Münstertal / Ehrenkirchen

Sportschützin aus Südbaden steht kurz vor Olympia-Teilnahme

Manfred Lange

Von Manfred Lange

Di, 17. Mai 2016 um 09:01 Uhr

Münstertal

Eva Rösken vom Schützenverein Münstertal kämpft um die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele in Brasilien. Die 32-jährige Sportschützin kommt aus Ehrenkirchen.

Am 5. August fällt der Startschuss für die Olympischen Sommerspiele in Rio. Gut zwei Wochen lang messen sich dann die weltweit besten Athleten in insgesamt 28 Sportarten. Eine von ihnen könnte Eva Rösken sein. Die 32-jährige Ehrenkirchenerin ist Sportschützin im Schützenverein Münstertal.

An gegenwärtig drei laufenden Mai-Wochenenden wird sich entscheiden, ob Eva Rösken die Qualifikationswettkämpfe in Pilsen, Hannover und München erfolgreich absolviert und damit die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio im August dieses Jahres schafft. Die Sportschützenfamilie in Münstertal ist davon "hundertprozentig" überzeugt, wie das aktive Schützenmitglied Alexander Riesterer frei weg und ganz im Sinne seiner Sportkameraden bekennt.

Und in der Tat kann Eva Rösken bereits mit Titeln wie Weltrekordinhaberin, Europa- und Weltmeisterin aufwarten. Diese beziehen sich auf die Schießsportdisziplinen Großkaliber (GK), Kleinkaliber (KK) und Luftgewehr (LG). Ihre derzeitige Spezialdisziplin ist der KK-Dreistellungskampf 3x20 Schuss (kniend, liegend, stehend) auf 50 Meter Entfernung. Hier gilt es, mit 60 Schuss dem absoluten Maximalziel von 600 Ringen möglichst nahezukommen. Der Weltrekord liegt bei allerbesten Licht- und Wetterbedingungen derzeit bei 594 Ringen.

Einjähriger Sohn

Das ideale Umfeld für Wohnung, Arbeit und Training hat die 32-jährige Schützin und inzwischen Mutter eines knapp einjährigen Sohnes im Südlichen Breisgau gefunden. Während das familiäre Zuhause sich in Ehrenkirchen befindet, liegt der sportberufliche Schwerpunkt inzwischen im Münstertal. Hier wohnen die Schwiegereltern von Eva Rösken (geborene Friedel), die den kleinen Enkel an den Trainingstagen unter der Woche in großelterliche Obhut nehmen, während die junge Soldatin im Auftrag und im Dienste der Bundeswehr im Schützenhaus im Gewann Moos in Münstertal zur Arbeit geht – und das an jedem Werktag. Die Nachmittage gehören dann dem eigenen Konditions- und Krafttrainingsprogramm in einem Fitnessstudio.

Auch die Wochenenden sind meist nicht dienstfrei, ergänzt Eva Rösken. Als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft muss sie nicht selten in ganz Deutschland an Trainingslagern und Wettkämpfen teilnehmen, über die sie minutiös Buch zu führen hat – allein schon aus versicherungstechnischen Gründen.

Aktuell auf Startrang zwei

"Mein Trainingsplan ist gewissermaßen mein Dienstplan", sagt die Soldatin, die seit gut zehn Jahren im Dienste der Bundeswehr steht und der Sportfördergruppe Todtnau-Fahl angehört. Der Deutsche Schützenbund (DSB) mit Sitz in Wiesbaden managt den schießsportlichen Bereich für ihre Teilnahme an internationalen Wettbewerben, von denen sie schon mehrfach mit Medaillenplätzen heimgekehrt ist.

Ganz am Anfang ihrer Karriere standen vor 20 Jahren ihr Vater und ihr Onkel, ebenfalls aktive Sportschützen, denen sie schon als zwölfjährige Schülerin im Schützenverein ihres Heimatdorfes im Odenwald nacheiferte. Im Jahr 2000 wurde sie als 16-Jährige in die Junioren-Nationalmannschaft berufen. Seither stand regelmäßiges wöchentliches Training auf dem Freizeitprogramm, anfangs im Kreisleistungszentrum Buchen, später im Landesleistungszentrum Pforzheim – auch während ihrer Realschulzeit und während ihrer dreijährigen Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten.

Auf ihrem sportberuflichen Weg wird Eva Rösken begleitet von ihrem nicht minder erfolgreichen Coach Raimund Blattmann aus Pfaffenweiler, der als lizenzierter DSB-Trainer im Jahre 2004 Christian Lusch im KK-Wettbewerb 60 Schuss liegend zur silbernen Olympiamedaille in Athen geführt hat. In wenigen Wochen steht Olympia 2016 in Rio bevor.

Aus dem Bewerberkreis von vier Schützinnen (zwei aus Bayern und zwei aus Baden-Württemberg) kämpft Eva Rösken um einen der zwei freien Olympia-Teilnehmer-Plätze für Rio. Die beiden ersten Qualifikationsrunden im KK 3x20 Wettbewerb hat sie erfolgreich absolviert – vor einer Woche in Pilsen mit 582 Ringen und am Pfingstsamstag in Hannover mit 575 Ringen. Aktuell liegt sie auf dem angestrebten Olympia-Startrang zwei mit zwei Ringen Vorsprung gegenüber Rang drei.

Die dritte und alles entscheidende Qualifikationsrunde findet am nächsten Sonntag in München im Rahmen des dortigen Weltcup-Wettbewerbes statt. Nicht nur ihre Münstertäler Sportkameraden drücken ihr ganz fest die Daumen.