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31. Mai 2012

Hügelheim nimmt Heft in die Hand

Die kommende Bahn-Bürgertrasse verschiebt die Probleme / Initiative beginnt mit Information und lässt sich von MUT beraten.

  1. Rund 100 Interessierte waren in den Hügelheimer Kräuterhof gekommen, um sich über den aktuellen Stand der Bahnplanungen zu informieren. Vorne rechts Gerhard Kaiser, einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Bürgerinitiative MUT. Foto: Dorothee Philipp

MÜLLHEIM-HÜGELHEIM. "Die Bahn bewegt (auch) Hügelheim": Diese Erkenntnis animierte rund 100 Bürgerinnen und Bürger des Müllheimer Ortsteils und auch von außerhalb zur Teilnahme an einer Informationsveranstaltung, zu der die neue Initiative unter obigem Titel in den Kräuterhof eingeladen hatte. Für die Details standen als Referenten der Müllheimer Tiefbau-Dezernent Michael Sattler sowie Gerhard Kaiser von der MUT (Mensch und Umwelt schonende DB-Trasse Nördliches Markgräflerland) zur Verfügung.

Nachdem man jahrelang gehört habe, für Hügelheim sei die Planung der Bahn für das dritte und vierte Gleis der Rheintalbahn nicht relevant, sehe man nun sehr wohl, dass auch der Müllheimer Ortsteil stark betroffen sei, sagte ein Teilnehmer der BZ. Dabei geht es vorrangig um die Anknüpfung der geplanten Trasse für den Güterverkehr, die Freiburg weiträumig umfahren soll mit der bestehenden Haupttrasse.

Lärmstress, die Zerschneidung der Landschaft durch endlos lange und bis zu sieben Meter hohe Lärmschutzwände sowie der Verlust von landwirtschaftlichen Flächen sind demnach die Hauptargumente der neuen Bürgerinitiative. Nach dem Erfolg der Interessengemeinschaft Bahnprojekt an Ober- und Hochrhein (IG BOHR), auf deren Druck der Projektbeirat am 5. März 2012 die bisherige Planung der Bahn in bestimmten Streckenabschnitten als nicht genehmigungsfähig eingestuft hatte, wurde in Hügelheim der Wunsch laut, sich in die wieder eröffnete Diskussion um die entscheidenden Details einzubringen.

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Da sich herausstellte, dass viele der Interessierten und Betroffenen nicht über den gleichen Wissensstand verfügten, hatte man nun zu der Informations- und Diskussionsrunde eingeladen. Reiner Nussbaumer, einer der Sprecher der neuen Bewegung lobte die anwesende Müllheimer Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich, die mit ihrem Kommen ein positives Signal setze. Michael Sattler skizzierte die Hauptzüge des Problems und plädierte zuvor dafür, keine "Misstrauenskultur" einreißen zu lassen, da die Stadt die Interessen aller ihrer Bürger wahrnehme, was von einigen angezweifelt worden war.

Ein Haltepunkt gehört zu den Forderungen

Der Knoten bei Buggingen sei deswegen so kompliziert, weil hier auch die Einfädelung der Güterzüge auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke durch den Katzenbergtunnel erfolgen müsse, eine der Forderungen der Gemeinden um den Isteiner Klotz und auch Voraussetzung für eine S-Bahn-Trasse von Freiburg nach Basel im Halbstundentakt auf den alten Gleisen. Nur eine niveaufreie Verknüpfung ohne Weichen ermögliche hier eine sinnvolle Verkehrsführung, da ein Kreuzungsbauwerk Verzögerungen durch die erforderlichen Sicherheitsabstände verursache. Hatten früher die Hügelheimer die Bürgerinitiative MUT eher als Konkurrenz gesehen, zeigte sich nun durch den Beitrag von Kaiser, dass es durchaus sinnvoll ist, an einem Strang zu ziehen, zumal die MUT durch ihre zehnjährige Erfahrung auch erfolgreiche Strategien und Kommunikationsmodelle mit den Ausschlag gebenden Institutionen wie Bahn, Eisenbahnbundesamt, Politik und Regierungspräsidium entwickelt hat. "Sie müssen Druck aufbauen und Geld in die Hand nehmen", appellierte er an das Auditorium. Die MUT habe viel Geld in Anwälte und neutrale Gutachten investiert, beispielsweise 10 000 Euro in eine Simulation, die nachweist, dass eine kreuzungsfreie Verknüpfung der Trassen mehr Frequenz im Zugverkehr ermöglicht.

Was für viele Interessierte schwer zu verstehen war, ist die Tatsache, dass die Diskussion und auch die Verhandlungen erst dann in eine neue Runde gehen können, wenn die Bahn, die derzeit verschiedene Varianten untersucht, ihre geänderten Pläne vorlegt, was erst für September erwartet wird. Ein Zwischenergebnis soll schon im Juli vorliegen. Neu in der gesamten Gemengelage ist, dass die Bahn für das Neubauprojekt zwischen Freiburg und Basel insgesamt zusätzlich 250 Millionen Euro für Verbesserungen im Lärmschutz in die Hand nehmen will und dass der Schienenbonus, der Bahntrassen bisher höhere Lärmgrenzwerte zugestand, für das Projekt gestrichen werden soll. Die Hügelheimer Initiative will sich ab sofort regelmäßig treffen, dabei soll auch der Forderungskatalog, in dem sich neben einer Westlage der Neubautrasse auch ein Haltepunkt für Hügelheim und die Tieflage des gesamten Streckenabschnitts auf der Gemarkung finden, überarbeitet und aktualisiert werden.

Das nächste Treffen ist am 5. Juni um 20 Uhr im Hügelheimer Sportheim.

Autor: Dorothee Philipp