Kulturförderung

Tagung in Müllheim: Museen wollen sich fit für die Zukunft machen

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Di, 21. März 2017 um 15:50 Uhr

Müllheim

Gegen das verstaubte Image haben sie erfolgreich gekämpft – die kommunalen Museen auf dem Lande. Doch es gibt natürlich weiter Luft nach oben. Um neue Perspektiven zu entwickeln, treffen sich Museumsexperten in Müllheim.

Das Markgräfler Museum in Müllheim ist am Mittwoch Schauplatz einer hochkarätig besetzten Fachtagung, die das Regierungspräsidium Freiburg in Kooperation mit dem Museumsverband Baden-Württemberg und der Landesstelle für Museumsbetreuung veranstaltet. Museumsfachleute, aber auch Vertreter aus Gemeindeverwaltungen wollen gemeinsam darüber nachdenken, wie sich neue Perspektiven für kommunale Museen im ländlichen Raum des Regierungsbezirks Freiburg entwickeln lassen.

Dass Müllheim der Ort dieser Tagung ist, die es in dieser Form so noch nicht gab, kommt nicht von ungefähr. Der Müllheimer Kulturdezernent und Leiter des Markgräfler Museums Jan Merk ist seit 2014 Präsident des Museumsverbandes Baden-Württemberg und vor geraumer Zeit konnte auch eine kleine Geschäftsstelle des Verbandes mit einer Halbtagskraft im Markgräfler Museum eingerichtet werden. Merk freut sich besonders über das große persönliche Engagement der Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer für die Museen in der Region – vom Regierungspräsidium sei auch die Initiative für die heutige Tagung in Müllheim ausgegangen, so Merk, an der Schäfer auch persönlich teilnehmen wird.

Man habe hier den Fokus auf die Museen in kommunaler Trägerschaft gelegt, nicht um jemanden auszuschließen, betont Merk, sondern "weil wir ja irgendwo mal ansetzen müssen, wenn wir unsere Netzwerke dichter knüpfen wollen", erklärt der Müllheimer Kulturdezernent. Eine Rolle dürfte dabei sicher auch spielen, dass 55 Prozent der dem Museumsverband angeschlossenen Museen kommunale Häuser sind; 28 Prozent befinden sich in der Trägerschaft von Vereinen, wobei hier oft auch die Kommunen mit im Spiel sind, indem sie zum Beispiel Räumlichkeiten zur Verfügung stellen oder Fördergelder fließen lassen.

Insgesamt haben es die Museen in Deutschland und speziell in Baden-Württemberg bis dato geschafft, sich gut den diversen gesellschaftlichen, politischen und technischen Entwicklungen anzupassen. Das jedenfalls legen die Besucherzahlen nahe. Laut Angaben des Museumsverbandes Baden-Württemberg haben die sich von 8 Millionen Besuchern im Jahr 1981 auf 15 Millionen Besucher 2014 fast verdoppelt. Auch die kleinen und mittelgroßen Museen, wie sie häufig im ländlichen Raum zu finden sind, hätten sich deutlich professionalisiert, konstatiert Merk. Die Zeiten seien vorbei, da diese Häuser kaum mehr als "bessere Aufbewahrungsorte für Dreschflegel" waren. Heute sind Museen oft Orte spannender Auseinandersetzungen mit einer Vielzahl kultureller und gesellschaftlicher Themen, Orte der Diskussion und manchmal auch der Provokation.

Dennoch, das legt eine Tagung wie die aktuelle nahe, sehen Experten noch weiteres Potenzial, das es auszuschöpfen gilt, vor allem in Form von verstärkter Qualifikation von Museumsmitarbeitern und Kooperation der Häuser untereinander. Entsprechend werden Referenten am Mittwoch Anregungen geben. Christian Wacker, wissenschaftlicher Leiter des Weiterbildungsstudiengangs Muse-On an der Uni Freiburg stellt dieses Angebot vor, Tilmann von Stockhausen, Leitender Direktor der Städtischen Museen in Freiburg und Leiter des Augustinermuseums, widmet sich der Frage, wie Museen in der Region voneinander profitieren können und welche Kooperationsmöglichkeiten sich denken lassen – auch zwischen kleineren und größeren Häusern.

Welchen Wert und welche Chancen bieten Museen für die Entwicklung von Kommunen und Regionen – dieser Frage wird Jan Merk nachgehen. Axel Burkhardt, Leiter der Landesstelle für Museumsbetreuung informiert über Fördermöglichkeiten, und Thomas Schmidt, Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen im Land, der gerade in den vergangenen Jahren im Markgräflerland vielfältig aktiv war, stellt die spezifischen Profile und Kooperationsmöglichkeiten für die literarischen Museen vor.

Für die rund 60 Teilnehmer, darunter nicht nur Museumsfachleute, sondern auch Kulturamtsleiter und Bürgermeister, soll es zudem reichlich Raum für den gegenseitigen Austausch geben.