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21. Mai 2015

Lob für fundierte Diskussion

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade informiert sich in Müllheim über den Ausbau der Rheintalbahn.

  1. Angeregte Diskussion im Müllheimer Rathaus mit Birte Könnecke, Fritz Deutschmann, Astrid Siemes-Knoblich, Annette Sawade, Christoph Bayer und Gabi Rolland (von lins) Foto: Dorothee Philipp

MÜLLHEIM. Auch wenn die Arbeit des Bürgerbündnisses Bahn Markgräflerland (BBM) parteiübergreifend unterstützt wird, laden die Ortsvereine der Parteien immer wieder gerne Persönlichkeiten aus Landes- und Bundespolitik ein, sich vor Ort ein Bild von den Ausbauplänen der Bahn für die Rheintalstrecke und den Aktivitäten des BBM zu machen. Das gilt vor allem, seit das BBM mit der "Optimierten Kernforderung 6" (OKF6) eine ernst zu nehmende und für viel Geld von unabhängigen Büros geprüfte Alternative zu den Bahnplänen auf den Tisch gelegt hat.

Nachdem im April eine Delegation von grünen Bundes- und Landespolitikern mit dem bahnpolitischen Sprecher Mattias Gastel Müllheim besucht hatte, war jetzt auf Einladung des SPD-Ortsvereins Annette Sawade, Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Verkehrsausschuss, zu Gast, zusammen mit den beiden SPD-Landtagsabgeordneten Christoph Bayer und Gabi Rolland und der SPD-Kreisverbandsvorsitzenden Birte Könnecke.

Es sei ein Meilenstein, dass der Landtag vor kurzem parteiübergreifend einen Antrag für einen "menschen- und umweltverträglichen Ausbau der Rheintalbahn" formuliert und in diesem Zusammenhang auch die Übernahme von 50 Prozent der Mehrkosten durch das Land befürwortet hat, betonte Auggens Bürgermeister Fritz Deutschmann. Seine Müllheimer Amtskollegin Astrid Siemes-Knoblich wies darauf hin, dass die OKF6 in der Region von einer breiten Basis aus Bürgerschaft, Kommunalpolitik und Wirtschaft getragen werde.

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Sawade zeigte sich zum Thema bestens informiert und berichtete, dass die derzeitige Entwicklung auch für den Abschnitt zwischen Buggingen und Auggen im Sinne des BBM positiv verlaufe. Gerhard Kaiser von der Bürgerinitiative MUT, unter deren Dach das BBM firmiert und der federführend an der Entwicklung der Alternativplanung beteiligt ist, stellte diese in einer zusammenfassenden Powerpoint-Präsentation vor. Die von der Bahn inzwischen vorgelegte "optimierte Antragstrasse" kritisierte er heftig, da auch bei dieser Version die Güterzüge in Dammlage geführt werden.

Die OKF6 dagegen führt die Güterzugtrasse in der Tieflage, in der sie als "Bürgertrasse" bis Buggingen geplant ist, weiter bis südlich von Auggen. So befinden sich die Güterzüge auch im Bereich des Müllheimer Bahnhofs acht Meter unter dem Straßenniveau, was eine Vielzahl von Vorteilen bei Lärmschutz, Sicherheit und Flächenverbrauch bedeutet.

Bürgermeisterin Siemes-Knoblich thematisierte ein Ärgernis, welches das BBM, in dem die Kommunen Müllheim und Auggen Mitglied sind, in jüngster Zeit beschäftigt: nämlich die reduzierten Prognosen zu den Zahlen der Güterzüge ab 2030, mit denen die Bahn nun neue Rechenexempel durchspielt, die ihre eigenen Planungen unterstützen. "Wir brauchen die maximalen Kapazitäten für Güterzüge und eine zukunftsfähige Planung dafür", fasste BBM-Vorstandsmitglied Peter Pilger zusammen. All das beinhalte die vorgelegte OKF6.

Der BLHV-Kreisverbandsvorsitzende Michael Fröhlin aus Buggingen lenkte das Augenmerk auf den Landschaftsverbrauch durch die Baumaßnahmen. Die Tieflage der Gütertrasse, wie sie das BBM fordert, verringere diesen nicht nur, sondern erleichtere auch den Landwirten auf dem Weg zu ihren Feldern die Überquerung der Bahntrasse, sagte Fröhlin. Und Gerhard Kaiser berichtete, er habe in den 13 Jahren seines Engagements für die Bürgerinitiative MUT und der Gespräche mit den Bahnplanern nie erlebt, dass der Flächenverbrauch für die Bahn jemals ein Thema gewesen sei. So plane die Bahn jetzt im Bereich der Zusammenführung von Gütertrasse und ICE-Trasse vor dem Katzenbergtunnel zusätzliche Flächen verbrauchende Bypässe für den Fall von Havarien, anstatt auf die bereits vorhandenen Weichen zurückzugreifen, was in einem Notfall durchaus vertretbar wäre.

Offen blieb in der Diskussion die Frage, was am anderen Ende der "Neuen Alpentransversale" passiert, deren Herzstück der neue Gotthardtunnel ist und auf die der Ausbau der Rheintalbahn abgestimmt ist. Wann sich an der südlichen Grenze der Schweiz etwas tut, um den forcierten Güterverkehr in Richtung Genua aufzunehmen, ist noch offen. Es kursieren Meinungen, dass das bis 2050 und noch länger dauern könne.

Die Problematik des Bahnlärms, die von der Politik lange unterschätzt wurde, untersucht eine Studie des Bürgernetzwerks "Pro Rheintal", die das BBM vom Internationalen Bahnlärmkongress im März in Boppard mitgebracht hatte. Gerhard Kaiser überreichte Annette Sawade ein Exemplar davon. Sie habe heute viel gelernt, sagte die Politikerin und lobte das BBM für eine sachliche und fundierte Diskussion.

Info: Am 26. Juni tagt der Projektbeirat Rheintalbahn im Stuttgarter Verkehrsministerium. Über die Bedeutung dieses Termins und die Vorbereitungen dafür informiert das BBM in seinem nächsten Monatstreff am Freitag, 22. Mai, 19 Uhr, im Gemeindesaal Hügelheim.

Autor: Dorothee Philipp