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01. August 2015

Mehr Frei- und Grünraum

Bürgerbeteiligung zu "Inklusives Wohnquartier" in Niederweiler.

  1. So könnte das neue Wohnquartier nach einer Visualisierung der Architektengemeinschaft Werkgruppe Lahr einmal aussehen. Foto: Volker münch

MÜLLHEIM-NIEDERWEILER. In eine zweite Runde der Bürgerinformation und Bürgerbeteiligung ging die Stadt Müllheim zum Thema "Inklusives Wohnquartier" in Niederweiler. Dort will die Christophorus-Gemeinschaft die alten Gebäude der ehemaligen Fahrradfabrik Kirsch abreißen und durch sechs neue Gebäude ersetzen. Von den rund 30 interessierten Bürgern votierten 17 für den Entwurf, sieben sprachen sich dagegen aus, und sechs zeigten sich unentschlossen.

"Wir hatten von der Infoveranstaltung in Niederweiler einiges an Feedback bekommen", schickte Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich voraus. Sie unterstrich, dass man mit der Bürgerbeteiligung am Anfang des Verfahrens stünde und den Bürgern einen tieferen Einblick in die bisherige Planung geben wolle.

"Wir müssen uns verändern und neu bauen", unterstrich der Geschäftsführer der Christophorus-Gemeinschaft, Joachim Walter, und verwies auf die neue Landesheimbauverordnung und die einschlägigen Förderrichtlinien. Ferner fordert die UN-Konvention zur Inklusion, Menschen mit Handicap in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Diese Forderungen würden von dieser Planung erfüllt. Damit das Projekt finanziert werden kann, hat sich die Gemeinschaft mit dem Unternehmen FWD Hausbau GmbH einen Partner ins Boot geholt, der an der Nordseite zur Ölbergstraße hin einen zweiteiligen Gebäudekomplex bauen möchte und dort 24 Wohneinheiten für den freien Markt anbieten wird. Als ein Unternehmen mit sozialem Schwerpunkt bei seinen Projekten wolle man vor allen Dingen Senioren, junge Familien und auch Menschen mit Handicap ansprechen, die eigenständig leben möchten, erklärte der Geschäftsführer der FWD, Alex Zimmermann.

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Eine lange Referenzliste zeigte, dass dieses Unternehmen viele Häuser im Bereich betreutes Wohnen, der Pflege und anderen Ausrichtungen gebaut hat. Ganz interessant für die Christophorus-Gemeinschaft war aber eine weitere Spezialität: nämlich die der Ortskernsanierung. Genau das strebt die Gemeinschaft mit ihrem offenen Konzept, bei dem verschiedene öffentlich zugängliche Plätze geplant sind, auch an. Das Wohngebäude der FWD soll an der Böschung zur Ölbergstraße hin entstehen und zeigt sich von der Straße aus mit zwei Stockwerken und einem zurückspringen Dachgeschoss. Von der Nordseite her wird ein weiteres Stockwerk sichtbar, das unter anderem als Tiefgarage ausgebildet ist. Das zweiteilige Haus wird mit einem Steg verbunden, großzügige Grünanlagen flankieren den Durchgang quer über das Grundstück zur Lindenstraße hin.

Die Häuser der Christophorus-Gemeinschaft selbst nehmen Wohneinheiten, Wohngruppen, Räume für Betreuungs- und Förderbereich wie auch Verwaltungsräume auf, stellte Adelbert Hassler von der Architektengemeinschaft Werkgruppe Lahr vor. Im Gegensatz zur ersten Bürgerinformation im März waren die Planer gut vorbereitet und hatten zahlreiche Detailarbeiten erledigt. Grenzabstände würden eingehalten, die Struktur des Gebäudeensembles orientiere sich sowohl in der Lindenstraße 4 an den eng bebauten Hofstrukturen des gewachsenen Dorfes und den Gebäudehöhen, beispielsweise in der Lindenstraße 39. "Unsere geplanten Häuser fügen sich harmonisch ein", stellte Hassler fest. Auch der Schattenwurf auf Nachbargrundstücke sei simuliert worden. Das Ergebnis: Es gibt nach Aussage des Planers keine wesentlichen Verschattungen.

"An dem Entwurf wurde sehr viel gearbeitet", stellte Peter Egi von der Planungsgruppe Südwest fest. Aus dem bestehenden "Klotz mitten im Ort" werde mit der Neuplanung ein für Niederweiler typische Struktur erarbeitet, die mehr Frei- und Grünraum bringe. Die Gebäudehöhen, die Abstände zu den Nachbarhäusern, die Erschließung und die Zahl der Stellplätze standen am Ende im Mittelpunkt der Diskussion. Manche Anwohner sorgten sich nämlich über den entstehenden Verkehr, weil Stellplätze und Tiefgarage ausschließlich von der Lindenstraße aus bedient werden. Andere Anwohner empfanden die Gebäude aufgrund ihrer Größe und Form für "zu städtisch" und stellten die Frage, wie viel Verdichtung ein Dorf wie Niederweiler vertragen könne. Eine weitere Frage war, ob die Zahl der Stellplätze für das anschließende Wohnbauprojekt nicht zu gering angesetzt worden sei. "Mit der angestrebten Bewohnerstruktur ist die Zahl mehr als ausreichend", erklärte FWD-Geschäftsführer Zimmermann aus Erfahrungen mit ähnlichen Projekten. Eine zusätzliche Erschließung von der Ölstraße aus scheint nach den Aussagen der Planer weder möglich noch notwendig.

Die Bürgermeisterin begrüßte die Wohnungsstruktur des Wohnbauprojekte: "Gerade Zwei- und Dreizimmerwohnungen fehlen in der Stadt." Am Ende erbrachte die Abstimmung ein klares Stimmungsbild unter den anwesenden Bürger: Die große Mehrheit begrüßt das Projekt. Jetzt müssen weitere Hausaufgaben erledigt, die Anregungen diskutiert und in den Planentwurf eingearbeitet werden. Erst dann wird das Verfahren weitergeführt. Im Zuge des Aufstellungsverfahrens für einen künftigen Bebauungsplan werden die Bürger nochmals angehört.

Autor: Volker Münch