Neue Hoffnung, aber auch Kritik

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Do, 29. Dezember 2016

Müllheim

DAS THEMA 2016 IN MÜLLHEIM:Zwischen Ladenschließungen und neuen Perspektiven – Innenstadtentwicklung war ein Dauerbrenner.

MÜLLHEIM. Veränderungen im Einzelhandel sind immer ein beliebter Gesprächsstoff, doch selten erzeugte eine Ladenschließung einen derartigen Nachhall wie die des Rewe-Marktes an der Müllheimer Werderstraße vor rund einem Jahr. Damit wurde die Innenstadtentwicklung zu einem der am lebhaftesten diskutierten Themen 2016 im Mittelzentrum. Tatsächlich hat sich da in den vergangenen zwölf Monaten einiges getan.

Immerhin: In punkto Lebensmitteleinzelhandel endet das Jahr für Müllheim, diese von allerlei tatsächlichen und vermeintlichen Verlustängsten geplagte Stadt, versöhnlich. Die Ankündigung der Firma Hieber, an der Werderstraße ein "Lädele" anzusiedeln, ist mehr als ein Silberstreif am Horizont, zumal zwischen den Zeilen herauszuhören ist, dass sich Hieber ein noch weitergehendes Engagement in Müllheim vorstellen kann, auch wenn dazu derzeit noch nichts spruchreif ist.

Den Vorwurf der Untätigkeit, der dem Rathaus und auch dem Gemeinderat bei diesem Thema leichthin immer wieder mal gemacht wurde, kann man im Rückblick kaum so stehen lassen, auch wenn nicht alle über die Entwicklungen glücklich sind. Bereits im Herbst 2015 gab es einen ersten Vorstoß vonseiten des Gemeinderates, auf dem Areal der Tritschlersäge zwischen dem Kernort und Niederweiler einen Supermarkt anzusiedeln. Die Idee verlief recht schnell im Sande, da das Gelände in einem Grünzug des Regionalplans liegt und die übergeordneten Behörden signalisierten, dass daran auch nicht zu rütteln sei.

Teile des Gemeinderates unternahmen vor allem auf Betreiben der Freien Wählergemeinschaft im Sommer dennoch einen zweiten Anlauf mit dem Vorschlag, Flächen am Ortsrand von Niederweiler in Anspruch zu nehmen, um den dortigen Neukauf vergrößern zu können. Eine Mehrheit im Rat fand sich dafür aber nicht – wenn auch nur äußerst knapp. Neben den auch hier bestehenden Bedenken hinsichtlich des Grünzugs gab es auch Stimmen, die davor warnten mit einer Supermarkt-Erweiterung an dieser Stelle weitere Entwicklungen in der Innenstadt zu erschweren. Die dürften sich nach Bekanntgabe der Hieber-Pläne womöglich bestätigt fühlen. Manch einer trauert der Idee freilich immer noch nach – vor allem in Niederweiler, wo die Zukunft des Neukaufs ungewiss bleibt.

Zwiegespaltene Gefühle beim Tenckhoff-Areal

Zwiegespaltene Gefühle gab es auch hinsichtlich des zweiten großen Themas mit Blick auf die Innenstadtentwicklung – die Zukunft des Tenckhoff-Areals. Kurz vor der Sommerpause ging die Rathausspitze mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, dass es konkrete Pläne zur Bebauung dieses seit Jahren brachliegenden Geländes gibt. Der Gemeinderat segnete das Konzept ab, das neben Wohn- und Büroflächen unter anderem auch die Ansiedlung einer Drogerie und eines Textil-Filialisten vorsieht. Kritische Stimmen ließen indes nicht lange auf sich warten: Alles andere als ein großer Wurf sei das, lautete der Tenor der Skeptiker, während man im Rathaus darauf verwies, endlich eine derart lange offene Baustelle in der Stadt abgeräumt zu haben. Und außerdem, so betonte Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich, hätten die Pläne für das Tenckhoff-Areal bereits eine gewisse Dynamik in der Innenstadt ausgelöst – nicht zuletzt mit Blick auf die benachbarte Fußgängerzone.

Die blieb auch 2016 ein Sorgenkind, auch wenn die Diskussionen darüber etwas leiser geworden sind, nachdem Ende 2015 der Vorschlag von Einzelhändlern, die Fußgängerzone probeweise und vorsichtig für den Autoverkehr zu öffnen, im Gemeinderat auf wenig Gegenliebe gestoßen war. Zunächst richtet sich nun die Aufmerksamkeit auf die konkrete Ausgestaltung des Tenckhoff-Areals, das im günstigen Fall Ende 2018 fertig sein könnte. Zuletzt gab es eine Diskussion um die Gestaltung der Dachflächen des geplanten Gebäudes. Weiterhin offen ist die Zukunft der alten Stadtapotheke, die sich quasi an einer Scharnierposition zwischen dem Tenckhoff-Areal und dem Bereich der Fußgängerzone befindet.

Dass das Thema Innenstadtentwicklung ganz weit nach oben auf der Prioritätenliste gerückt ist, zeigt auch die personalstrategische Entwicklung im Müllheimer Rathaus. Die vakant gewordene Stelle des Wirtschaftsförderers wurde im Herbst mit dem bisherigen städtischen Veranstaltungsmanager Holger Lauer neu besetzt und auch etwas neu ausgerichtet. Der Schwerpunkt liegt jetzt weniger auf der klassischen Wirtschaftsförderung im Bereich der Unternehmensansiedlung als vielmehr beim Standortmarketing mit dem Fokus auf Innenstadt- und Handelsentwicklung. Lauer, bestens vernetzt und kommunikationsfreudig, soll eine Art "Kümmerer" für die Händler und Gewerbetreibenden in der Stadt sein.

Zu seinen neuen Aufgaben zählt auch die Mitarbeit an der Entwicklung eines Stadtentwicklungskonzeptes. Das sowie eine Vielzahl offener Fragen, die noch der Klärung bedürfen, lassen erahnen: Auch 2017 wird in Müllheim die Innestadtentwicklung für Gesprächsstoff sorgen.