Bürerginitiative zum Schutz des Hochschwarzwaldes

Große Resonanz auf Infoveranstaltung der Windkraft-Gegner

Hans-Peter Müller

Von Hans-Peter Müller

Mo, 20. März 2017

Münstertal

Das Thema Windkraft bewegt die Menschen. Und das zunehmend kontrovers. Auch im Münstertal, wo derzeit mehrere Windkraftprojekte diskutiert werden. Diskutiert wurde auch am Freitagabend im Saal des Café Kreuz.

MÜNSTERTAL. Gut 100 Bürgerinnen und Bürger hörten sich die Argumente der Bürgerinitiative zum Schutz des Hochschwarzwaldes an und setzten sich intensiv mit ihnen auseinander. Dabei überwog die von den Windkraftgegnern vorgetragene Skepsis – nicht unbedingt gegenüber der Windkraft an sich, sondern gegen Windkraft im Hochschwarzwald.

Die Vorträge

Moderator Jacques Barthillat (Furtwangen) brachte in der Einführung bereits Kernargumente der Windkraftgegner vor: Der Strompreis habe sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt, die bereits 27 000 Windkraftanlagen (WKA) erzeugten nur 2,7 Prozent des Stroms, eine Entsorgung ausgedienter WKA sei kaum möglich und die Speicherung überschüssigen Stroms sei völlig unzureichend.

Ingeborg Vonderstrass (Ehrenkirchen) führte den Zuhörern vor Augen, was sie erwarte, wenn die nächste Generation der WKA-Türme kommt: Anlagen, die mit 230 Metern doppelt so hoch seien wie das Freiburger Münster. Und das für WKA, die bei den eher schwachen Winden im Schwarzwald nur knapp an oder unter der Rentabilitätsschwelle lägen.

Ihren Eindruck, dass bei den Planungsverfahren die Themen Landschafts- und Artenschutz politischer Motive wegen nicht richtig abgewogen wurden, bestätigte Landschaftsarchitekt Ulrich Bielefeld (Überlingen), der den Anwesenden mit Fotomontagen vor Augen führte, wie die geplanten Windräder im Münstertal das Landschaftsbild stören würden und dazu beitrügen, das beliebteste deutsche Urlaubsgebiet zu zerstören. Sein Fazit: "Der Charakter der Landschaft ändert sich. Natur wird zur Industrielandschaft."
Dietrich Kühlke (Furtwangen) zeigte anhand vieler Charts auf, dass Windkraft nicht in der Lage sei, die nötige Grundlast für ein stabiles Stromnetz zu liefern, da der Windertrag viel zu schwankend und die Speicherung von Windspitzen bislang ungelöst sei. Die Kälteperiode im Januar etwa wäre mit Windkraft nicht zu bewältigen gewesen. Kühlke rechnete vor, dass es nötig sei, den kompletten Bodensee um 100 Meter hochzupumpen, wenn man die für ein stabiles Netz nötige Grundlast mit einem Pumpspeicher absichern wolle. Nach seinen Berechnungen sei zudem kein Windkraftstandort im Schwarzwald wirtschaftlich zu betreiben: "Ich würde hier nicht investieren," so Kühlke.

Gesundheitsrisiken durch gepulsten Infraschall sind das Spezialgebiet von Werner Roos (Titisee-Neustadt). Er widersprach mit Zitaten aus zahlreichen Studien Windkraftbefürwortern, die behaupteten, es gäbe keine wissenschaftlichen Beweise für negative Auswirkungen der WKA und zeigte auch auf, dass nach seinen Untersuchungen die Messungen der LUBW, auf die viele Genehmigungsverfahren für WKA gestützt würden, nicht ausreichend seien, da etwa nicht unter 8 Hertz gemessen wurde. Der Infraschall sei nicht hör- aber sehr wohl spürbar, was allein schon die Tatsache beweise, dass weltweit an Infraschallwaffen geforscht würde und diese bei der New Yorker Polizei bereits im Einsatz seien. Roos Fazit: "Angesichts nachweisbarer Risiken für die Gesundheit ist es nicht gerechtfertigt, Bürgern diese Opfer abzuverlangen."

Fragen und Diskussion

Das Gesundheitsrisiko beschäftigt auch Bürger, die von kommenden WKA betroffen sein könnten. Und deren Tiere, wie Fragen aus dem Publikum im Anschluss an die Vorträge zeigten. Auch wenn einzelne Stimmen wie die von Anwohnerin Caroline Pfefferle ("Windkraft gehört in den Strommix") oder Franz Wiesler aus Staufen ("Wir müssen angesichts des Klimawandels aktiv werden") WKA durchaus positiv sahen, überwog die Skepsis.

Der frühere Revierförster Alexander Hatt zeigte sich entsetzt über den Flächenverbrauch, den allein die Wege zu den WKA mit sich brächten. Wanderführerin Ursel Lorenz aus Hofsgrund fragte sich, wieso man "tatenlos zuschaut, wie unverbaute Landschaft zerstört wird". Peter Stoll aus dem Dreisamtal mutmaßte, dass die Offenlage der WKA-Planungen jeweils so ungünstig gelegt würden, "dass die meisten es nicht wahrnehmen konnten". Sägewerkbesitzer Karl-Wilhelm Gutmann bekam viel Applaus für die Aussage "Unsere Landschaft ist das einzige Kapital, das wir haben und wir sind dabei es zu verspielen." BI-Jurist Werner Wojtaschek konnte allerdings wenig Hoffnung machen: Wenn WKA erst einmal genehmigt seien, gäbe es für einzelne Bürger kaum Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun. Klagen könnten nur Verbände wie BUND oder Nabu und deren politische und teils auch wirtschaftliche Interessen überwögen.

Münstertals Bürgermeister Rüdiger Ahlers, der mit Staufens Bürgermeisterstellvertreter Helmut Zimmermann die Veranstaltung verfolgt hatte, fand auf BZ-Nachfrage den Abend "sehr sachlich". Es sei wichtig, dass man sich mit beiden Seiten auseinandersetze. "Entscheidungen, ob überhaupt und wenn ja, wo dann Windräder gebaut werden, treffen wir erst, wenn die jetzt anlaufenden Windmessungen fertig sind und klar ist, ob das Ganze rentabel ist", versprach Ahlers.