"Turbinenwetter" zur Einweihung

Manfred Lange

Von Manfred Lange

Mo, 23. November 2015

Münstertal

Bei strömendem Regen ging am Freitag das neue Wasserkraftwerk am Neumagen zwischen Staufen und Münstertal in Betrieb.

STAUFEN/MÜNSTERTAL. Was die Todtnauer Firma Kaiser KG mit dem Bau eines Wasserkraftwerkes innerhalb eines guten halben Jahres auf die Beine stellte – oder besser: unter den Boden zwischen Münstertal und Staufen-Etzenbach brachte – das ringt nicht nur Laien Bewunderung ab. Am Freitagnachmittag fand nun die Einweihung und Inbetriebnahme des umweltfreundlichen Energieprojekts im Beisein aller an der Planung und am Bau Beteiligten statt.

Zwei Tage zuvor ist das Bachbett des Neumagens noch ein dünnes Rinnsal gewesen, doch zur Einweihung am Freitagnachmittag hatten sich alle Bittgebete der Planer und der Bauherren mehr als erfüllt, denn fast zeitgleich erreichte der Neumagen einen Wasserstand von über 40 Zentimetern und damit einen Wasserdurchlauf von mehreren Kubikmetern pro Sekunde.

Für das organisatorische Outfit der Feierstunde in dem vor Wind und Regen schützenden Festzelt hatte das Mitarbeiterteam der Stadtwerke Müllheim-Staufen gesorgt. Dessen Geschäftsführer Jochen Fischer würdigte einleitend die "große Professionalität", mit welcher das 2,5-Millionen-Euro-Projekt innerhalb weniger Monate verwirklicht wurde – und erfreulicherweise absolut unfallfrei. Das gute Gelingen basiere letztlich auf der Kooperation der Todtnauer Wasserkraftwerksfirma Kaiser KG mit den Stadtwerken Müllheim-Staufen und der wohlwollenden Unterstützung durch die Kommunen Müllheim, Münstertal und Staufen sowie mit dem jungen Genossenschaftsverband Bürger-Energie-Genossenschaft-Südbaden (BEGS), der inzwischen mehr als 300 Mitglieder in seinen Reihen zählt. Diese haben kürzlich die Einlagengrenze von einer Million Euro geknackt.

BEGS-Vorstandsmitglied Ato Ruppert wertete aus der Sicht des Technikers die Wasserkraft als die älteste Form der Energiegewinnung. Sie sei regional, dezentral und ökologisch sauber. Ein Musterbeispiel dafür sei der Neumagen, der seit jeher als Energiespender gedient habe. Hoch erfreut zeigte sich Ruppert über das "Turbinenwetter", das dem Neumagen kurzfristig sogar ein zweijähriges Hochwasser bescherte und damit eine Durchflussmenge von über zehn Kubikmetern pro Sekunde – mehr als genug für eine (wenn auch kurzfristige) maximale Turbinenleistung, die mit 2,5 Kubikmetern pro Sekunde erreicht wird.

Ingenieur Dirk Maier vom Planungsbüro Hydro-Energie Roth gab einen Einblick in die hochkomplizierte Technik einer letztlich automatisch laufenden und vom häuslichen PC aus zu betreuenden Wasserkraft-Anlage – von 1100 Metern Länge, bestehend aus 90 Rohren zu je zwölf Metern Länge und 1,6 Meter Durchmesser bei insgesamt 19 Metern Fallhöhe, dazu einer Überdruck-Turbine und Generator mit 400 Kilowatt Leistung.

Bürgermeister Michael Benitz versicherte mit Blick auf das Staufener Trinkwasser glaubhaft: "Wir brauchen das Wasser aus dem Münstertal", obschon dieses derzeit nur 60 Prozent des Bedarfs decken kann. Den Kraftwerk-Brüdern Herbert und Bernhard Kaiser zollte Benitz höchstes Lob ob ihrer Geduld und Hartnäckigkeit. Das sei ganz im Sinne Staufens auf dem Weg zur energieneutralen Kommune.

Sein Amtskollege Rüdiger Ahlers aus dem Tal ergänzte dieses erstrebenswerte Ziel um das Faktum, dass nur ein Energiemix aus Wasser, Sonne, Holz und Wind letztlich zum gewünschten Erfolg führe. Das neue Wasserkraftwerk im Etzenbach erspare der Umwelt den Ausstoß von 1300 Tonnen CO 2 im Jahr – schon deshalb ein nachahmenswertes Projekt, sagte Ahlers.

Günter Danksin, Beigeordneter der Stadt Müllheim, wertete den vor wenigen Jahren geschaffenen Zusammenschluss zu den gemeinsamen Stadtwerken Müllheim-Staufen als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur energetischen Rekommunalisierung. Mit dem Ausbau dezentraler Versorgungsstrukturen könne überzeugend und nachhaltig der Bürger für eine Beteiligung gewonnen werden.

Herbert Kaiser rechnet mit einer Energie-Ausbeute von jährlich rund 1,3 Millionen Kilowattstunden, was dem Energiebedarf von etwa 400 Einfamilienhäusern entspricht. Bei einer Investition von 2,5 Millionen Euro wird sich die Amortisationszeit auf rund 40 Jahre belaufen, was der Dauer der gegenwärtigen wasserrechtlichen Erlaubnis entspricht. Kaisers Dank galt vorweg allen elf Grundstückseigentümern, über deren Eigentum mächtige Wasserrohre in zwei bis drei Metern Tiefe verlaufen. Planung und Genehmigungsverfahren dauerten rund 15 Jahre, sagte Kaiser, die praktische Umsetzung gelang in weniger als einem Jahr. Dafür galt sein ausdrücklicher Dank den Planern, Ingenieuren, Handwerkern, den Kommunalverwaltungen, den Genehmigungsbehörden und den Hausbanken in Müllheim, Staufen und Schopfheim-Zell.

Die offiziellen Messstellen und die Wasserstandspegel aller Fließgewässer im Land können bei der Landesanstalt für Umwelt beziehungsweise der Hochwasservorhersagezentrale abgerufen werden: http://www.hvz.baden-wuerttemberg.de – für den Neumagen unter der Ortsangabe "Untermünstertal". Weitere Infos zu BEGS und zu den Stadtwerken im Internet unter: http://www.sw-muellheimstaufen.de und http://www.buerger-energie-suedbaden.de