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13. Juli 2010

Es tuscheln und niesen die Gartenzwerge

Almut Tina Schmidt entdeckt "Das Ding der Unmöglichkeit".

Tante Sibylle plappert ohne Ende. Phillips Ohren glühen. Der Junge wohnt vorübergehend bei seiner Tante, der notorischen Quasselstrippe. Ein hartes Los! Erlösung erhofft sich Philipp vom "Privatinstitut für besondere Angelegenheiten". Schließlich verspricht Professor Erasmus Däncker da "Hilfe aller Art". Allerdings tuscheln und niesen die Gartenzwerge vor dem Gebäude. Auch die Hydranten, die überall in der Stadt aus dem Boden schießen wie Pilze, stehen hier besonders dicht. Sehr verdächtig! So schweigt Tante Sibylle nach der Behandlung zwar tatsächlich. Dafür sprießen neuerdings fiese schwarze Warzen in ihrem Gesicht.

"Tante Sibylle wurde dadurch nicht unbedingt schöner", stellt Philipp in dem Buch "Das Ding der Unmöglichkeit" reichlich herzlos fest. Die Warzen werden zudem dicker und dicker, bis sie abfallen wie reife Früchte. Für jede, die fortkullert, wachsen vier neue nach! Da regt sich dann doch etwas Mitleid bei Philipp. So übel ist die Tante ja nicht. Beispielsweise zahlt sie regelmäßig Taschengeld. Das findet Philipp sympathisch. Seine Eltern vergessen es nämlich meistens, ihm ein paar Scheine zuzustecken. Also macht sich der Junge noch einmal auf zum Institut vom Professor Däncker. Dessen Putzhilfe Frau Schrubschtschkowa hat der Tante die Warzen eingebrockt – mit Zauberei und Hypnose!

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Verwunschene Gartenzwerge, Zimmervulkane, Roboter, die Tennislatschen als "Hemmschuhe" tragen – die Freiburger Autorin Almut Tina Schmidt lässt im "Ding der Unmöglichkeit" ihre Phantasie spielen. Sie reiht Einfälle an Einfälle, erzählt aber hintersinnig: Oberflächlich überstürzen sich verrückte Ereignisse. Darunter gluckst feine Ironie. Trotz allen Irrsinns gleitet das ergötzliche Buch nicht ab in Unsinn. Die Autorin mischt Aberwitziges mit reellen Alltagszwängen: Selbst Genies schlagen sich mit dem Finanzamt herum. Das ist von des Professors schludriger Buchführung gar nicht angetan! Er bekommt auch die Nebenwirkungen seiner Mittel nicht in Griff. Daran scheitern Frau Schrubschtschkowas Zaubereien ebenfalls. Dr. Zufall, der Gehilfe des Professors, weilt sowieso ständig wegen missglückter Selbstversuche zur Entgiftung im Krankenhaus. Chaos breitet sich aus. Alle Anstrengungen, Normalität wiederherzustellen, erscheinen aussichtslos. "Die einzige Chance wäre ein Ding der Unmöglichkeit", glaubt der Professor. Das hat aber einen gewaltigen Nachteil: Es ist eben völlig unmöglich!

Für Kinder ab neun und weit jenseits davon ein heiterer Lesespaß. Im Vergleich dazu wirken die Zeichnungen von Franziska Biermann fast schon ernst.

– Almut Tina Schmidt: Das Ding der Unmöglichkeit. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2010. 192 Seiten mit Zeichnungen von Franziska Biermann, 12,90 Euro. Ab 9.

Autor: Jürgen Schickinger