Von Harald Schmidt zu Hardy Engel

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Mi, 26. September 2018

Müllheim

Der im Markgräflerland aufgewachsene Autor Christof Weigold stellt sein preisgekröntes Krimi-Debüt in der Müllheimer Mediathek vor.

MÜLLHEIM. Am 12. September wurde auf Schloss Wernigerode erstmals der "Harzer Hammer" vergeben, ein Literaturpreis für das beste Romandebüt im Genre Krimi. Ausgelobt wurde der mit 1000 Euro dotierte Preis vom Krimi-Literaturfestival "Mordsharz". Von den fünf Autorinnen und Autoren, die sich um den "Harzer Hammer" beworben hatten, machte Christof Weigold (53) mit seinem Erstling "Der Mann, der nicht mitspielt" das Rennen. Am heutigen Mittwoch stellt er in der Mediathek Müllheim sein Buch vor.

Weigold kommt nicht von ungefähr nach Müllheim. Er ist im Markgräflerland aufgewachsen und hat das Markgräfler Gymnasium besucht, wo Bernd Jürgen Thiel, einer seiner Deutschlehrer schon früh das Schreibtalent entdeckt hatte. Thiel war es auch, der als Vorstandsmitglied der Müllheimer Lesegesellschaft die Lesung initiiert hat, nachdem er von dem neuen Krimi erfahren hatte. Einmal pro Jahr gibt es in der Mediathek eine Kooperationsveranstaltung mit der Lesegesellschaft und der Buchhandlung Beidek. Ein preisgekrönter Autor, der dazu noch aus dem Markgräflerland stammt, sei für einen solchen Anlass genau der richtige Gast, sagt Antonia Schulze-Hackenesch vom Beidek-Team.

Christof Weigolds Roman spielt im Hollywood der 1920er-Jahre. Wie er dazu kam, berichtete er im Gespräch mit der BZ: "Ich wollte immer schon einen Detektivroman schreiben, mit schwarzem Humor. Normalerweise spielen diese Klassiker im Los Angeles der Vierziger Jahre, der Filmhauptstadt. Ich wollte erzählen, wie sie erst dazu wird, in der Stummfilmzeit, die mich immer schon interessiert hat. Dann stieß ich auf die vielen Skandale dieser Zeit, wie gemacht für eine Krimireihe, und auf die große, weithin unbekannte Rolle der Deutschen in Hollywood rund um Carl Laemmle, den Universal-Gründer. Danach brauchte ich dann Jahre, um alle diese Geschichten zurechtzulegen, zu recherchieren (auch in Hollywood) und zu schreiben."

Das Fingerspitzengefühl für gute Stoffe und ihre spannende Präsentation hat Weigold in seiner jahrelangen Tätigkeit als Drehbuchautor geübt. Mit Harald Schmidt hat er 1996 bis 1999 als Autor in rund 600 Shows mitgearbeitet. Und wie war die Zusammenarbeit mit dem Spaßmacher-Promi Schmidt? "Super, wir Autoren konnten in der Anfangszeit der Show eigentlich schreiben, was uns einfiel. Jeden Morgen konzipierten wir aus den aktuellen News eine neue Sendung, viermal pro Woche. Ich habe auch etwa 40 Auftritte vor der Kamera absolviert, in verschiedensten Rollen und Kostümen. Es war eine sehr gute Autorenschule, auch für Drehbücher und Romane, mit einer Premiere jeden Abend vor Live-Publikum, und danach zogen die Autoren oft mit den prominenten Gästen der Show noch um die Häuser. Eine tolle Zeit", erinnert sich Weigold.

Das Manuskript für das erste Kapitel des Romans lag 13 Jahre in der Schublade, weil er intensiv mit Drehbüchern beschäftigt war. Als Drehbuchautor sei man wie ein Architekt, der ein Haus zusammen mit mehreren Bauherren baut, die alle mitreden vom Sender und Verleih über Produzent und Regie bis zu den Schauspielern, sagt er. Dabei bearbeite man meist mehrere Aufträge gleichzeitig, in verschiedenen Stadien. Irgendwann habe er dann den richtigen Plot gefunden. "Und man soll ja seinen ersten Roman über etwas schreiben, womit man sich gut auskennt: die Filmbranche. Da habe ich einfach weitergeschrieben und es hat so viel Spaß gemacht, dass er irgendwann fertig war." Und der Schwung hält an, der zweite Roman um den gescheiterten Schauspieler und Privatdetektiv Hardy Engel ist bereits so gut wie fertig und soll im kommenden Frühjahr erscheinen, ebenfalls im Verlag Kiepenheuer & Witsch.

Hat Weigold für seinen Detektiv ein Vorbild? Oder hat Hardy Engel sogar autobiografische Züge? Weigold lacht. "Nein, ein reales Vorbild gibt es nicht, außer vielleicht all die Detektivfiguren, die es in der Krimi-Literatur so gibt. Hardy Engel ist geboren in Mannheim, so wie ich, auch sonst hat er sicher Züge von mir – aber in vielem ist er auch anders. Ich schieße zum Beispiel nicht so gut wie er." Christof Weigold hat schon als Kind gerne Geschichten geschrieben, verrät er. Sein erstes Theaterstück wurde in München aufgeführt, als er gerade 22 war. An den Deutschunterricht am Markgräfler Gymnasium erinnert er sich noch gut: "Dr. Thiel hat sehr unterhaltsam und anschaulich unterrichtet, was mir viel Spaß gemacht hat, und ich habe zum Beispiel über die verschiedenen Formen der Komik sehr viel bei ihm gelernt." Auch Thiel kann sich noch gut an seinen begabten Schüler erinnern: "Sein Talent zum kreativen Schreiben – witzig und originell auf hohem Niveau – hat sich von Anfang an gezeigt", sagte er der BZ. Thiel freut sich, dass Weigold zu den Autoren gehört, die von ihrem Schreiben leben können. Und dass das Debüt bei "KiWi" erschienen ist, das sei "schon eine Hausnummer".

Der Krimi ist nicht das einzige Debüt, mit dem Weigold gerade an die Öffentlichkeit geht: Am 19. September war er als Schauspieler im Mooshammer-Film "Der große Rudolph" in der ARD zu sehen. "Ich hatte 2017 vier Drehtage in Prag mit Schauspielern wie Thomas Schmauser, Hannelore Elsner, Robert Stadlober und anderen. Da mein Privatdetektiv ja ein gescheiterter Schauspieler ist, wurde es eine ganz besondere Recherche, da mitzuspielen, die auch in Band 2 einfließen wird...", erzählt Weigold.

Christof Weigold: "Der Mann, der nicht mitspielt", Lesung. Mediathek Müllheim, heute, Mittwoch, 26. September, 20 Uhr