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17. Dezember 2015

Schöne Träume und viele Fragen

Die Pläne für das Müllheimer Areal "Am Klemmbach" sind recht weit gediehen, doch deren Umsetzung steht noch in den Sternen.

MÜLLHEIM. Unter den Stadtbauplänen, die das Müllheimer Baudezernat in seinen Schubladen hat, sind die für das Entwicklungsareal "Am Klemmbach" vermutlich die reizvollsten. Trotz diverser Hürden bereits im Frühstadium der Planungen sind die Entwürfe inzwischen schon recht weit gediehen. Dennoch bleiben substanzielle Fragen, die über das Wohl und Wehe dieses ambitionierten Projektes entscheiden. Wann wird es kommen? Wie wird es kommen? Und vor allem: Wie lässt es sich bezahlen?

Was die Vertreter der Architektur- und Planungsbüros K9 Architekten, Faktorgruen und Fichtner Water & Transport in der jüngsten Bauausschusssitzung präsentierten, das war durchaus dazu angetan, diejenigen, die ein Faible für innovative Stadtentwicklung oder ganz einfach auch nur ein Faible für Müllheim haben, ein wenig zum Träumen zu bringen. Würden diese Pläne einmal in die Realität umgesetzt, dann erhielte die Stadt in zentraler Lage ein Areal mit äußerst attraktivem Wohnraum für den einen oder anderen – vermutlich besser betuchten – Einwohner; vor allem aber bekäme Müllheim ein neues Quartier für die gesamte Bürgerschaft mit hoher Aufenthaltsqualität – wo sich Stadt und Natur auf spannende Art und Weise begegnen.

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Dass man überhaupt schon mal ein bisschen träumen kann, war keineswegs von Anfang an selbstverständlich. Über allem stand die Frage des Hochwasserschutzes, nämlich ob das Areal am Klemmbach nach Maßgabe der neuen Hochwasserschutzverordnungen überhaupt bebaut werden kann. Das ist inzwischen auf Grundlage recht aufwändiger Berechnungen in einem für die Stadt positiven Sinne geklärt worden – auch Landratsamt und Regierungspräsidium haben grünes Licht für die Bebauung signalisiert, wie Baudezernent Hartmut Klein dem Bauausschuss berichtete.

Nach diesem grundsätzlichen Okay konnten die Planungen in die nächste Phase gehen. Was Architekten- und Landschaftsplaner entwickelt haben, ist ein von viel Grün durchzogenes Areal, das eine Verbindung schafft zwischen dem Klemmbach und der Hauptstraße und damit den kleinen Fluss noch viel besser und harmonischer in die Kernstadt integriert als das bisher der Fall ist. Der Höhenunterschied zwischen Hauptstraße und Klemmbach wird sukzessive über Terrassen und Landschaftsstufen überwunden, ein Zugang zum Klemmbach soll an mehreren Stellen direkt möglich sein.

Drei durchgrünte Achsen schaffen fußläufige Verbindungen zwischen Innenstadt und Fluss – die wichtigste und größte auf Höhe des "Alten Spitals" in der Mitte des Quartiers. Hier könnte nach Vorstellungen der Planer im oberen Bereich an der Hauptstraße eine großzügige Platzsituation entstehen, die – immer grüner werdend – sich bis zum Klemmbach hin abstuft. In dieser Achse könnten Gastronomie, Spielplätze und Gartenanlagen zusätzlich zu großzügigen Rasenflächen für einen angenehmen Aufenthalt von Jung und Alt sorgen.

Im Osten des Areals ist ein Durchstich für Fußgänger vom Platz der ehemaligen Synagoge geplant; im Westen ein Fußweg, der hinter der Margarethen-Kapelle entlangführt. Die neue Wohnbebauung wird nach den Vorstellungen der Planer von der Mühlenstraße her über eine Fußgänger- und zwei (neue) Autobrücken über den Klemmbach erschlossen. Ein Großteil der Pkw-Stellplätze soll in Tiefgaragen unter der Erde verschwinden.

Lässt sich das Projekt finanziell überhaupt stemmen?

Mit diesen Plänen ist die Stadt auf einem ähnlich weiten, wenn nicht sogar noch etwas fortgeschritteneren Stand als beim Neubaugebiet "Am langen Rain" (BZ vom 12. Dezember). Doch während kaum ein Zweifel daran besteht, dass dieses neue Stadtviertel nun recht zügig seiner Verwirklichung entgegenstrebt, stehen Zeitpunkt und Umfang einer Realisierung der Pläne "Am Klemmbach" noch in den Sternen.

Zunächst einmal muss die Stadt die nötigen Grundstücke akquirieren, was aufgrund der Eigentumsverhältnisse in diesem Areal nicht ganz unkompliziert ist. Der Bauausschuss gab der Verwaltung grünes Licht, in erste Sondierungsgespräche mit den Eigentümern zu treten. Grundstücksverhandlungen im eigentlichen Sinne werden das noch nicht sein, gab der auch für die Stadtfinanzen zuständige Beigeordnete Günter Danksin zu bedenken: "Jetzt ist es erst mal wichtig, dass wir einigermaßen verlässliche Zahlen zu dem Projekt bekommen", so Danksin.

Denn wie so oft hängt das Wohl und Wehe auch hier am Geld. Da das Nettobauland, also die Bereiche, über die die Stadt das Projekt durch Weiterveräußerungen refinanzieren kann, laut Danksinn "überschaubar" ist, stellt sich die Frage, ob das Projekt finanziell für Müllheim überhaupt zu stemmen ist.

Klar scheint schon jetzt: In einem Rutsch wird das neue Quartier "Am Klemmbach" wohl kaum entstehen, bestenfalls in einzelnen Abschnitten. Und das kann dauern. Vielleicht aber wird dann doch eines Tages auch ein ganz persönlicher Traum der Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich wahr: als Rentnerin auf einer Bank im Ruhegarten hinter dem "Alten Spital" den Blick über das Klemmbachtal schweifen lassen.

Autor: Alexander Huber