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13. Oktober 2017

Schneller Weg zum Studium

In Müllheim parallel zur Berufsausbildung in zwei Jahren die Fachhochschulreife erwerben.

  1. Fleißarbeit am Freitagnachmittag: Mathematiklehrer Marc Pfeiffer (links) mit seinen vier Schülern, die die Fachhochschulreife anstreben. Foto: Beatrice Ehrlich

MÜLLHEIM. Die Schulbank drücken, wenn andere frei haben, dabei ein festes Ziel vor Augen: Mit außergewöhnlichem Engagement bereiten sich Auszubildende an der Müllheimer Georg-Kerschensteiner-Schule auf ihre Fachhochschulreife vor – immer freitags, parallel zur Berufsausbildung.

Diese Zusatzqualifikation, die erstmals in nur zwei Jahren (statt klassisch in drei Jahren) erworben werden kann, steht allen Auszubildenden im dualen System der Berufsschule offen, egal welchen Faches, egal von welchem Betrieb und von welcher Berufsschule. Bedingung ist ein mittlerer Schulabschluss. Noch bis zum 20. Oktober können sich interessierte Auszubildende bei der Kerschensteiner-Schule anmelden.

Die Tafel ist dicht beschrieben mit Gleichungen und Merksätzen, eine Kurvendarstellung per Beamer an die Wand projiziert. Lehrer Marc Pfeiffer steht an der Tafel, seine vier Schüler halten alle Details in ihren Collegeblocks fest. Heute steht Mathematik auf dem Stundenplan, neben Deutsch und Englisch eines der Kernfächer für die Prüfungsvorbereitung zur Fachhochschulreife. Jeden Freitagnachmittag kommt die Schülergruppe hier zusammen, um an die fünf Stunden lang intensiv zu lernen. "Es ist fast wie an der Uni", schwärmt Pfeiffer von der offenen und fast schon kameradschaftlichen Lernatmosphäre. Er unterrichtet gern hier. Durch die geringe Zahl der Teilnehmer und deren außergewöhnliche Motivation könne man in dieser Gruppe in wenig Zeit große Fortschritte erzielen, betont er.

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Die beiden angehenden Industriemechaniker Niklas Meyer (19) aus Heitersheim und Robin Sonner (17) aus Ballrechten-Dottingen nehmen die Überstunden am Freitagnachmittag ganz bewusst auf sich. Nach dem Realschulabschluss, den Sonner in Heitersheim, Meyer nach Abschluss der zweijährigen Metallfachschule in Müllheim abgelegt hat, wollten beide nicht weiter nur in die Schule gehen, ein klassischer Ausbildungsplatz im dualen System war ihr Ziel. Aber nicht nur: Einen weiteren Schulabschluss erwerben sie nun quasi nebenher.

"Damit spare ich mir drei Jahre. Es wäre eine verschenkte Möglichkeit, wenn man diese Chance nicht nutzt", findet Robin Sonner. Eineinhalb Arbeitsstunden werden den beiden dafür von ihrem Arbeitgeber, dem Unternehmen Auma im Müllheimer Industriegebiet, gutgeschrieben, der Rest davon geht von der eigenen Freizeit ab. Was ihnen besonders gut gefällt ist das selbstgesteuerte, eigenverantwortliche Arbeiten. Hausaufgaben gebe es kaum. Obwohl es keine Anwesenheitspflicht gibt, sind sie so gut wie immer da. "Man merkt schnell, dass es schon sinnvoll ist, regelmäßig zu kommen." Beide können sich gut vorstellen, später ein Studium an einer Fachhochschule aufzunehmen – Meyer Maschinenbau und Sonner Fahrzeugtechnik. Statt neben dem Studium zu jobben, wie sie es während ihres Studiums getan habe, bekämen die beiden als Facharbeiter den doppelten Monatslohn, führt Schulleiterin Beate Wagner einen weiteren Pluspunkt der zwei Standbeine, schulisch und beruflich, ins Feld. Ihr ist es ein großes Anliegen, noch weitere Auszubildende für dieses Angebot zu gewinnen.

Auf ihre Hobbys müssen Niklas Meyer und Robin Sonner wegen ihres Zusatzunterrichts nicht verzichten, versichern sie. Beide spielen Fußball, Meyer bläst zudem noch Posaune im Musikverein.

Die Zusatzqualifikation: Die Anmeldung für den Erwerb der Zusatzqualifikation Fachhochschulreife ist noch möglich bis Freitag, 20. Oktober, im Sekretariat der Georg-Kerschensteiner-Schule Müllheim,
Tel. 07631/17610. Der neue Jahrgang startet dann in der darauffolgenden Woche am Freitag, 27. Oktober. Informationen zur Georg-Kerschensteiner-Schule, die für technisch interessierte Schüler und Schülerinnen vielerlei Bildungsgänge anbietet, vom berufsvorbereitenden Jahr bis zur allgemeinen Hochschulreife am Technischen oder Sozialwissenschaftlichen Gymnasium in dreijähriger Aufbauform gibt es auf der Homepage: http://www.gks-muellheim.de

Autor: Beatrice Ehrlich