihr Bestreben sei, vorhandene Bäume zu erhalten und darüber hinaus zu ergänzen. "Es ist jetzt der erste Verfahrensschritt. Da wird noch einiges passieren", schickte Schill voraus. Sowohl die Straßenplanung als auch einige Gutachten seien noch nicht abgeschlossen.

Neue Quartiere für eine ganze Reihe von Fledermausarten

Es folgt in einem späteren Schritt noch die Offenlage, wenn dann die endgültige Planfassung vorliegt. Der Stadtplaner brachte auch einen gastronomischen Betrieb beispielsweise ein Café im Bereich des zentralen Platzes und der künftigen Kindertagesstätte ins Gespräch. Als Energiekonzept wird zurzeit die Anschlussmöglichkeit des Baugebietes an die Fernwärme der Holzwärme Müllheim geprüft.

Sehr umfangreich fielen die Untersuchungen zum Artenschutz aus. Das machte Landschaftsarchitekt Ralf Wermuth mit seinen umfangreichen Ausführungen deutlich. Es geht um geschützte Vögel wie Goldammer, Star und Neuntöter und vor allen Dingen eine ganze Reihe von Fledermausarten, für die rechtzeitig neue Quartiere in der Nähe des Baugebiets geschaffen werden müssen. Die sogenannten CEF-Maßnahmen sollen, so schlägt Wermuth vor, bereits im Herbst geschaffen werden. "Und später werden wir die Fledermäuse auch umleiten. Das geht wirklich", erklärte der Landschaftsarchitekt. Wimperfledermaus, Bechsteinfledermaus, Mausohr, Kleinabendsegler, Zwergfledermaus, Mückenfledermaus, Rauhautfledermaus und Weißrandfledermaus – alles Arten, die es nach dem Artenschutz zu bewahren gilt, so das entsprechende Gutachten.

Da nehmen sich Themen wie der Kreisverkehr, Bushaltestellen entlang der Landesstraße in Richtung Zunzingen und die Ausführung eines Bewirtschaftungsweges entlang des Gehölzstreifens hin zur offenen Landschaft relativ einfach aus. Ob der am Südrand vorgesehene Radweg hinter oder vor der geplanten Lärmschutzmauer geführt werden soll, wird die weitere Planung ergeben. Und die hängt auch von der frühzeitigen Beteiligung ab. Da haben neben Behörden und anderen Institutionen auch die Bürger die Möglichkeit, zu Wort zu kommen.

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Autor: Volker Münch