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17. März 2015 17:03 Uhr

Markgräflerland

Rattenexperiment endet frühzeitig – Tier an Behörden übergeben

Ein Markgräfler Künstler hat im Internet eine Ratte zum Abschuss freigegeben. Er wollte so gegen den Einsatz von Drohnen protestieren. Nun ist das Experiment frühzeitig zu Ende – das Tier ist gerettet.

  1. Eine Ratte wie das Tier auf unserem Symbolbild sollte im Markgräflerland unter Beschuss genommen werden – per Mausklick. Foto: Christoph Breithaupt

Das umstrittene Kunstprojekt "11 Tage" von Florian Mehnert aus dem Markgräflerland ist vorbei. Offiziell endete es am Dienstag um 19 Uhr. "Game over" steht auf der Internetseite des Künstlers. Doch bereits seit dem Vormittag ist die Ratte nicht mehr in den Händen von Mehnert. Das Tier sei an einem sicheren Ort, meldet das Landratsamt in einer Mitteilung.

Mehnert hatte seit Samstag eine Waffe mit Webcam auf die Laborratte gerichtet, die Aufnahmen wurden live ins Internet übertragen. Wer wollte, konnte sich einloggen und die Paintballpistole fernsteuern. Diese sollte aber erst am 25. März scharf geschaltet werden. Mit einem Klick hätte dann jeder von überall auf der Welt die Ratte erschießen können – per Mausklick. Für so ein kleines Tier ist der Treffer durch eine Paintballwaffe tödlich.

Tier wurde artgerecht gehalten

Vertreter des Landratsamtes und der Polizei Freiburg haben einer Mitteilung zufolge am Dienstagvormittag dem Künstler unangemeldet einen Besuch abgestattet. Mehrere Anzeigen hätten die Behörden auf das Projekt aufmerksam gemacht. Der Künstler habe das Tier freiwillig übergeben.

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Nach Angaben eines Veterinärs des Landratsamtes war die Haltung der Albinofarbratte tierschutzgerecht. Das Tier sei nur vier Tage alleine in der Box gehalten worden. Die Paintballwaffe sei noch nicht scharf geschaltet gewesen. In die Installationsbox hat der Künstler nun Fotos von Drohnentoten gehängt.

"Es war nie vorgesehen, die Ratte tatsächlich zum Abschuss freizugeben", sagt Mehnert. "Ich bin doch nicht wahnsinnig, ich lasse doch keine Ratte abknallen – auch nicht im Dienste der Kunst." Noch am Montag hatte er in einem Interview der Badischen Zeitung gegenüber behauptet, er wisse nicht, ob das Tier getötet werde. "Ich habe eine Umfrage auf der Webseite, bei der man abstimmen kann, ob die Ratte am Leben bleiben soll."

Welle der Empörung und Morddrohungen

Mit seinem Experiment wollte der Künstler gegen die Überwachung und den Kampfeinsatz von Drohnen protestieren. "Ich will auf eine extreme Folge der Überwachung aufmerksam machen: Mit den Daten, die man durch die Überwachung von Menschen anfertigt, kann man durch Drohnen gezielt töten", sagte er der Badischen Zeitung.

Schnell schlug die Welle der Empörung hoch. Der Tierschutzverein Markgräflerland kritisierte die Aktion als abscheulich und perfide, eine Online-Petition unter dem Titel "Stoppen Sie das Rattenexperiment von Florian Mehnert!" wurde initiiert, bei der Polizei ging eine Anzeige wegen Verstoßes gegen Tierschutzbestimmungen ein. "Ich bin der Übeltäter, die Zuschriften sind empört und beleidigend. Auch eine Morddrohung ist darunter", sagte Mehnert. Die Süddeutsche Zeitung sowie internationale Medien berichteten über die Aktion, angeblich hatte sogar die New York Times bei dem Markgräfler angeklopft.

"Ich wollte, dass Empörung entsteht, dass man sich Gedanken macht und Vergleiche zieht", so Mehnert. "Das Publikum sollte sich die Folgen der Überwachung bewusst machen. Die Menschen fragen sich: 'Kann ich dagegen als Einzelner überhaupt etwas machen? Vielleicht kann ich ja wenigstens die Ratte retten – dann habe ich etwas Gutes getan.'" Die Ratte als Symboltier sei ein klassischer Platzhalter gewesen – das lasse die Emotionen hochkochen.

Auch wenn es nun keine Ratte mehr gibt: Das Projekt wird Florian Mehnert wohl noch eine Weile beschäftigen. Er hofft, dass die Diskussionen anhalten werden. "Die Problematik ist ja noch nicht im Ansatz gelöst. Ich habe sie jetzt angestoßen."
Zur Person

Im Herbst 2013 sorgte der Markgräfler Künstler Florian Mehnert für Furore: Er hängte Mikrofone im Wald auf, manchmal auch nur winzige Wanzen, und zeichnete die Gespräche von Spaziergängern auf. Am Ende veröffentlichte Mehnert die Aufnahmen im Internet. Er wollte auf die Problematik der Überwachung aufmerksam machen – und die Reaktion der Öffentlichkeit darauf. Im vergangenen Jahr fertigte der 45-Jährige dann eine umstrittene Videoinstallation an: Er zeigte die Aufnahmen gehackter Smartphones.

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Autor: Alexandra Röderer, Daniel Laufer