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22. August 2015

Leserbriefe

BAUPROJEKT

Barrieren für Licht, Luft und Sicht
Leserzuschrift zum Artikel "Inklusives Wohnquartier" in Niederweiler", erschienen in der BZ am 1. August

Bei allem Respekt vor Ambitionen, Plausibilitäten und Notwendigkeiten des ehrgeizigen Projekts – vermutlich das größte Bauvorhaben in der Geschichte Niederweilers! – dürfen doch kritische Anmerkungen nicht unter den Tisch gekehrt werden. Als Nachbar konnte man angesichts des aufgebauten Modells den Eindruck "David gegen Goliath" gewinnen: vor den Dimensionen der beiden von der Firma FWD auf dem an der Ölbergstraße gelegenen oberen Teil des Geländes der ehemaligen Fahrradfabrik Kirsch vorgesehenen, im Nordteil jeweils viergeschossigen(!) Wohnblocks mit einer Firsthöhe gegen 13 Meter.

Wiederholt wurde betont, dass mit der Baumaßnahme ja Flächen "entsiegelt" würden; dabei entstehen natürlich wesentlich mehr und massigere Bauten als bisher: neue große Barrieren für Licht, Luft und Sicht. An der Lindenstraße gegenüber dem Rathaus zum Beispiel ein gegenüber dem heutigen Bestand über zwei Meter höheres, nun dreigeschossiges Gebäude – mit dem Giebel und einer Firsthöhe von 12 Metern zur Straße hin!

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Erstaunlich, mit welcher Chuzpe hier für die gewachsene alte Ortsmitte eine solch städtische "Formatierung" anmaßend als "Ortskernsanierung" vorgestellt wird: der Anfang vom Ende der dörflichen Struktur Niederweilers? Umso mehr, wenn man erinnert, mit welcher Leidenschaft im Ortschaftsrat an anderer Stelle bereits über eine um lediglich 0,5 Meter erhöhte Traufkante debattiert wurde.

Wundern konnte man sich auch, mit welcher Selbstverständlichkeit sich die Bürgermeisterin in die (lange!) Riege der Vertreter des Vorhabenträgers, des Investors sowie der beteiligten Planungsbüros einreihte und im Sprachgebrauch recht unkritisch den Eindruck vermittelte, dass die vorgestellte Planung bereits wirklichkeitsreif sei – trotz des doch, wie ebenfalls betont wurde, "sehr frühen Stadium" des Planungsprozesses.

Geradezu als schwere Hypothek für das Projekt erscheint, dass es gerade aufgrund seiner Größe und wirtschaftlichen sowie sozialpolitischen Bedeutung nicht vor Ort in Niederweiler vorgestellt wurde, obwohl es unter dem Banner von Barrierefreiheit und Inklusion antritt! Das Argument von "im Ratssaal Müllheim besserer technischer Voraussetzung" überzeugt nicht angesichts der frisch renovierten, bestens ausgestatteten und für allerhand Veranstaltungen genutzten Römerberghalle. Bedauerlich darüber hinaus, dass technische Perfektion höher bewertet wird als die allseits beschworene "Bürgernähe". Vor Ort wäre allerdings vielleicht das abgefragte "Stimmungsbild" etwas anders ausgefallen? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Jürgen Hauke, Müllheim-Niederweiler

Autor: Jürgen Hauke, Müllheim-Niederweiler