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02. November 2012

Frischer Ton in der Mundart

Nicole Keilbach-Schmittels erster Gedichtband.

  1. Nicole Keilbach-Schmittel Foto: ros

"S menschelet" ist das erste Kapitel in Nicole Keilbach-Schmittels Gedichtband "de schöfliwulken en schupf" überschrieben. Ja, es menschelt in diesen Zeilen, aber auf ganz unverblümte Art. "S menschelet/ de Sündefall/de Holocaust/Tschernobyl/Afghanistan/des goht uf di chappe..." heißt es in dem Gedicht. Ohne Umschweife auf den Punkt, das zeichnet die Mundart-Lyrik der 40-jährigen Autorin aus. Es kam ihr nie etwas anderes in den Sinn als auf alemannisch zu schreiben, sagt die gebürtige Todtnauerin, die mit ihrer Familie in Zell-Gresgen lebt. Was sie tagein, tagaus bewegt und beschäftigt, kann sie am besten in der Sprache ausdrücken, die ihr "so ganz eigen" ist. Eben der Dialekt, mit dem sie aufgewachsen ist und der ihr erlaubt, ihre Blicke auf die Welt und auf sich in lyrische Form zu fassen. Einblicke in die alemannische Seele nennt es Nicole Keilbach-Schmittel. Zu diesem alemannischen Wesen gehört für sie auch, sich sprachlich knapp und bündig, geradlinig und direkt auszudrücken. Dabei lotet sie die wortklanglichen Möglichkeiten farbig aus. Dieser "frische, gleichzeitig zärtliche und freche Ton", wie es Markus Manfred Jung bezeichnet, und der doppelbödige Humor ließ schon die Juroren des Gerhard-Jung-Wettbewerbs für Junge Mundart aufhorchen, bei dem die Autorin für ihre Lyrik und Prosa ausgezeichnet wurde.

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Im Mai kam im Drey Verlag ihr erster Gedichtband mit dem so poetischen wie klangvollen Titel "de Schöfliwulken en schupf" heraus. "Für mich ist das ein richtiger Schatz", sagt die ausgebildete Erzieherin über diesen Debütband. Ein Teil der Gedichte handelt von persönlichem Erleben. Wie Nicole Keilbach-Schmittel ihre Erfahrungen als Mutter von fünf Kindern beschreibt, zwischen der staunenden Zärtlichkeit, mit der sie ihr Neugeborenes im Arm betrachtet ("wie ne Engeli liisch do"), und dem lakonischen Humor und Sprachwitz, mit dem sie den aufreibenden Familienalltag in Gedichtform bringt ("chann i anstatt salat au e tafle schoggi esse? Hejo! Un e cola däzue trinke? Worum au it!"), das klingt so unverstellt authentisch – wie es ihrem Wesen entspricht.

Dann gibt es die Gedichte, in denen Keilbach-Schmittel als Frau, die fest im Leben steht, das Leben hintergründig betrachtet: "Nackig/kei Tarnumhang/kei Bschützer/ällei/uszoge/chasch niene hängge bliebe". In wenigen Worten viel auszusagen, das ist die große Fähigkeit dieser Dichterin. Beeindruckend auch, wie sie in einem zeitkritischen Gedicht auf alemannische Wortbedeutungen anspielt: "Wieder sin dütschi soldate/in Afghanistan/gefallen/si sin keit/bin i froh/ass mr des i miire sproch id au no/gfalle mueß".
–"de schöfliwulken en schupf" von Nicole Keilbach-Schmittel, Drey Verlag, mit Audio-CD mit den gesprochenen Texten.
– Lesungen: 3. November, 15 Uhr: Gasthaus "Baselblick", Efringen-Kirchen. 14. Dezember, 20 Uhr: Kulturcafé Fräulin, Zell im Wiesental

Autor: ros