Müllheim

Stadt Müllheim will mit verschiedenen Modellen Druck vom Wohnungsmarkt nehmen

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Sa, 30. September 2017

Müllheim

Weil ihr eigener Wohnraum knapp wird, will die Stadt Müllheim nun über Mietpatenschaften potenzielle Vermieter auf dem privaten Wohnungsmarkt motivieren.

MÜLLHEIM. Die ohnehin sehr angespannte Lage am Wohnungsmarkt, die Zuweisung von mehr Flüchtlingen als ursprünglich kalkuliert und jetzt auch noch nicht mehr aufschiebbare Sanierungen in städtischen Wohnungen: Das Müllheimer Rathaus gerät bei der Unterbringung von Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, unter Druck – und will mit verschiedenen Maßnahmen darauf reagieren. Vor allem ein Mietpaten-Modell soll Entlastung verschaffen und die Spielräume für die Stadt wieder größer machen.

Wie das Leben so spielt: Probleme treten gerne gehäuft auf. Nachdem das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald die Zuweisung von anerkannten Asylbewerbern in die Anschlussunterbringung auf Druck kleinerer Kommunen neu berechnet hat, muss Müllheim nun bis Ende des Jahres noch 32 Flüchtlinge aufnehmen – 20 mehr als ursprünglich kalkuliert. Mehr oder weniger parallel dazu wird deutlich, dass die Generalsanierung von städtischen Wohnungen in der Goethestraße aus Sicherheits- und Brandschutzgründen unverzüglich angegangen werden muss, und dass dafür Mieter umquartiert werden müssen. Das alles passiert vor dem Hintergrund eines Wohnungsmarktes, auf dem mittlerweile selbst Einzelpersonen und vor allem Familien mit besseren Einkommen kaum noch eine Bleibe finden.

"Konkret benötigen wir fünf Wohnungen für zwölf Personen", erklärte der Müllheimer Hauptdezernent Dominik Fröhlin ohne Umschweife beim Pressegespräch am Freitag, auf dem die Stadt ihre Strategie angesichts der aktuellen Wohnungskrise erläuterte. In der Goethestraße werden in nächster Zeit in drei Runden jeweils 16 Wohnungen saniert – diese sind während der Bauarbeiten nicht bewohnbar. Zwar befinden sich mehr als 150 Wohnungen in städtischer Obhut, doch die Ausweichmöglichkeiten sind so gut wie aufgebraucht. Hinzu kommt: Eigentlich muss die Stadt auch immer noch einen gewissen Puffer an freiem Wohnraum vorhalten, denn die Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, Menschen, denen Wohnungslosigkeit droht, ein Dach über dem Kopf zu verschaffen. Und das kann mitunter auch sehr kurzfristig nötig sein. Fröhlin betonte daher – da immer wieder Gerüchte über leerstehende städtische Wohnungen durch Müllheim geistern: "Unser eigenes Angebot ist derzeit nicht ausreichend."

Eine einzige Lösung, um die Probleme in den Griff zu bekommen, gebe es nicht, stellte Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich klar, ein ganzes Bündel von Maßnahmen sei da nötig. Ein Ansatz wird sein, dass sich die Stadt Müllheim an einem Projekt des Europäischen Hilfsfonds für stark benachteiligte Personen beteiligen wird, das über den AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation laufen soll. Dafür hat der Gemeinderat am Mittwochabend grünes Licht gegeben (wir berichten noch ausführlicher). Und natürlich wird fieberhaft überlegt, wie man über die stadteigene Wohnungswirtschaft und andere flankierende Maßnahmen das Wohnungsangebot in Müllheim vergrößern kann – doch das geht bekanntlich nicht von heute auf morgen.

Die Stadt ist Vermittler und Begleiter

Für eine kurzfristige Entlastung setzt die Stadt nun auf ein Mietpaten-Modell und hofft, damit Wohnungseigentümer zu motivieren, die derzeit noch, aus unterschiedlichen Gründen, davor zurückschrecken, leer stehenden Wohnraum zu vermieten. Die Idee dahinter: Die Stadt tritt in eine Vermittlerrolle zwischen Mieter und Vermieter und kann so Vermietern die Unsicherheit nehmen, die anderweitig mit dem Mietverhältnis verbunden sein könnte. Der Vorteil: "Wir kennen jeden unserer Mieter einzeln und können so gut abschätzen, wer wohin passt", sagt Dennis Dirner von der städtischen Wohnungswirtschaft.

Dirner verhehlt nicht, dass die Sorgen und Vorbehalte von Vermietern nicht immer so ganz unbegründet seien. "Da geht es oft um so ganz triviale Dinge wie die richtige Mülltrennung." Die Stadt steht für einen gewissen Zeitraum nicht nur als Vermittler und Begleiter bei etwaigen Schwierigkeiten zur Verfügung, sondern sorgt auch für Sicherheit, was die Mietzahlungen angeht. Denn die zahlt für den Zeitraum der Mietpatenschaft die Stadt an den Vermieter. "Der kann sich so sicher sein, dass er die gesamte Miete, inklusive der Nebenkosten, auch bekommt", sagt Dirner. Schritt für Schritt soll so ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden.

Nach einem Jahr soll die Mietpatenschaft in ein "normales" Mietverhältnis übergehen, in Einzelfällen kann die Patenschaft aber auch verlängert werden. Dennis Dirner und Angelika Czajor, die sich als städtische Flüchtlingsbeauftragte auch um die Anschlussunterbringung der Migranten kümmert, betonen, dass es in allen Fällen eine sehr individuelle Betreuung der Mietpatenschaften geben wird. Drei dieser Patenschaften laufen übrigens bereits seit dem Sommer – zur allgemeinen Zufriedenheit, wie Czajor und Dirner erklären.

Dennis Dirner betont, dass über das Mietpaten-Modell nicht eine spezielle Zielgruppe betreut werden soll. Ob ältere Menschen mit Bedarf an barrierefreiem Wohnraum, ob Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Menschen mit wenig Einkommen oder Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund – "für das Mietpaten-Modell ist es egal, wo jemand herkommt", betonte Dirner.

Auch bei der Auswahl potenzieller Vermieter soll es eine große Bandbreite geben. Akut gefragt sind vor allem Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit 50 und mehr Quadratmetern. Man sei bereit, eine ortsübliche Miete von – je nach Ausstattung und Zustand – bis zu sieben bis neun Euro pro Quadratmeter mitzugehen, erklärte Dennis Dirner.

Für alle am Mietpaten-Modell Interessierten veranstaltet die Stadt Müllheim einen Informationsabend am kommenden Mittwoch, 4. Oktober, 18.45 Uhr im Rathaus (Sitzungssaal, 4. OG).