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27. März 2015

Unbehagen wegen der Dimensionen

Pläne der Christophorus-Gemeinschaft werden diskutiert.

  1. Soll bald überplant werden: das Areal der Christophorus-Gemeinschaft in Niederweiler zwischen Lindenstraße und Ölbergstraße Foto: volker münch

MÜLLHEIM-NIEDERWEILER. Es herrscht Handlungsbedarf für die Christophorus-Gemeinschaft in Niederweiler: Neue Unterbringungsstandards für Menschen mit Behinderungen und die Sanierungsbedürftigkeit der heutigen Gebäude erfordern eine Neuordnung und Konzeption auf dem ehemaligen Kirschareal. Noch ganz am Anfang des notwendigen Bebauungsplanverfahrens konnten sich nun Bürger zu Entwurfsskizzen äußern, deren Ideen, aber auch Kritikpunkte in die Planung des Bebauungsplans eingehen werden.

Das kleine Ratszimmer im Rathaus platzte am Dienstagabend aus allen Nähten, als rund 50 Personen einen Platz suchten. Niemand von der Stadtverwaltung hatte vermutet, dass so viele Bürger und Nachbarn zu dem Informationsabend kommen würden. Baudezernent Hartmut Klein brachte es auf den Punkt: "Das wird in der Tat sehr kuschelig." Weniger kuschelig, dafür aber hitzig wurden von einzelnen Nachbarn manche Themen diskutiert.
Die Ausgangslage
Der Geschäftsführer der Christophorus-Gemeinschaft, Joachim Walter, erläuterte die Idee und Konzeption für die neue Bebauung. Heute verfüge die Einrichtung über 38 Wohnheimplätze, künftig soll die Zahl auf 31 Wohnplätze verringert werden, so Walter. Das sei das Ergebnis einer neuen Struktur, wie sie die neue Landesheimbauverordnung und die Förderrichtlinien beispielsweise der "Aktion Mensch" verlangten. Es geht um Unterbringungsstandards wie Einzelzimmer, Mindestgrößen der Zimmer und andere Vorgaben. Aber auch die heutigen Gebäude, die noch aus der Zeit der ehemaligen Fahrradfabrik Kirsch stammen, seien sanierungsbedürftig und könnten für die neuen Standards nicht umgebaut werden. "Wir werden neu bauen müssen", zog Walter das Fazit und ergänzte: "Wir wollen keine Behindertenbiotope schaffen, sondern Menschen mit Behinderung und Nichtbehinderte zusammenbringen." Das Anwesen Lindenstraße 4, das wenige Meter östlich liegt, soll ebenfalls einer neuen Bebauung mit zwölf Heimwohnplätzen und vier Wohnungen weichen.

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Das Konzept
Nach und nach werden die vorhandenen Fabrikationshalle und Gebäude auf dem Areal Lindenstraße 4 abgerissen und bebaut werden. Gleich mehrere Gebäudekomplexe sollen nach den Vorstellungen der Christophorus-Gemeinschaft entstehen. Damit öffnet sich die Anlage für die Öffentlichkeit, über das Gelände kann jeder die Ölbergstraße erreichen – es entsteht sogar so etwas wie ein zentraler Ort.

Die zweigeschossigen Gebäude orientieren sich nach den Worten von Planerin Dagmar Abt von der Werkgruppe Lahr weitgehend an den vorherrschenden Firsthöhen in der Nachbarschaft. Das Fronthaus an der Lindenstraße nimmt ein Verkaufsladen mit einem kleinen Café auf. Die rückwärtige Bebauung zur Ölbergstraße hin soll von einem Investor realisiert werden, in der zum einen nach heutigen Entwurfsideen rund 20 Wohnungen inklusive zwei Wohngemeinschaften für die Gemeinschaft entstehen könnten. Stellplätze würden in einer Tiefgarage und neben der Bebauung laut Abt in ausreichender Zahl untergebracht. Von der Ölbergstraße her wird das Gebäude wie das vorhandene Haus zweigeschossig wahrgenommen, ein zurückspringendes Attikageschoss mit Giebeldach – die Dachform ist nach der Idee der Planer der dörflichen Dachlandschaft geschuldet – soll nicht als zu massiv wahrgenommen werden. Das Gebäude in der Lindenstraße 39 ist zweigeteilt, die Gebäudehöhe orientiert sich an der Nachbarbebauung. Ein Flachdachgebäude verbindet beide Häuser.

Der Zeitplan
Noch befindet man sich ganz am Anfang der beiden notwendigen Bebauungsplanverfahren. Mit der frühzeitigen Bürgerinformation und Beteiligung sollen nun Ideen, Sorgen und Kritikpunkt möglichst früh ins Verfahren eingebracht werden. Im weiteren Verlauf des Bebauungsplanverfahrens wird der Gemeinderat Festsetzungen wie Höhe und Größe der Gebäude beschließen. In einem weiteren Schritt werden die Bürger nochmals beteiligt. Allerdings braucht die Christophorus-Gemeinschaft eine baureife Planung, um notwendige Fördermittel beantragen zu können. Und dazu braucht es nach dem Willen des Gemeinderates zwei rechtskräftige Bebauungspläne, die eine künftige Bebauung auf den beiden Grundstücken regeln soll. "Wir rechnen mit einem Baubeginn entweder Ende 2016 oder Anfang 2017", berichtete Walter.

Die Bürgermeinung
Unbestritten ist, das versicherten alle Bürger, die sich zu Wort meldeten, dass die Christophorus-Gemeinschaft gut in Niederweiler aufgehoben sei. Allerdings: Die Kubatur der Gebäude löste bei manchen Bürgern Unbehagen aus. "Solche massive Baukörper und eine solche Quartierbebauung gehören in die Stadt und nicht aufs Dorf", kritisierte Barbara Hauke. Aber auch die vorhandene Fabrikstruktur auf dem Anwesen habe wenig mit einem Dorfcharakter zu tun, entgegnete Michael Fischer.

Sorge bereitete auch die Anzahl der Stellplätze, die als nicht ausreichend angesehen wird. Stefan Baier schlug vor, mit einem Lattengerüst die Dimension des Gebäudes entlang der Ölbergstraße zu visualisieren. "Schade, dass die Stadt nicht die Chance nutzt, das komplette Gebiet komplett zu überplanen, damit auch die Nachbarn für eigene Vorhaben eine Rechtssicherheit haben", sagte ein anderer Anwohner. Unbehagen zeigten einige Bürger bei der Absicht, das Wohngebäude durch einen Investor realisieren zu lassen: "Da weiß niemand, was an massiver Bauweise auf uns zukommt."

Das Fazit der Bürgermeisterin
"Wir nehmen Ihre Einwände, Anregungen und Sorgen mit. Sie werden in die Konkretisierung des Bebauungsplans eingehen und vom Gemeinderat abgewogen werden", versprach Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich. Weil die Skizzen nur erste Vorstellungen der Planer seien, waren die projizierten Pläne auch wenig detailliert. Bürgermeisterin und Baudezernent räumten ein, dass die Qualität der Skizzen und die fehlende räumliche Visualisierung die Vorstellungskraft vieler Bürger überforderten. In einem weiteren Schritt soll nun ein Modell erarbeitet werden. Im Grundsatz stünden die Bürger aber positiv einer Neubebauung gegenüber, fasste Siemes-Knoblich zusammen.

Autor: Volker Münch