Heterogen über Tische und Bänke

Beatrice Ehrlich

Von Beatrice Ehrlich

Fr, 24. März 2017

Müllheim

Kabarettist Marc Hofmann gibt im Gasthaus Warteck Einblicke ins Seelenleben von Lehrern und Eltern.

MÜLLHEIM-NIEDERWEILER. Häppchen aus dem Schulalltag, frisch aufgespießt: Marc Hofmann serviert, satirisch gesättigt, Kostproben aus dem täglichen Wahnsinn des Lehrerberufs, garniert mit Einblicken in überambitionierte Elternhäuser und die vollen Terminkalender der Kinder. Als Kabarettist hat Hofmann, der als Gymnasiallehrer aktiv im Beruf steht, sein Ventil gefunden. In Niederweiler kann man davon nicht genug kriegen: Bereits zum zweiten Mal gastierte er im vollbesetzten Saal im Gasthaus Warteck.

Die Hürden des Referendariats, das "große Thema" Inklusion und zu guter Letzt die Fremdevaluation, die die Schulgemeinschaft in Aufruhr versetzt – die Herausforderungen sind groß. Die Gefahr zu scheitern, erscheint übermächtig. Soll man da noch Lehrer werden? Es gibt viel zu lachen an diesem Abend, wohl auch, weil sich alle wiedererkennen in den bestechend authentisch nachgespielten Szenen. Wer kennt sie nicht, die typischen Schülersprüche, wenn der Lehrer reinkommt: "Gehen wir heute raus?" Oder wenn er ermahnt: "Hä, was, ich hab doch gar nichts gemacht!" Oder wenn die Powerpoint-Präsentation misslingt: "Bei mir zu Hause sah das ganz anders aus."

Das Ducken vorm Chef, Kollegen in der inneren Emigration, das Ausnützen der Jüngeren – auch seinesgleichen schenkt der erfahrene Lehrer nichts. Weniger noch der Obrigkeit. Für ihn ist sie die Schuldige für das regelmäßig eintretende "Hühnerstallsyndrom": Die Schulpolitik klopft aufs Dach, drinnen wildes Geflatter und Gegacker, und dann sitzen doch alle wieder auf derselben Stange. Und erst die Eltern! Väter, zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit, den Lehrer mit E-Mails auf Trab zu halten, fürsorgliche Mamas im Geländewagen in der "Kiss-and-Go-Zone" vor der Grundschule.

Großes Hallo im Publikum, als Hofmann sich selbst in die Rolle eines ehrgeizigen Vaters versetzt, hochambitioniert und zu allem bereit, solange es um seine Tochter geht. Frührhythmik, Ballett, Voltigieren. "Wir haben sie alles machen lassen, was sie wollte... und was wir wollten", sagt er freimütig. Dazu gehört natürlich auch das Gymnasium als unabdingbares "Must have" in der perfekten Tochter-Biografie. Einen Anwalt, spezialisiert auf Schulrecht, hat er auch schon engagiert, falls es einmal mit den Noten nicht klappt. Rückblicke in die eigene Kindheit in Buggingen erscheinen dagegen eher unspektakulär und verblüffend entspannt.

Hofmann schaut auch durchaus nachdenklich über die Schulmauern hinaus: "Vorm Abi" heißt ein Lied, in dem er über Sinn und Unsinn eines sozialen Jahres in der Dritten Welt nachdenkt ("eine Erfahrung, von der ich später profitieren kann"). Ein anderes, "Mein Manager", beleuchtet den spöttischen Blick eines Teenagers auf die Erwachsenenwelt.

"Wie hält er das bloß aus?", fragt man sich, als Hofmann am Ende eine Englischstunde auf die Bühne bringt, bei der er alle Register zieht. Er baut am Beamer, seine "heterogene" Schülerschaft springt im Hintergrund über Tische und Bänke. "Wen wundert es, wenn einem da der Irrsinn schöne Augen macht?" Man kann es aber auch anders sehen, indem man all jene als Helden betrachtet, die allen Widrigkeiten zum Trotz den Lehrerberuf ergreifen. Auch Marc Hofmann gesteht kurz vor Schluss: "Ich liebe meinen Beruf". Man glaubt es ihm.